Mo, 10:30 Uhr
02.09.2002
Briefe aus Bad Füssing (3)
Bad Füssing/Nordhausen (nnz). Umfragen sind derzeit in! Auch in der nnz. Heute noch können Sie Ihre Stimme für eine oder keine Partei abgeben. Dem Trend der Meinungsumfragen hat sich nun auch die Stadt Nordhausen angeschlossen...
Zugegeben - das Erstellen von Umfragen ist eine Wissenschaft. Bei den Umfragen der nnz lässt sich die Redaktion in aller Regel von aktuellen Begebenheiten leiten. Mal sollen die Leser Vorgänge in der Stadt beurteilen, mal soll ein Klick hinter einer bestimmten Partei gemacht werden. Umfragen wollen meist nur einen winzigen Bruchteil dessen erfragen, was man gemein hin mit dem Alltag beschreibt.
Die Stadtverwaltung Nordhausen geht andere Wege. Sie hat zusammen mit der Fachhochschule einen Fragebogen entwickelt. Dessen Handhabung oder Erledigung grenzt jedoch schon an Gigantomanie. Vor allem bei der Zeit. Über 270 Fragen haben sich schlaue Menschen zum Thema Nordhausen einfallen lassen. Da wird kein Winkelchen der Stadt-Mensch-Beziehung außer Acht gelassen. Eine Frage habe ich allerdings nicht entdeckt. Haben Sie die Zeit, diesen Fragebogen auszufüllen? Die Beantwortung wäre ziemlich eindeutig gewesen.
Nun habe ich hier - in Bad Füssing - bei meiner Ankunft auch einen Fragebogen erhalten. Die Stadt- und die Kurverwaltung haben ihn erarbeitet. Auf insgesamt 21 Fragen wird der Gast nach seinen Eindrücken, seinen Erlebnissen, seinen Einschätzungen und Beurteilungen befragt. Sicher - im Mittelpunkt steht dabei der Ort als Oase für Gäste. Doch die bescheidenen zehn Minuten für die Beantwortung der Fragen kann man im Urlaub abknapsen. Doch woher die Zeit nehmen für mehr als 270 Fragen?
Die Zeit zum Nachdenken über die quantitative Sinnhaftigkeit die bleibt den Nordhäusern wohl kaum. Die Frage nach den Kosten der Umfrageaktion wohl schon. Die Fragen erstellen, die Fragebögen drucken lassen, verteilen lassen und auf die Reise zum Ausgangspunkt zu schicken, all das kostet richtig viel Geld. Wer bezahlt die Fragebogen-Rechnung? Was soll nach der Auswertung passieren? Wo soll die Auswertung einfließen? Wird die Auswertung überhaupt berücksichtigt? Was geschieht zum Beispiel, wenn sich die Mehrheit der Befragten gegen ein Industriegebiet in der Goldenen Aue ausspricht? Wird die Planung dann eingestellt?
Eine Frage hat mich - ehrlich gesagt - dann doch einigermaßen beeindruckt: Sind Sie depressiv? Die Antwort fällt nach dem Ankreuzen der fast 280 Fragen dann doch sehr deutlich aus! Vielleicht sollte ich die Zeit hier in Bad Füssing noch intensiver zur Erholung nutzen.
Viele Grüße - Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzZugegeben - das Erstellen von Umfragen ist eine Wissenschaft. Bei den Umfragen der nnz lässt sich die Redaktion in aller Regel von aktuellen Begebenheiten leiten. Mal sollen die Leser Vorgänge in der Stadt beurteilen, mal soll ein Klick hinter einer bestimmten Partei gemacht werden. Umfragen wollen meist nur einen winzigen Bruchteil dessen erfragen, was man gemein hin mit dem Alltag beschreibt.
Die Stadtverwaltung Nordhausen geht andere Wege. Sie hat zusammen mit der Fachhochschule einen Fragebogen entwickelt. Dessen Handhabung oder Erledigung grenzt jedoch schon an Gigantomanie. Vor allem bei der Zeit. Über 270 Fragen haben sich schlaue Menschen zum Thema Nordhausen einfallen lassen. Da wird kein Winkelchen der Stadt-Mensch-Beziehung außer Acht gelassen. Eine Frage habe ich allerdings nicht entdeckt. Haben Sie die Zeit, diesen Fragebogen auszufüllen? Die Beantwortung wäre ziemlich eindeutig gewesen.
Nun habe ich hier - in Bad Füssing - bei meiner Ankunft auch einen Fragebogen erhalten. Die Stadt- und die Kurverwaltung haben ihn erarbeitet. Auf insgesamt 21 Fragen wird der Gast nach seinen Eindrücken, seinen Erlebnissen, seinen Einschätzungen und Beurteilungen befragt. Sicher - im Mittelpunkt steht dabei der Ort als Oase für Gäste. Doch die bescheidenen zehn Minuten für die Beantwortung der Fragen kann man im Urlaub abknapsen. Doch woher die Zeit nehmen für mehr als 270 Fragen?
Die Zeit zum Nachdenken über die quantitative Sinnhaftigkeit die bleibt den Nordhäusern wohl kaum. Die Frage nach den Kosten der Umfrageaktion wohl schon. Die Fragen erstellen, die Fragebögen drucken lassen, verteilen lassen und auf die Reise zum Ausgangspunkt zu schicken, all das kostet richtig viel Geld. Wer bezahlt die Fragebogen-Rechnung? Was soll nach der Auswertung passieren? Wo soll die Auswertung einfließen? Wird die Auswertung überhaupt berücksichtigt? Was geschieht zum Beispiel, wenn sich die Mehrheit der Befragten gegen ein Industriegebiet in der Goldenen Aue ausspricht? Wird die Planung dann eingestellt?
Eine Frage hat mich - ehrlich gesagt - dann doch einigermaßen beeindruckt: Sind Sie depressiv? Die Antwort fällt nach dem Ankreuzen der fast 280 Fragen dann doch sehr deutlich aus! Vielleicht sollte ich die Zeit hier in Bad Füssing noch intensiver zur Erholung nutzen.
Viele Grüße - Ihr Peter-Stefan Greiner


