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Mi, 15:27 Uhr
25.02.2009

Willkommen im grauen Fleck

Diese Hände gehören einem jungen Mann, der seit seiner Kindheit der „Faszination Orgel“ erlegen ist. Jetzt sitzt er in der Blasiikirche in Nordhausen an eben jener Königin der Musikinstrumente und gibt auch sonst den Ton an. Michael Kremzow ist der neue Kantor. Die nnz stellt ihn vor...

Der neue Kantor (Foto: nnz) Der neue Kantor (Foto: nnz)

Der 27jährige ist – was den Glauben betrifft – stark vorbelastet. Sein Vater Pfarrer in der Badischen Landeskirche, da ist der Weg zu Gott nicht weit. Auch zur Orgel in der Dorfkirche zu Ittlingen nicht. Und genau in dieser 3.000-Seelen-Gemeinde spürte der damals junge Michael die Faszination, die Magie dieses Instrumentes. Mit 14 durfte er das erste Mal spielen, der Unterricht begann. An einem Instrument, das in seiner Komplexität nicht zu überbieten ist, das nicht nur die Hände, sondern eben auch die Füße beansprucht.

Es war vielleicht auch jene Toccata und Fuge d-Moll, die unter der Nummer 565 des Bachwerkverzeichnisses zu finden ist, die den Jungen zur Musik führte. Die Orgel in Ittlingen, neu gebaut, rein mechanisch, sie war die Praxis für Michael Kremzow. Die Theorie „besorgte“ sich der wissbegierige Schüler aus der Literatur über den Orgelbau.

„Musik wollte ich auf jeden Fall zu meiner Profession machen. Nur einmal, da zweifelte ich“, berichtet der Neu-Nordhäuser. Damals, als er den Zivildienst in einem Krankenhaus ableistete, da habe er geschwankt zwischen Musik und Medizin. Was kann es Schöneres geben, als Menschen zu helfen, ihnen vielleicht ihr Leben zu retten? Es gab und gibt Schöneres für Kremzow: Die Kirchenmusik. Studiert hat er nach dem Zivildienst zuerst in Heidelberg, legte dort das B-Examen ab, dem folgten zwei Studienjahre in Frankfurt am Main und das A-Examen, danach zwei weitere Jahre in Mannheim als Assistent des Landeskantors.

Dann die Ausschreibung der Stelle in Nordhausen. Bis dahin war Nordhausen für den jungen Mann ein grauer Fleck. Nicht mal dem Namen nach kannte er die Stadt. Das hat sich geändert. Vorstellungsgespräche, die Stadt beschnuppern, auch mit seiner Ehefrau und den sieben Monate alten Sohn. Der mischte bei der Entscheidung für den Job in Nordhausen auch schon mal indirekt mit. Der ökumenische Kindergarten, die evangelische Grundschule.

Und überhaupt: Nordhausen mitten in Deutschland, die Straßenbahn, das Theater, die Hochschule, ein Leben ohne Auto (bislang) – die Anbindungen. Man kommt schnell weg – wichtiger jedoch: man kommt schnell wieder her.

Michael Kremzow ist der Kantor der Gemeinde St. Blasii-Altendorf. Langeweile kommt da nicht auf: Er leitet die Kantorei, deren Orchester, den Posaunenchor Nordhausen-Niedersachswerfen, kümmert sich um zwei Kinderchorgruppen und wirkt darüber hinaus in verschiedenen kirchlichen Gremien mit.

In den nächsten Jahren will der Mann die Vielfalt kirchlicher Musik mehr und mehr in den Mittelpunkt seiner Arbeit rücken. Will Gottesdienstes und Konzerte miteinander verbinden. Will Menschen über die Musik in die Kirche einladen, ja: Michael Kremzow spricht von „locken“. Für ihn ist die kirchliche Musik eine Sprache der Verkündigung.

Am kommenden Sonntag wird es hochoffiziell werden. Dann wird der 27jährige Kantor während eines Gottesdienstes in sein Amt eingeführt, im Arbeitsvertrag ist der 1. Februar datiert. Michael Kremzow wird dabei alle musikalischen Gruppen vereinen. Er wird auf seinem Arbeitsplatz stehen, auf der Empore, mittendrin in der die Kirchen erfüllenden Musik und ganz in der Nähe der Orgel.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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