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Do, 07:48 Uhr
02.07.2009

Mediziner gewürdigt

Eine Straße in unmittelbarer Nähe des Südharz Krankenhauses erhielt jetzt als Dr. – Kurt – Isemann - Straße ihren neuen Namen. Die Enkelin von Dr. Isemann, Ulrike Windgassen, war mit Ihrer Familie aus Bonn angereist, um gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Jendricke und dem ehrenamtlichen Beigeordneten, Dr. Manfred Schröter das Namensschild zu enthüllen...

Straße benannt (Foto: psv) Straße benannt (Foto: psv) Dr. Kurt Isemann sei ein herausragender Bürger Nordhausens gewesen, der als Mensch und Arzt über vier Jahrzehnte lang unter Zurückstellung der eigenen Belange in Nordhausen mit unermüdlichem Schaffensdrang und Pflichtbewusstsein gewirkt habe, ehrte Dr. Manfred Schröter am Dienstag den Mediziner in seiner Laudatio. Er sei Pionier auf dem medizinischen Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie auch 45 Jahre nach seinem Tod sowohl in Nordhausen als auch in der Fachwelt unvergessen.

„Mit der Benennung der Straße nach Dr. Kurt Isemann wollen wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, sagte der Bürgermeister. Die unmittelbare Nähe zu den denjenigen Fachkliniken des Südharz-Krankenhauses, die sich heute in der Nachfolge und Tradition der Isemannschen Arbeit und ihres Geistes sehen dürfen, sei bewusst gewählt worden. Der Stadtrat fasste den Beschluss mit dem Ziel, dass mit dem Namen auf dem Straßenschild auch die Jüngeren zu Fragen nach seinen großen Verdiensten veranlasst werden, ergänzte Dr. Schröter, der den Antrag noch in der vergangenen Legislaturperiode im Stadtrat stellte.

Ulrike Windgassen dankte im Namen der Familie und besonders ihrer 92jährigen Mutter für die erwiesene Ehre und die persönlichen Worte. Ihren Großvater sah sie immer als jemanden, der den Menschen in den Mittelpunkt stellte. „Kein Kind war für ihn verloren, er gab jedem eine Chance. So kenne ich ihn und so wurde es mir auch von meiner Familie erzählt“, sagte sie.

Kurt Isemann (1886 –1964) studierte in Freiburg/B., Würzburg, Straßburg, Berlin und München Medizin und legte 1911 das Staatsexamen ab und war im 1. Weltkrieg zeitweilig als Truppenarzt eingesetzt. 1920 erhält er die Anerkennung als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. In der ärztlichen Betreuung psychopathisch belasteter Jugendlicher erkennt er seine Lebensaufgabe.

Sein Ziel war es, eine Spezialklinik zur Therapie jugendlicher Entwicklungsstörungen aufzubauen unter der Maxime, eine enge Verbindung und gegenseitige Verflechtung von Psychiatrie und Heilpädagogik zu schaffen. Er kauft und übernimmt 1919 die ehemalige „Erziehungsanstalt für Schwachsinnige“ in der Nordhäuser Osterstraße (heute Alexander-Puschkin-Straße). Seine Klinik, die er in den 20er und 30er Jahren ständig erweiterte, erlangte auch über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf.

Nicht zuletzt durch seine Vorbildwirkung als unermüdlicher Idealist – als „Albert Schweitzer am Südharz“, wie man ihn nannte. Er meisterte in den folgenden Jahren immer wieder auftretende wirtschaftliche Schwierigkeiten wie Inflation und Weltwirtschaftskrise, aber auch die Krise der Naziideologie des „lebensunwerten Lebens“ bedroht nach 1933 die Klientel der Isemannschen Klinik. Doch er kämpft für seine Patienten, erweitert das Spektrum der pädagogischen Arbeit um Lehrwerkstätten für ältere Jugendliche und auch als Gutachter versucht er seine Patienten zu schützen so gut es geht.

Im März 1964 übergibt er sein Lebenswerk in die Hand eines renommierten und würdigen Nachfolgers. Wenige Wochen nach seiner Verabschiedung, am Weihnachtstag des Jahres 1964 erlosch sein Leben still und ruhig wie eine abgebrannte Kerze.

Zum Foto: Straßenschild enthüllt: v.l.n.r.: Bürgermeister Matthias Jendricke, Ulrike Windgassen und Dr. Manfred Schröter
Autor: nnz

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Kommentare
Manfred
02.07.2009, 10:43 Uhr
Unwürdig
Es wäre wohl besser gewesen wenn ein anerkannter praktizierender Mediziner (z.B. ein Chefarzt aus dem Südharzkrankenhaus) die Ehrung für Dr. Isemann durchgeführt hätte.

