Fr, 21:15 Uhr
02.08.2002
Durchgereicht
Nordhausen (nnz). Nach dem Abstieg aus der Oberliga vor einem Jahr wurde Wacker von der Thüringenliga praktisch in die Landesklasse durchgereicht. Wenige Tage vor Saisonbeginn nimmt nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg das Abschneiden des Traditionsvereins kritisch unter die Lupe.
Wohl kaum war ein Abstiegskampf in der Thüringenliga so spannend wie in der Saison 2001/02. Buchstäblich bis zur letzten Minute war die Entscheidung offen, ob Wacker Nordhausen oder Union Mühlhausen der Elf aus Arnstadt in die Landesklasse folgen muss.
Das weitaus bessere Torverhältnis sicherte den Mühlhäusern, die ihre Chance daheim gegen Rudisleben nutzten, den Klassenerhalt. Für die Wacker-Elf, die am letzten Spieltag in Meuselwitz vor 500 Zuschauer knapp unterlagen, war dies der dritte Abstieg in den vergangenen vier Jahren und die bitterste Stunde seit dem Abstieg in die Bezirksliga 1989. Die bis vor zwei Jahren noch drittbeste Mannschaft Thüringens rangiert nun nicht mal mehr unter den besten fünfzehn im Lande.
Der Grundstein für den tiefen Fall wurde in der ersten Halbserie gelegt. Nachdem die Oberligazugehörigkeit verspielt war und fast alle Leistungsträger den Verein verlassen hatten, waren die Aussichten für Wacker in der höchsten Spielklasse Thüringens alles andere als rosig, denn es gelang nicht, die Ausfälle zu kompensieren. So schätzte Trainer Ingo Görke die Situation auch dementsprechend realistisch ein: Für uns wird es ein ganz knallharter Kampf um den Klassenerhalt. Damit dämpfte er die Erwartungen einiger Optimisten im Vereinslager, die vom fünften bis zehnten Platz träumten.
Dass der Coach mit seiner Äußerung richtig lag, zeigten bereits die ersten Spiele. Niederlage folgte auf Niederlage. Der 10. Spieltag brachte für Wacker endlich den ersten Sieg in Schlotheim gewannen die Kicker knapp mit 2:1. Es blieb der einzige in der ersten Halbserie. Magere 6 Punkte und ein Torverhältnis von 10:42 war die ernüchternde Bilanz nach 15 Spieltagen.
Woran lag es? Sicher, es fehlten auf den wichtigsten Positionen Leistungsträger. Das allein war es aber nicht. Zu Beginn der Saison setzte man große Hoffnungen darauf, dass die unerfahrenen, zumeist aus der Kreisliga kommenden Spieler von den gestandenen Kickern mitgerissen und motiviert werden, dass Jens Ludwig und Pistorius in der Lage sind, die jungen Leute zu höheren Leistungen zu führen. Aber dies erwies sich als Trugschloss. Statt dessen hausbackener und ideenloser Fußball, ohne erkennbare Konzeption und Biss. Die Trainer Ingo Görke und Jürgen Jödecke warfen das Handtuch, Jörg Weißhaupt übernahm die Mannschaft. Um die Klasse zu halten, musste sich personell etwas tun.
Nach der Winterpause konnte mit Torwart Lenczewski nach Kulbacki und Puc (kam im November 2001) ein weiterer polnischer Spieler verpflichtet werden. Besonders freudig nahm die stark geschrumpfte Wacker-Fangemeinde die Nachricht auf, dass sich Frank Ludwig bereit erklärt hatte, seine Fußballstiefel noch einmal für die stark abstiegsbedrohte Elf zu schnüren. Sein Einsatz gab dem Spiel der Weißhaupt-Schützlinge wesentliche Impulse. Ein Ruck ging durch die gesamte Mannschaft, auch wenn der Einstand von Oldie Frank Ludwig am 17. März bei der Reserve von Rot Weiß Erfurt noch gründlich daneben ging (0:3).
Am 19. Spieltag platzte endlich der Knoten bei der schon als sicherer Absteiger gehandelten Wacker-Elf. In den folgenden zehn Begegnungen wuchs die Truppe über sich hinaus, begeisterte mit sehenswertem Fußball die nun wieder anwachsende Schar der Zuschauer (beim letzten Heimspiel waren es 420), holte 17 Punkte und machte damit den Abstiegskampf noch einmal spannend. Dem Laufwunder Frank Ludwig war es gelungen seine vorbildliche Kampfmoral und dem ungebrochenen Einsatzwillen auf die gesamte Mannschaft zu übertragen und jeden einzelnen Spieler mitzureißen. Besonders erfreulich, dass auch die eingesetzten Juniorenkicker sich sehr gut in die Elf einfügten und überragende Leistungen zeigten.
