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Do, 19:01 Uhr
12.03.2009

nnz-Forum: Gelbfieber?

Die FDP befindet sich deutschlandweit im Umfrage – selbst 16 Prozent der nnz/kn-Leser würden diese Partei in den Landtag wählen. Mit den Liberalen beschäftigt sich ein Leser der nnz im Forum...


Da staunt der Bürger und die Wahlforscher wundern sich. Eine Altpartei, für die die anderen schon mehrfach das „Totenglöcklein“ geläutet haben, wird zur drittstärksten Partei in Deutschland. Auch in Thüringen zieht sie nach jetzigen Vorhersagen in den Landtag ein. Sogar eine schwarz-gelbe Koalition scheint auch für Thüringen möglich zu sein. Christoph Matschie und Bodo Ramelow brauchen sich nur noch darum zu streiten, wer die Opposition anführt.

Gelbfieber? (Foto: Birkefeld) Gelbfieber? (Foto: Birkefeld)

Zumindest der Finanzkapitalismus gerät in seine schwerste Krise seit 1929, aber die Gralshüter des Marktliberalismus sind im Aufwind. Eigentlich sollten doch die systemkritischen Parteien von der Systemkrise profitieren. Stattdessen dümpeln DIE LINKE und Die Grünen bei zehn Prozent herum. Nur innerhalb des „Bürgerlichen Lagers“ verschieben sich die Gewichte – von „Schwarz“ nach „Gelb“. Die zur Mitte – oder wohin eigentlich? – drängende Münte-SPD ist ein unkalkulierbarer Sonderfall. Deren potenzielle Wähler vergessen immer mehr die falschen Wahlversprechen von „Tricksilanti“ und Genossen. Wer wollte eigentlich partout keine „Merkelsteuer“? Herr Struck (SPD) sorgt sich jetzt um die politische Zukunft von Frau Merkel (CDU).

Hier liegt auch schon eine Erklärung für den Aufstieg der FDP. Es ist die – um es mal ähnlich euphemistisch wie Herr Schröder zu formulieren – „suboptimale“ Leistungsbilanz der Großen Koalition. Sie hatte 300 PS unter der Haube, aber am Steuer saßen eben nur ... .

Ganz anders die FDP! Sie war nicht schuld an Hartz-IV. Sie sündigte nicht mit der Liberalisierung der Finanzmärkte. Das alles und noch viel mehr erledigten der suboptimale Gerhard Schröder und seine kadavergehorsamen Parteisoldaten. Die SPD und die Grünen spielten im Interesse der Exportfähigkeit der deutschen Industrie und des (vermeintlichen) Gedeihens des deutschen Bankwesens gegenüber den kleinen Leuten den „bösen Cop“. Die FDP – der eigentliche scharfe Anwalt des Kapitalismus – kann jetzt genüsslich den „guten Cop“ spielen.

Alles Blödsinn? Nun, es gibt ein Dokument dafür. Lesen sie im nnz-Forum den Artikel „Zweierlei Mass im Rechtsstaat?“ Was dort der FDP-Bundestags-Kandidat, Andreas Klaschka, schreibt, ist sehr interessant. Er geißelt dort „die so genannten Leergeschäfte [als] bisher staatlich geduldete Praxis im Finanzbereich.“ Er vergleicht Vorstände und Aufsichtsräte der Landesbanken mit Hochstaplern, Heiratsschwindlern und Trickbetrügern. Saßen liberale „Experten“ etwa nicht auch in den Vorstandsetagen – auch der Landesbanken?

Herr Klaschka schreibt weiter: „Wer sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ... das Geld anderer aneignet, ist kriminell. Er muss damit rechnen, dass er strafrechtlich belangt wird, wenn es herauskommt. Das erschwindelte Geld wird eingezogen.“ Richtig Herr Klaschka! Die „Expropriation der Expropriateure“ forderte schon der „olle“ Marx. Herr Klaschka wird mit solch einer Forderung aber große Probleme mit seinen künftigen Fraktionskollegen im Bundestag bekommen. Die haben nämlich in einem Schreiben vom 25.9.2001, Drucksache 14/6962, und vom 8.11.2006, Drucksache 16/3301, im Bundestag die Forderung nach ersatzloser Streichung des Artikels 15 GG eingebracht: Siehe Link: 16/3301

Das ist das wahre Gesicht der FDP, falls sie irgendwann mal 50-Prozentpartei werden sollte. Wäre die FDP eigentlich verfassungsfeindlich, wenn sie diese Forderung mit dem Mittel des Wählerbetrugs durchsetzen sollte? Wie sich der eventuell künftige Bundestagsabgeordnete Andreas Klaschka die Sympathie von ehrlichen Hartz-IV-Empfängern und Supermarkt-Verkäuferinnen für seine Partei erschleichen will, lese man bitte weiter in seinem NNZ-Artikel nach!

