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Mo, 07:12 Uhr
15.06.2009

nnz-Forum: Internetzensur in Deutschland?

Wie wäre wohl das Ergebnis einer nnz-Umfrage mit folgender Formulierung: „Soll der Staat mit aller Härte gegen die Herstellung und Verbreitung von Kinderpornographie vorgehen?“ Die möglichen Antworten beschäftigen einen Leser der nnz- im Forum...


Klar, dass die Redaktion sich diese Umfrage sparen kann. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens stellt in unserer Kultur derartiges Zeug in Acht und Bann. Wohl niemand hat Verständnis für das, was den betroffenen Kindern seelisch und körperlich angetan wird. Und die pathologisch Pädophilen, die es doch tatsächlich geben soll, werden sich hüten, sich zu outen. Sie sind im Alltag meist unbescholtene Bürger, die ihre Sucht nach pornographischen Sexdrogen über dunkle Kanäle bei Kriminellen befriedigen.

Auch klar ist, dass politisch mit einer Kampagne gegen Kinderpornographie jeder punkten kann. Denn der Konsens sorgt für Einigkeit, verprellt auch keine wirtschaftlich einflussreichen Interessen, wie wenn man beispielsweise gegen ein noch größeres Übel konsequent vorgehen würde. Ich meine den weitgehend legalen, massenhaften Missbrauch von Mädchen und Jungen in den Ländern Südostasiens durch deutsche Sextouristen. Und ich meine auch sexuellen Missbrauch von Kindern im häuslichen Umfeld hier in Deutschland, Tabuthemen also.

Die Bundesregierung hat sich auf Initiative der Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Wahljahr den Kampf gegen die Kinderpornographie auf die Fahnen geschrieben. Das ist wichtig und sehr lobenswert. Aber der Teufel steckt mal wieder im Detail. In diesem Fall in der Taktik, mit der man den Kinderschändern begegnen will. Wie die Sicherheitspolitiker der Regierungsparteien, der Bündnisgrünen und der Linken die Ursachen für um sich ballernde jugendliche Amokläufer bei den bösen Computerspielen und den gemeingefährlichen Sportschützen und Jägern, respektable deren Waffen, sehen und diese glattweg verbieten wollen, so findet die Bundesregierung auch eine verblüffend einfache Lösung für Ihren Feldzug gegen Kinderpornos.

Eine zu einfache Lösung, wie ich meine - ZENSUR. Dabei ist nicht die Zensur der in Folie eingeschweißten Heftchen und Filme an Tankstellen und Kiosken gemeint. Das ist in Deutschland straf- und jugendschutzrechtlich gut geregelt, und den verbotenen Schweinkram mit Kindern vertreiben die einschlägigen Verlage eh nicht. Nein, der Regierungsentwurf eines „Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“ (http://dip21.bundestag.de/dip21/brd/2009/0394-09.pdf ) schlägt, wie die Überschrift schon andeutet, woanders zu: bei der ZENSUR des INTERNET. In diesem Fall nennt sich das „Sperrliste“.

Entsprechend des Entwurfs müssen Internetprovider zukünftig auf Befehl des Bundeskriminalamtes Seiten mit kinderpornographischem Inhalt sperren. Das mag ja noch angehen und, wie gesagt, den allgemeinen Konsens treffen. Aber die Konsequenz eines solchen Vorgehens ist extrem gefährlich. Allerdings weniger für die kriminellen Pornoproduzenten. Die haben andere Vertriebswege und für das Vorhaben der Regierung nur ein müdes Lächeln übrig.

Wir werfen der chinesische Regierung zu Recht genau das vor, was jetzt in der Bundesrepublik eingeführt werden soll: Eine von der Bürgergesellschaft nicht kontrollierbare Zensur des Internets durch die Exekutive. Dass das sich zukünftig nicht nur auf das Sperren von Pornoseiten beschränken wird, dürfte jedem absolut klar sein.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass es mit dem – natürlich berechtigten - Vorgehen gegen Kinderschänder wie mit dem allgegenwärtigen Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist. Hier wird eine vorhandene reale Gefahr gezielt aufgebauscht und sofort ein passables Allheilmittel gesetzlich durchgepeitscht. Das Mittel heißt Kontrolle außerhalb des rechtsstaatlichen Rahmens, Überwachung, Verbote und Einschränkung von Bürgerrechten. Dass bei der geplanten Internetzensur auch noch die Interessen einflussreicher Konzerne der Musik-, Film- und Softwareindustrie berührt sein könnten, die schon lange nach der staatlichen Unterbindung des illegalen Downloadens schreien, erhärtet diesen Verdacht noch.