Aber es reichte nicht. Zwölf Tore fehlten am Ende für den Klassenerhalt. Die Leistungssteigerung war zu spät gekommen. Aber die Fans honorierten trotz des Abstiegs den Einsatz und die vorbildliche Moral ihrer Elf mit stürmischen Beifall.
Für die Statistiker sei noch angemerkt, dass insgesamt 30 Spieler zum Einsatz kamen (neben Suhl die meisten). Kulbacki wurde mit 9 Treffern Torschützenkönig der Elf, weitere acht Kicker erzielten die restlichen 14 Tore für Wacker. Die durchschnittliche Zuschauerzahl betrug bei Heimspielen 212, bei Auswärtsbegegnungen 183 (Quelle: Günter Beck, Wacker 90).
Pohl, Elle, Prokosch, Michael und der überragende Frank Ludwig verließen nach der Saison den Verein. Die entstandenen Lücken sind nur schwer zu schließen. Für Ludwig, der zu seiner alten Mannschaft in Sittendorf zurückging, wäre ein Abschiedsspiel durchaus angemessen gewesen. Schließlich war vor allem ihm zu verdanken, dass die Elf zuletzt über sich hinaus wuchs und zeigte, wozu sie fähig ist.
Mit Sascha Dadushnavili und Walter Vilchez gelangen der neuen Vereinsführung um Präsident Hans Peter Kell zwei spektakuläre Neuverpflichtungen, die das Spiel der Mannschaft wesentlich mit prägen könnten. Außerdem stießen Marcel Verkouter (Salza), Michael Blaha (Werther), Sebastian Lüdemann (Niedersachswerfen) und Ronny Schröter (Heringen) zur Mannschaft. Trainer Jörg Weißhaupt hat die Aufgabe, aus dem vorhandenen Potential eine schlagkräftige Truppe zu formen, die den sofortigen Wiederaufstieg in die Thüringenliga schafft. Eine andere Zielstellung kann und darf es für das Team nicht geben. Erste Standortbestimmung dürfte für die Männer um Kapitän Jens Ludwig das Pokalspiel gegen Schlotheim im heimischen Kuntz-Sportpark am 10. August 2002 für die am 17. August beginnende Landesklasse-Saison 2002/03 sein. Da muss Wacker auswärts in Hildburghausen antreten.
Autor: rhWohl kaum war ein Abstiegskampf in der Thüringenliga so spannend wie in der Saison 2001/02. Buchstäblich bis zur letzten Minute war die Entscheidung offen, ob Wacker Nordhausen oder Union Mühlhausen der Elf aus Arnstadt in die Landesklasse folgen muss.
Das weitaus bessere Torverhältnis sicherte den Mühlhäusern, die ihre Chance daheim gegen Rudisleben nutzten, den Klassenerhalt. Für die Wacker-Elf, die am letzten Spieltag in Meuselwitz vor 500 Zuschauer knapp unterlagen, war dies der dritte Abstieg in den vergangenen vier Jahren und die bitterste Stunde seit dem Abstieg in die Bezirksliga 1989. Die bis vor zwei Jahren noch drittbeste Mannschaft Thüringens rangiert nun nicht mal mehr unter den besten fünfzehn im Lande.
Der Grundstein für den tiefen Fall wurde in der ersten Halbserie gelegt. Nachdem die Oberligazugehörigkeit verspielt war und fast alle Leistungsträger den Verein verlassen hatten, waren die Aussichten für Wacker in der höchsten Spielklasse Thüringens alles andere als rosig, denn es gelang nicht, die Ausfälle zu kompensieren. So schätzte Trainer Ingo Görke die Situation auch dementsprechend realistisch ein: Für uns wird es ein ganz knallharter Kampf um den Klassenerhalt. Damit dämpfte er die Erwartungen einiger Optimisten im Vereinslager, die vom fünften bis zehnten Platz träumten.
Dass der Coach mit seiner Äußerung richtig lag, zeigten bereits die ersten Spiele. Niederlage folgte auf Niederlage. Der 10. Spieltag brachte für Wacker endlich den ersten Sieg in Schlotheim gewannen die Kicker knapp mit 2:1. Es blieb der einzige in der ersten Halbserie. Magere 6 Punkte und ein Torverhältnis von 10:42 war die ernüchternde Bilanz nach 15 Spieltagen.
