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So, 09:48 Uhr
22.09.2002

Erkennen und bekennen

Nordhausen (nnz). Jedes Jahr gibt es in Deutschland die interkulturelle Woche. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Rassismus erkennen - Farbe bekennen!“. Dazu ein Beitrag von Pfarrer Peter Kube in der nnz.


„Rassismus erkennen - Farbe bekennen“, so lautet das Motto auch in diesem Jahr (29.9. bis 05.10). So könnte es in jedem Jahr lauten. Weil wir immer viel mehr von unseren Vorurteilen geleitet sind, brauchen wir die Gelegenheit, diese Vorurteilen Fremden und Fremdem gegenüber zu hinterfragen. Diese Woche will dazu einen Beitrag bieten. Und wir haben kein Interesse, die Verhältnisse im Südharz schöner zu reden. Festwochen dieser Art brauchen keine rosarote (oder anders gefärbte) Brille, sondern den klaren Blick in die Verhältnisse zwischen Menschen als Nachbarn, MitbürgerInnen und Institutionen, Ämtern, Verwaltungen und Menschen, die abhängig sind von deren Entscheidungen.

Viele Ausländer sind erschrocken über die Vorbehalte, die ihnen entgegengebracht werden. Sie werden das aus Höflichkeit und Furcht nicht so oft sagen - zumal nicht denen, von deren Entscheidungsbefugnis viel für sie abhängt. Und sie sind entsetzt, wenn von dem Verhalten einiger Ausländer auf alle geschlossen wird. So wie ich erschrocken bin, wenn Ausländern als Schimpfwort für Deutsche des Wort „Faschist“ über die Lippen rutscht, wenn ihnen eine Entscheidung nicht behagt.

Das sind immer wieder aufklärende Geduld und vorurteilslose Kommunikation gefragt. Noch mehr Projekte interkulturellen Inhalts in den Schulen sollte es geben. Froh sind wir, dass sich schon viele (Schulen) den Bedingungen des Lebens in anderen Ländern zuwenden. Gerade die Kinder sind den Vorurteilen der Erwachsenen so ausgeliefert. Sie schnappen auf, was ihnen in die Ohren gerät und spüren schon in jungen Jahren, dass die „Spezies“ Ausländer sich bestens anbietet, als Sündenbock herzuhalten.

Doch es gibt auch die ermutigenden Anzeichen, dass Menschen bereit sind, die Lebensbereiche und ­erfahrungen ausländischer Mitbürger kennen zu lernen, ihre Fragen, ihre gute Nachbarschaftlichkeit als gute Chance sehen.

Wie groß die Aufgabe im Bereich interkulturellen Lebens ist, das beschreiben auch die Beschlüsse zur lokalen AGENDA 21 in ihrem sozialen Teil, zu dem Stadt und Kreis JA gesagt haben. Bekenntnisse sind die eine, ihre lebensnahe Entwicklung die andere Seite. Immerhin leben wir in einem Landkreis, der es sich bei der geringfügigen Anteile ausländischer MitbürgerInnen leisten kann (oder haushalttechnisch leisten muss?!), keine hauptamtliche Beratung zu finanzieren. Wo gerade keine Konflikte himmelschreiende Erfahrungen in die Erwartung von Haushaltbeschlüssen verwandeln, ist die Sicht all derer entscheidend, die ehrenamtlich aus verschiedensten humanitären, religiösen oder anderen Beweggründen das Zusammenleben im Blick haben.

Das Programm in diesem Jahr verbindet das Fest mit dem Nachdenken über die Fremdheitserfahrungen. Diesbezügliche Höhepunkte sind aus dem Programm erkennbar. Sollen wir etwas besonders hervorheben? Am Montag begrüßen wir PARADA - eine Gruppe voll clownesker Akrobatik, ehemalige Straßenkinder aus Rumänien, sie feiern mit uns am 23.9. auf dem Theaterplatz.

Zum zehnjährigen Bestehen des Schrankenlos - Festes in Nordhausen haben wir viele Gäste, anspruchsvolle wie ansprechende Veranstaltungen, so hoffen wir. Vom Liederabend bis zum Sportfest, von Kindern aus Brasilien bis zu 'unerwünschten' Reportagen über Fremde in der DDR, von der deutschen Rostbratwurst bis exotischsten Kulinaritäten sind viele „alteneue“ Erfahrungen möglich. Vom 27.-29. 9.

Wir freuen und auf viele Gäste. Schaut ins Programm und es sind nicht nur die kulturellen Highlights, die das fest zum Fest machen. Besonders freue ich mich auf den Gesprächsnachmittag am Humboldtgymnasium, Domstraße - Probebühne, am 1. Oktober um 14.00 Uhr. Persönliche und politische Erfahrungen und Entscheidungen begegnen einander. Wir werden die Entscheidungen für Deutschland und Europa nicht grundsätzlich gestalten, aber wir können den Entscheidungsraum so ausstatten, dass Rassismus, Ausgrenzung, Diskriminierung - dass die ganze Palette der Vorurteilsergüsse keinen Platz findet.
Schalom, Ihr Peter Kube
Autor: nnz

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