Ich will nicht in einem zusehends repressiver vorgehenden Überwachungsstaat leben. Das Internet ist neben der Masse an Datenmüll und auch krimineller Scheiße wie Kinderpornographie, die in ihm verbreitet werden, ein absolut umwälzendes Mittel zur freien Vernetzung der Gedanken von Milliarden von Menschen. Die Welt wurde und wird durch das Netz eine andere und, so hoffen viele Menschen, eine bessere, demokratischere. Eine Welt, die durch freien, von Zensur und Diktatoren unbeeinflussbaren Informationsaustausch mehr Chancen für die Zukunft der Menschen und der Schöpfung auf dieser Erde bietet. Das Internet darf nicht durch staatliche Zensur eingeschränkt werden.

Ich bitte deshalb alle Leser der nnz, sich der noch zwei Tage laufenden öffentlichen Petition „Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten“ an den Bundestag gegen die Verabschiedung des Zensurgesetzes anzuschließen. Die e-Petition, ihr Wortlaut und die Möglichkeit der Mitzeichnung finden sich auf der Seite des Deutschen Bundestages: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860. Zwar muss der Bundestag sich mit dieser Petition beschäftigen, da ihr bereits mehr als 120.000 Bürgerinnen und Bürger beitraten. Aber jede Stimme gegen Demokratieabbau zählt.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
ein.nordhaeuser
15.06.2009, 08:07 Uhr
Zensur im Netz
Sehr geehrter Herr Koch,
Sie regen mit Ihrem Artikel eine Diskussion an, die es auch verdient hat, diskutiert zu werden.
Prinzipiell gebe ich Ihnen Recht, eine Zensur des Internets wäre ein Eingriff in die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten.

Jetzt geht es aber hier nicht um Artikel, die das Bildungsniveau des gemeinen Bundesbürgers heben sollen, sondern schlichtweg um Kinderpornografie.
Ich habe eine mittlerweile erwachsene Tochter und viele Leser der nnz sind auch Eltern. Und jetzt stellen Sie sich vor, diese Kinder wären unsere.
Ein Vergleich mit China ist nicht der richtige. In China werden Menschenrechte aufs gröblichste verletzt. Die Zensur in China soll Aufklärung und Berichterstattung verhindern.

Eine Schwarzliste für Kinderpornografie darf man damit nicht vergleichen. Es muss offen diskutiert werden, wie mit Sexualstraftätern umgegangen wird. Bei vielen Gerichtsberichten habe ich den Eindruck, dass Täterschutz vor Opferschutz steht. Hier sollte der Hebel angesetzt werden.

Die Schwarzliste für Kinderpornografie im Internet sollte kommen, es gibt viele Kontrollmechanismen im Bund, die verhindern, dass die Zensur des Internet ausgeweitet werden kann. Die FDP kann ein solcher Kontrollmechanismus sein, wenn sie es will. Zudem sollte auch EU-weit gegen Kinderpornografie gearbeitet werden. Bei der Einführung von Mindestgrößen bei Bananen in der EU ging das ja auch reibungslos.

Eine Medaille hat immer zwei Seiten, deshalb werde ich mich an der Aktion, die Sie empfehlen, nicht beteiligen.
H.A.
15.06.2009, 09:33 Uhr
Zensurbestrebungen
@ein.nordhaeuser

Man merkt das sie auf die Wahlkampf Polemik von unserer lieben Familienministerin hereingefallen sind.

Die Sperrliste Trägt in keinster Weise dazu bei Kinder zu schützen oder Täter zu ergreifen. Das Gegenteil ist der Fall.

Es gibt ein Haufen Technische gründe warum so etwas nicht funktionieren kann zb kann jeder Anfänger diesen Sichtschutz(eine Sperre ist es ja nicht) in 30sek umgehen, es gibt auch jede Menge Anleitungen dazu. Und nein das ist keine erdachte Zahl, es dauert wirklich nur eine halbe Minute.

Fakt ist auch das der Plan die Stoppschild Zugriffe auszuwerten und bei wiederholten vorkommen gegen diese Person zu ermitteln schwere Probleme aufwirft. Denn wissen Sie was sich hinter einem Link verbirgt bevor sie Darauf klicken? Sie sind schneller auf so einem Schild als ihnen Lieb sein wird weil es sicher viele Witzbolde geben wird die das verlinken. Und schon sind sie Gegenstand von Ermittlungen des BKA. Und heutzutage reicht sicher der Verdacht und eine eventuelle Hausdurchsuchung um sie Gesellschaftlich zu zerstören.

Die eigentlichen Perverslinge wiederrum haben natürlich nichts zu befürchten, denn diese haben die Sperren ja sowieso umgangen, wobei ich nicht damit sagen will wie unsere Familienministerin das jeder der die Sperren umgeht ein Krimineller ist, den es gibt auch so verschiedenste gründe dafür andere DNS Server zu benutzen.

Übrigens können dann die Seitenbetreiber die Sperre ganz einfach nutzen um zu sehen ob sie schon Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sind, sie müssen ja einfach nur schauen ob ihre Seite in .de Gesperrt ist. Dann haben sie Zeit genug einfach umzuziehen und ihren Kunden bescheid zu sagen.