Woran lag es? Sicher, es fehlten auf den wichtigsten Positionen Leistungsträger. Das allein war es aber nicht. Zu Beginn der Saison setzte man große Hoffnungen darauf, dass die unerfahrenen, zumeist aus der Kreisliga kommenden Spieler von den gestandenen Kickern mitgerissen und motiviert werden, dass Jens Ludwig und Pistorius in der Lage sind, die jungen Leute zu höheren Leistungen zu führen. Aber dies erwies sich als Trugschloss. Statt dessen hausbackener und ideenloser Fußball, ohne erkennbare Konzeption und Biss. Die Trainer Ingo Görke und Jürgen Jödecke warfen das Handtuch, Jörg Weißhaupt übernahm die Mannschaft. Um die Klasse zu halten, musste sich personell etwas tun.
Nach der Winterpause konnte mit Torwart Lenczewski nach Kulbacki und Puc (kam im November 2001) ein weiterer polnischer Spieler verpflichtet werden. Besonders freudig nahm die stark geschrumpfte Wacker-Fangemeinde die Nachricht auf, dass sich Frank Ludwig bereit erklärt hatte, seine Fußballstiefel noch einmal für die stark abstiegsbedrohte Elf zu schnüren. Sein Einsatz gab dem Spiel der Weißhaupt-Schützlinge wesentliche Impulse. Ein Ruck ging durch die gesamte Mannschaft, auch wenn der Einstand von Oldie Frank Ludwig am 17. März bei der Reserve von Rot Weiß Erfurt noch gründlich daneben ging (0:3).
Am 19. Spieltag platzte endlich der Knoten bei der schon als sicherer Absteiger gehandelten Wacker-Elf. In den folgenden zehn Begegnungen wuchs die Truppe über sich hinaus, begeisterte mit sehenswertem Fußball die nun wieder anwachsende Schar der Zuschauer (beim letzten Heimspiel waren es 420), holte 17 Punkte und machte damit den Abstiegskampf noch einmal spannend. Dem Laufwunder Frank Ludwig war es gelungen seine vorbildliche Kampfmoral und dem ungebrochenen Einsatzwillen auf die gesamte Mannschaft zu übertragen und jeden einzelnen Spieler mitzureißen. Besonders erfreulich, dass auch die eingesetzten Juniorenkicker sich sehr gut in die Elf einfügten und überragende Leistungen zeigten.
Aber es reichte nicht. Zwölf Tore fehlten am Ende für den Klassenerhalt. Die Leistungssteigerung war zu spät gekommen. Aber die Fans honorierten trotz des Abstiegs den Einsatz und die vorbildliche Moral ihrer Elf mit stürmischen Beifall.
Für die Statistiker sei noch angemerkt, dass insgesamt 30 Spieler zum Einsatz kamen (neben Suhl die meisten). Kulbacki wurde mit 9 Treffern Torschützenkönig der Elf, weitere acht Kicker erzielten die restlichen 14 Tore für Wacker. Die durchschnittliche Zuschauerzahl betrug bei Heimspielen 212, bei Auswärtsbegegnungen 183 (Quelle: Günter Beck, Wacker 90).
Pohl, Elle, Prokosch, Michael und der überragende Frank Ludwig verließen nach der Saison den Verein. Die entstandenen Lücken sind nur schwer zu schließen. Für Ludwig, der zu seiner alten Mannschaft in Sittendorf zurückging, wäre ein Abschiedsspiel durchaus angemessen gewesen. Schließlich war vor allem ihm zu verdanken, dass die Elf zuletzt über sich hinaus wuchs und zeigte, wozu sie fähig ist.
Mit Sascha Dadushnavili und Walter Vilchez gelangen der neuen Vereinsführung um Präsident Hans Peter Kell zwei spektakuläre Neuverpflichtungen, die das Spiel der Mannschaft wesentlich mit prägen könnten. Außerdem stießen Marcel Verkouter (Salza), Michael Blaha (Werther), Sebastian Lüdemann (Niedersachswerfen) und Ronny Schröter (Heringen) zur Mannschaft. Trainer Jörg Weißhaupt hat die Aufgabe, aus dem vorhandenen Potential eine schlagkräftige Truppe zu formen, die den sofortigen Wiederaufstieg in die Thüringenliga schafft. Eine andere Zielstellung kann und darf es für das Team nicht geben. Erste Standortbestimmung dürfte für die Männer um Kapitän Jens Ludwig das Pokalspiel gegen Schlotheim im heimischen Kuntz-Sportpark am 10. August 2002 für die am 17. August beginnende Landesklasse-Saison 2002/03 sein. Da muss Wacker auswärts in Hildburghausen antreten.