Ich glaube nicht, dass Herr Klaschka ein „Verfassungsfeind“ werden könnte – es sei denn, das Deutsche Volk ist wieder einmal so dumm, wie es schon einmal war. Aber, Gelbfieber MUSS nicht tödlich sein.

Warum sind weite Teile der Bevölkerung gegen das Gelbfieber-Virus nicht immun genug? Im ARD-Presseclub vom 8. März wurde gefragt: „Warum wählen die Leute in der Krise diejenigen, die den Heuschrecken die Türen geöffnet haben?“

Der Moderator, Jörg Schönenborn, zitierte dazu aus dem „Gästebuch“ eine „HelgaMarie“: „Wem vertraut man in der Krise? Zunächst einmal setzt man dann auf den eigenen Besitz, weil nur der die Versorgung in der Zukunft sichert. Und wer sichert den Besitz am besten ab? Das macht die FDP mit ihrer einflussreichen Lobbyarbeit. Deshalb gibt es in Krisenzeiten 'politisches Gelbfieber'.“

Aus diesem Zitat entwickelte ich die Idee zu der bissigen Karikatur, für deren Ausführung ich Frau Lohmann danke. Leider ist es so, dass in Krisenzeiten auch die kleinsten der Kleinen bereit sind, jedem ihre Stimme zu geben, der verspricht ihr Sparbüchlein zu retten. Wer die Geschichte nicht kennt – geschweige dass er daraus gelernt hat – der muss eben aus eigener schmerzlicher Erfahrung lernen. Wohl dem, der ganz oben schwimmt! Aber auch er ist sterblich!
Jörg Birkefeld
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
denk-mal
12.03.2009, 22:34 Uhr
schlimmer geht`s nimmer
wie traurig muß es um Sie bestellt sein, gut nicht zeichnen können und es trotzdem machen, ist nicht so schlimm, so benehmen sich sogar schon die ganz kleinen wenn sie drei jahre alt sind, aber so viel hass und rund-umschläge mit einem einzigen stückchen text zu verteilen, ist wohl einzig"artig" .

hoffentlich kommen ihre ergüsse öfter noch in dieser zeitung, sie stellen so ein angenehmes kontrastprogramm zu anderen artikeln dar.

wenn man ihren text hinter sich gebracht hat, muß man unweigerlich an den alten heinz ehrhardt denkenund seinen netten reim:

MANCHE MENSCHEN WOLLEN IMMER GLÄNZEN, OBWOHL SIE KEINEN BLASSEN SCHIMMER HABEN!
Tweety
13.03.2009, 07:31 Uhr
denk-mal (nach!)
Es ist schon erschreckend, dass es so viele Leute gibt, die mit Tatsachen und der Wahrheit nichts anzufangen wissen. Es ist auch überaus ärgerlich, dass ausgerechnet diese dann immer ihren unqualifizierten Senf hier abgeben müssen.
Allerdings finde ich es erschreckend, dass sowas auch noch im Stadtrat sitzen soll. Hoffentlich war dieses Outing in den anderen Kommentaren nur ein schlechter Scherz.

Schwätzer gibt es an jeder Ecke und da gehören sie auch hin. Nur dort können sie nicht viel Schaden anrichten. Also ICH möchte mich von solch fragwürdigen Menschen nicht vertreten wissen!
Heinz Ehrhardt zu zitieren ist an dieser Stelle auch verkehrt, der konnte - im Gegensatz zu denk-mal - virtuos mit Gedanken und Worten umgehen.

