Di, 11:16 Uhr
06.10.2009
Weiter angespannt
Jedes dritte Unternehmen beklagt schlechtere Kreditkonditionen: mehr Sicherheiten, höhere Zinsen, Risikoaufschläge. Trotz deutlicher Zinssenkungen der Zentralbank Europas. Die IHK hat in Nordthüringen nachgefragt...
Trotz deutlicher Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank haben sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen nicht wesentlich verbessert. Im Zuge der Finanzmarktkrise müssen die Firmenchefs für ihre Kredite, Bürgschaften oder Beteiligungen immer tiefer in die Tasche greifen.
Einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im September unter rund 900 Unternehmen zufolge hat sich die Kreditvergabe für 30 Prozent der Betriebe sogar noch weiter verschlechtert. Anzeichen für eine flächendeckende Kreditklemme in Nord- und Mittelthüringen sind jedoch noch nicht erkennbar.
Veränderungen spüren die Unternehmen bereits seit gut einem Jahr. Die Kreditvergabe ist restriktiver geworden und die Konditionen haben sich verschärft. Inzwischen berichtet jeder Dritte Unternehmer von einem erschwerten Zugang zu Finanzmitteln, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Vor allem bonitätsschwache Firmen hätten mit den härteren bankinternen Vergaberichtlinien zu kämpfen. Zwei von drei Unternehmen berichteten über steigende Anforderungen an Kreditsicherheiten.
Hier öffnet sich mehr und mehr die Schere: Zum einen gewinnen Sicherheiten zunehmend an Bedeutung, auf der anderen Seite sind sie immer weniger wert, beklagt der IHK-Chef. Für zahlreiche Betriebe sei dies ein Teufelskreis. Knapp 60 Prozent der Befragten müssten zudem eine höhereZinslast schultern und jeder Vierte eine zusätzliche Versicherung abschließen.
Da die ungünstige Auftragslage inzwischen auch in die Bilanzen einfließt, verschlechtert sich für viele Betriebe die Bonitätsbewertung – mit der Folge von Risikoaufschlägen bei der Kreditierung, berichtet Grusser.
Von diesem Effekt wären sogar Firmen betroffen, deren Geschäftsaussichten sich gegenwärtig schon wieder deutlich verbessert hätten. Einschnitte würden die Unternehmer hauptsächlich bei den Betriebsmittelkrediten spüren.
Drei Viertel aller Befragten verzeichneten hier eine Verschlechterung ihrer Konditionen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Finanzierung auch zur Gretchenfrage für den Aufschwung in Deutschland werden, gibt Grusser zu bedenken. Schließlich müsste ausreichend Liquidität gegeben sein, um die notwendige Vorfinanzierung von Aufträgen sicherzustellen.
Jetzt ist schnell eine handlungsfähige Regierung auf Landes- und Bundesebene gefragt, die über zinsverbilligte Darlehen der Förderinstitute, zielgenaue Bürgschaftsprogramme und unkomplizierte Beteiligungsoptionen über die Durststrecke hinweghilft.
Autor: nnz/knTrotz deutlicher Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank haben sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen nicht wesentlich verbessert. Im Zuge der Finanzmarktkrise müssen die Firmenchefs für ihre Kredite, Bürgschaften oder Beteiligungen immer tiefer in die Tasche greifen.
Einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im September unter rund 900 Unternehmen zufolge hat sich die Kreditvergabe für 30 Prozent der Betriebe sogar noch weiter verschlechtert. Anzeichen für eine flächendeckende Kreditklemme in Nord- und Mittelthüringen sind jedoch noch nicht erkennbar.
Veränderungen spüren die Unternehmen bereits seit gut einem Jahr. Die Kreditvergabe ist restriktiver geworden und die Konditionen haben sich verschärft. Inzwischen berichtet jeder Dritte Unternehmer von einem erschwerten Zugang zu Finanzmitteln, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Vor allem bonitätsschwache Firmen hätten mit den härteren bankinternen Vergaberichtlinien zu kämpfen. Zwei von drei Unternehmen berichteten über steigende Anforderungen an Kreditsicherheiten.
Hier öffnet sich mehr und mehr die Schere: Zum einen gewinnen Sicherheiten zunehmend an Bedeutung, auf der anderen Seite sind sie immer weniger wert, beklagt der IHK-Chef. Für zahlreiche Betriebe sei dies ein Teufelskreis. Knapp 60 Prozent der Befragten müssten zudem eine höhereZinslast schultern und jeder Vierte eine zusätzliche Versicherung abschließen.
Da die ungünstige Auftragslage inzwischen auch in die Bilanzen einfließt, verschlechtert sich für viele Betriebe die Bonitätsbewertung – mit der Folge von Risikoaufschlägen bei der Kreditierung, berichtet Grusser.
Von diesem Effekt wären sogar Firmen betroffen, deren Geschäftsaussichten sich gegenwärtig schon wieder deutlich verbessert hätten. Einschnitte würden die Unternehmer hauptsächlich bei den Betriebsmittelkrediten spüren.
Drei Viertel aller Befragten verzeichneten hier eine Verschlechterung ihrer Konditionen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Finanzierung auch zur Gretchenfrage für den Aufschwung in Deutschland werden, gibt Grusser zu bedenken. Schließlich müsste ausreichend Liquidität gegeben sein, um die notwendige Vorfinanzierung von Aufträgen sicherzustellen.
Jetzt ist schnell eine handlungsfähige Regierung auf Landes- und Bundesebene gefragt, die über zinsverbilligte Darlehen der Förderinstitute, zielgenaue Bürgschaftsprogramme und unkomplizierte Beteiligungsoptionen über die Durststrecke hinweghilft.