Nichts gegen den ehemaligen Betriebsarzt des VEB Tabak, Herrn Dr. Schröter, aber die Zeit ist weiter gelaufen.
Demokrat
02.07.2009, 11:12 Uhr
Ehrenamtlicher Beigeordneter?
Hatten wir nicht kürzlich Kommunalwahl und gestern die 1. Sitzung des neuen Stadtrates ? Wieso war da nichts in der Presse zu finden das Herr Schröter wieder gewählt wurde ? Kein Wunder das kein unpolitischer Mensch mehr versteht wen er eigentlich wählt.
Nervensäge
02.07.2009, 15:46 Uhr
Amtsanmaßung?
Nach § 32(4) der Thüringer Gemeinde- und Landkreisordnung (ThürKO) und § 13(2) des Thüringer Wahlgesetzes endete die Amtszeit der ehrenamtlichen Beigeordneten im Nordhäuser Stadtrat am 01.07.2009.
Entweder wurden gestern neue ehrenamtliche Beigeordnete vom frisch gewählten Stadtrat gewählt oder es gibt im Moment keine gewählten ehrenamtlichen Beigeordneten.
Pressesprecher Stadt Nordhausen
02.07.2009, 22:56 Uhr
Straßenbennung war am 30. Juni - und damit war Dr. Schröter im Amt
Sehr geehrte Damen und Herren Kommentatoren,

der Termin zur Straßenbenennung am Krankenhaus fand am 30. Juni statt. Damit war Dr. Schröter als ehrenamtlicher Beigeordneter im Amt - wenn auch den letzten Tag der ablaufenden Legislaturperiode.

Auf Dr. Schröters Initiative als Stadtrat geht die Straßenbennung zurück. Er hatte einen entsprechenden Antrag in den Stadrat eingebracht, der letztlich beschlossen wurde.
Bürgerin
03.07.2009, 07:25 Uhr
Danke an den Pressesprecher der Stadt Nordhausen
Es ist gelinde gesagt schon fast pathologisch, was sich manche hier aus den Fingern saugen.

Hinter jedem Auftritt eines Politikers oder einer anderen öffentlichen Person werden gleich Dinge vermutet und in den Raum gestellt, es werden Unterstellungen gemacht, negative Kritik geäußert etc etc..

Gibt es in Nordhausen nur noch Menschen, die nörgeln und negative Kritik üben an Allem und Jedem? Ist das eine Art Volkssport hier geworden?

In diesem Beitrag ging es nicht darum, die Anwesenheit von Herrn Dr. Schröter zu hinterfragen, sondern um über die Würdigung eines Mediziners zu berichten.
denk-mal
03.07.2009, 09:20 Uhr
Dr. Schröter
es ist grundsätzlich richtig, der herr dr. schröter war noch der amtierende ehrenamtliche beigeordnete, seine initiative war es, dass herr dr. isermann mit einem straßennamen gewürdigt werden sollte und nun auch gewürdigt wurde.

aus den vielen kommentaren kann man entnehmen, dass sein stern auf der nordhäuser beliebtheitsskala nicht unbedingt im steigen ist. herr dr. schröter ist ohne frage einer der amtsältesten lokalplotiker. seine tätigkeit im kreistag begann schon in den frühen siebziger jahren. er war unser kreishygienedoktor und so glaube ich auch mal kreisverkehrsdoktor. 1990 war er dann nach der wende der erste nordhäuser bürgermeister.

also man sollte ihm das ruhig gönnen, die würdigung des kollegen vorzunehmen. es ist sowieso davon auszugehen, dass der nordhäuser stadtrat ihn sicherlich wieder zum ehrenamtlichen beigeordneten wählen wird.
Manfred
03.07.2009, 10:11 Uhr
Würdigung?
Sehr geehrte Bürgerin,

Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Es sollte eine Würdigung von Dr. Isemann sein. Ob hier so der richtige Rahmen gefunden wurde ? Ich hatte ja schon einen Vorschlag gemacht.
Bürgerin
03.07.2009, 16:38 Uhr
Wieso denn nicht?
Weshalb stört es Sie @ Manfred, daß Herr Dr. Schröter dort anwesend war, es ging hier doch wohl weniger um das Südharzkrankenhaus, als um eine Benennung einer Straße im Stadtgebiet Nordhausen, da geht es m.M nach doch nicht darum, daß Herr Schröter zu DDR-Zeiten getan hat, sondern viel mehr hat er dieses ja wohl in seiner jetzigen Funktion getan, als Vertreter der Stadt, eben neben Herrn Jendricke.

Wen interessiert, was Herr Schröter zu DDR-Zeiten gemacht hat, spielt das für seine jetzige Funktion eine Rolle?

Es ging um die Würdigung eines Mediziners, der Vorschlag kam von Herrn Schröter und gut ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Manfred
05.07.2009, 23:12 Uhr
Egal was er in der DDR war??
Sorry Bürgerin,

aber ich finde es nicht egal für was Mitbürger in der DDR-Diktatur gestanden haben !
Bürgerin
06.07.2009, 13:54 Uhr
mir ist es egal
Ja Manfred, mir ist es wirklich egal, ob dieser Arzt zu Zeiten der DDR irgendein Arzt in einem VEB war, weil es nichts damit zu tun hat, daß er diesen Vorschlag für die Straßenbenennung gemacht hat und als Beigeordneter bei der Würdigung dabei war.

Scheinbar ist es für viele hier immernoch schwierig, die DDR-Zeiten mal ad acta zu legen, es gibt sie schon sehr lange nicht mehr und ich lebe im Hier und Jetzt und nicht in der Vergangenheit.
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