Wie wäre es denn mal mit konstruktiven Kommentaren, die sich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels beziehen? Das wäre doch mal ganz was Neues für Sie. Probieren Sie es einfach mal, denn ich nehme an, dass Sie auf Ihre Wortmeldungen hier nicht verzichten wollen/können, aber dann will der geneigte Leser derselben wenigstens nicht permanent unterfordert werden!
Stadtbürger
13.03.2009, 08:43 Uhr
FDP-Diktatur
Also, wenn man sich mit dem Erguss des Herrn Birkefeld einmal wirklich auseinandersetzt, so ist zu erkennen, dass hier also die Angst vor einer FDP-Diktatur zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Da Herr Birkefeld ja für einen gewissen Zeitraum stellvertretender Vorsitzender der WASG war und nun zur AG "Neue Linke" zählt, ist also daraus zu folgern, dass ihm lieber eine "Diktatur des Proletariats" wäre.

Ich finde es mehr als schäbig, eine demokratische Partei (dazu zähle ich nicht die SED-PDS-Linkspartei) in Verbindung mit unrühmlicher deutscher Vergangenheit zu bringen und ihnen unterschwellig eine Nähe zum rechten Rand zu unterstellen. Lieber Herr Birkefeld, damit haben Sie sich in meinen Augen als obektiver Demokrat endgültig entfernt. Sie versuchen ebenso im Protest-Klientel zu fischen, wie die braunen Truppen.

Die FDP zumindest lässt ein klares Profil erkennen und verspricht nicht das Traumschloss auf Kosten der bösen Arbeitgeber wie Ihr Herr Lafontaine. Wer zu seinen Worten steht, keinen Wortbruch begeht, dem kann vertraut werden. Sie sind es jedenfalls nicht.

Wir haben gelernt, dass der Sozialismus nicht funktioniert (auch wenn es Sie schmerzt, Herr Birkefeld). Ebenso haben wir nun endgültig erkannt, dass der Manchester-Kapitalismus auch nicht so optimal ist. Und da die Menschen sich nach Sicherheit sehnen, unterstützen sie lieber den Vertreter der sozialen Marktwirtschaft.

Und an den Zwitschervogel "tweety" gerichtet sei gesagt, auch nicht jeder Volksvertreter möchte Sie vertreten. Was das Kommentieren zum Inhalt angeht, so haben Sie sich ja bisher dahingehend auch nicht mit Ruhm bekleckert.
Tweety
13.03.2009, 10:15 Uhr
@Stadtbürger
Vorab möchte ich bemerken, dass ich mich durch den Stadtrat noch nie vertreten gefühlt habe. Hört man sich um, so stellt man fest, dass es einem nicht alleine so geht. Aber nun wissen wir ja warum...

Wer bestimmte Parteien nicht zur Demokratie zählt, hat das Prinzip derselben nicht verstanden. Parteienvielfalt IST Demokratie. Aber anderen Diktataturwünsche vorwerfen ist ja auch viel leichter als einzusehen, dass man selbst bzw. die selbst mit seiner Partei gern ein Diktator wäre (oder wie soll man das sonst verstehen?)

Demokratisches Denken kann man Ihnen, lieber Stadtbürger - nun wirklich keinesfalls vorwerfen. Eher die Rundumschläge gegen jeden der eine andere Auffassung vertritt, aber das ist typisch für den Flügel den Sie offenbar vertreten.

Wenn man die Nichteinhaltung der vielen Wahlversprechen beachtet, dürften die von Ihnen favorisierten Parteien überhaupt keine Stimme mehr bekommen. Trotzdem gönne ich jedem seine Meinung. Soll doch jeder wählen wen er will. Nicht umsonst geht das Bildungswesen seit der Wende den Bach runter.

Aber das wollen Sie natürlich nicht sehen. Sonst würden Sie die Anderen nicht so vehement ausschließen wollen. Demokratie zu praktizieren ist eben was Anderes als nur zu Polemisieren.
Da Sie mit Sicherheit Ihren Tunnelblick behalten und verteidigen werden, verabschiede ich mich schonmal dauerhaft von diesem Thema.
Chefkoch
13.03.2009, 13:03 Uhr
Es tschilpt der tweety!
Ach, tweety, du tschilpst jeden an,
`bist ein besondrer Vogelmann.
Hoch Dir im Kurs die Meinungsfreiheit steht,
solang es nicht um Deine Meinung geht.
Dann nämlich kreischt der Zwitschervogel laut;
den andren auf den Schnabel haut
der Spatz und tschilpt gar fürchterlich:
Das Recht zu schimpfen hab’ nur ich!
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