Weiterhin ist es durch Zahlreiche Tests von verschiedenen Organisationen bewiesen das sich solche Seiten innerhalb von ein Paar Stunden abschalten lassen wenn man den Hoster Kontaktiert. Bei Phishingseiten klappt das zb in der Regel in unter 6std. Das Das BKA dazu Monate braucht liegt an ihrer Organisation und wird auch nicht durch Sperrlisten besser.

Die Sperrlisten in den Skandinavischen Ländern enthalten nur zu einem kleinen Teil bedenkliche Inhalte und selbst diese werden in Ländern gehostet wo eindeutige Gesetze Existieren die das unter Strafe stellen(wie in fast jedem Land der Welt). Also wäre es ein leichtes das ganze zu beenden.

Jetzt könnte man noch Argumentieren das es ja nicht schadet wenn man das trotzdem einführt, ergänzend zu den Abschaltungen. Aber das stimmt nicht, denn seit Jahren gibt es verschiedenartige Bemühungen seitens durchgeknallter Politiker und kommerzieller Organisationen unterschiedlichste Seiten Sperren zu lassen. Zum Beispiel Islamische Seiten, Glückspiele, oder das Prominente Beispiel Youporn. Wenn da einmal der Anfang gemacht wird ist da kein halten mehr. Verschiedene Politiker denken schon öffentlich über eine Ausweitung der Sperren nach. Aus der CDU Ecke kam schon der Vorschlag gleich die bösen Killerspiele mit zu sperren.
Solche Zensurbestrebungen wurden bisher allesamt von Gerichten abgewürgt und das meistens mit der Begründung das der Aufwand zu gross wäre Die Sperren einzurichten.
Wenn diese Sperre eingerichtet ist dauert es keine Tage bis Hundertausende Anträge auf dem Tisch liegen und eine Ausweitung fordern.
Von der Layen und ihr Populistisches Trüppchen haben sich ja schon von der Verantwortung freigesprochen falls das passiert. Zitat "Für das was zukünftige Regierungen beschliessen kann ich nichts".
Sorry aber so ein Instrument darf man unseren Politikern nicht in die Hand geben, die Gefahr des Missbrauchs ist einfach zu hoch.
Die wissen das sie mit Ihren Bestrebungen bei einer normalen Diskussion niemals durchkommen würden deswegen haben sie die Kinderponokeule rausgeholt denn bei solchen Themen setzt bei den meisten das Hirn aus und eine sachliche Auseinandersetzung ist nicht mehr möglich.
Flawd
15.06.2009, 10:01 Uhr
Zensur ?!?
Wie sagte es noch vor kurzen Herr Dieter Wiefelspütz (SPD)

Zitat:
„Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden“, zitiert die Berliner Zeitung Wiefelspütz. Es könne nicht sein, daß es im Internet „eine Welt ohne Recht und Gesetz“ gebe. Wiefelspütz kann sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken: „Eine Zeitung darf ja auch keinen Mordaufruf veröffentlichen.“

Neuste Nachricht:
CDU-Abgeordneter will Netzfilter auf Online-Spiele ausweiten. Da bestätigen sich die Befürchtungen der Kritiker der geplanten Kinderporno-Filtersysteme: Ein CDU-Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg denkt schon jetzt laut über weitere Einsatzmöglichkeiten für die Filter nach. Und zwar gegen Computerspiele.

Soviel DAZU...
Und mit den Illegalen Downloads ist so eine Sache..
H.A.
15.06.2009, 17:34 Uhr
Polizeiliche Kriminalstatistik
Da gerade die Statistik Rausgekommen ist kann man sich auch leicht informieren was es mit dem Milliarden Markt Kinderpornographie auf sich hat.

Zitat:
Besitz und Besitzverschaffung von Kinderpornographie ist um 25% eingebrochen, der angeblich kommerzielle Massenmarkt hat sich von 347 auf 123 Fälle um zwei Drittel reduziert, die Verbreitungsdelikte sind konstant geblieben, und die Fälle des schweren Kindesmißbrauches zur Herstellung von Pornographie sind von 103 auf 81 Fälle gesunken (-20%).

Es sieht also so aus als ob die Polizei einen Ordentlichen Job macht ohne gleich Millionen von Menschen zu potentiellen Straftätern abzustempeln.

Nur die liebe Zensursula hat sich dazu noch nicht geäussert ich frage mich ob es daran liegt das es sie dann gar keine Argumente mehr hat. Schon dumm im Wahlkampf mit sonem Mist punkten zu wollen nur damit man im Gespräch bleibt.

Nur leider lassen sich mit solchen Themen die Menschen leicht instrumentalisieren und da keiner darüber nachdenkt klappt das auch.
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