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So, 09:38 Uhr
18.10.2009

Kunst in der Langen Reihe

Am kommenden Samstag (24. Oktober) erwarten die Besucher in der Langen Reihe 11 ab 14.30 Uhr eine Autorin und eine Künstlerin live. Dazu eine ausführliche Einladung von Heidelore Kneffel in der nnz.


Bärbel Klässner, Jahrgang 1960, gebürtig aus Magdeburg, reist aus Essen an und stellt ihre Lyrik und Fließtexte vor. Als Motto wurde ihre Verszeile „ ...und dachten an die ungelebten Wege in uns“ gewählt. Karin Kisker, Jahrgang 1953, hat es näher, sie kommt aus Nordhausen und zeigt Bilder unter dem Titel „Zeitschachteln“, eine philosophisch-sinnliche Zeitreise.

Bärbel Klässner versuchte sich schon als Kind im Gedichteschreiben und Basteln von Büchern. Sie übte sich in dem in der DDR angebotenen „Zirkel schreibender Pioniere“ und im „Poetenseminar der FDJ“. Ab 1979 studierte sie in Jena Psychologie, die Eltern waren bereits verstorben, sie hatte eine einjährige Tochter bei sich. Sie verspürte zunehmend die Reglementierung im Lande, brach das Studium ab. Eine zweite Tochter kam zur Welt. Sie suchte Kontakt zu den Gruppen, die innerhalb der Kirche einen geistigen Freiraum eroberten.

Trotz zunehmenden Widerstandes gegen die vorgeschriebene DDR-Ideologie blieb sie im Lande, gründete eine Frauengruppe, in der eigene Ideen, daraus erwachsende Kreativität und Verlässlichkeit oberstes Gebot waren. Bärbel Klässner litt, stritt, schrieb und war Mitherausgeberin einer illegalen Frauenzeitschrift. Im Jahr 1990 zog sie mit den Töchtern nach Köln, absolvierte eine therapeutische Ausbildung, kam nach Thüringen zurück, nach Weimar.

Inzwischen hatten sich zahlreiche Gedichte und Lyrik nahe Texte angesammelt. Die Begegnungen mit dem Dichter Wulf Kirsten und anderen Autoren waren stimulierend. Es erschien 1997 der Band „Nahe dem wortwendekreis“, in dem sich das Geschriebene der letzten zehn Jahre versammelte, vier Jahre später „Am ende der städte“. 2003 zog sie nach Essen. Was dort gedichtet wurde, erschien in dem Band „Der zugang ist gelegt“.

Darin schrieb Wulf Kirsten ein Nachwort: „Eigens erfinde ich für Bärbel Klässner eine weibliche Form des Pilgrims: Pilgrima. Sie ist eine Wanderin durch etliche Wechselbäder der deutschen Geschichte, teils veröstlicht, teils verwestlicht ... Das Ursprüngliche, Bekenntnishafte, das auf existentiellen Erfahrungen beruht, war und blieb charakteristisch für ihre Vorstellungen von Poesie ... Sie gibt sich in kühnen Bildfindungen komisch, tieftraurig, tragisch, nie larmoyant.“

Bildfindungen nicht in Worten, sondern künstlerisch aufs Papier gebannt, begegnet man in der „Dichterstätte“ an diesem Nachmittag ebenfalls, geschaffen von Karin Kisker. Das Phänomen der Zeit beschäftigt sie intensiv seit 1997, als sie begann, jedem Tag bis hin zur Jahrtausendwende ein Bild zu widmen, dem sie einen Text hinzu gab. Sie stellte Auszüge daraus im Meyenburgmuseum und in der Kreissparkasse in Nordhausen aus, in Kassel, in Wiesbaden, in Mainz, in Bonn. Noch immer sind zahlreiche Bildnisse aus diesem großen Kunstprojekt nicht öffentlich geworden. Deshalb freut es uns, eine weitere Anzahl von ihnen in Limlingerode ausstellen zu können. Hinzu kommen ganz neue Arbeiten, die sie zum Thema „Zeitschachteln“ geschaffen hat. Philosophisch-sinnlich geht es in diesen Bildfindungen zu, was für die Künstlerin typisch ist.

Karin Kisker studierte Kunst und Germanistik an der Universität in Greifswald. Dort lehrt man bis heute intensiv die hohe Kunst des Zeichnens. Das kam ihrer Begabung entgegen, denn Bleistift und Kugelschreiber gehören seit frühen Kindertagen zu ihren Stammutensilien. Hinzu kommt das Hantieren mit Farbe, wobei sie ausgiebig auch ihrer Experimentierfreude frönt.

Caspar David Friedrich, der große Künstlersohn der Stadt Greifswald, vertrat die Ansicht, dass das, was man real sieht, nur der Anlass zum Zeichnen und Malen sein kann. Allein derjenige, der Gesehenes aus sich heraus zum Bild fügen kann, verdient es, Künstler genannt zu werden. Karin Kiskers Bilder stehen in dieser Auffassung von Kunst.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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