Fr, 17:09 Uhr
14.11.2008
nnz-Forum: Vorteile und Nachteile
Seit dem Montag gibt es in der nnz die Kommentar-Funktion. Sie wird genutzt, manchmal auch etwas einseitig. Dazu eine Meinungsäußerung eines Lesers der nnz...
Es war abzusehen, dass Sie mit der Kommentierungsmöglichkeit zu Artikeln der nnz Leute wie Herrn Kreutzer, den NPD-Kreisvorsitzenden, auf den Plan rufen. Er hat auch prompt sofort die Chance genutzt und sich verbreitet, sogar rückwirkend für den Artikel vom 9. November.
Damit man mich recht verstehen möge. Ich persönlich halte überhaupt nichts davon, NPD-Anhängern einfach den Mund zu verbieten. Solche Vorschläge gegen deren Rattenfängerei habe ich letzte Woche erst bei einem Vortrag des Thüringer Verfassungsschutzes von sich für sehr gute Demokraten haltenden Leuten gehört.
Natürlich, wenn vermeintliche Neonazis für ihre Zwecke soziale und politische Missstände ansprechen, hängen wir ihnen einfach einen Maulkorb um! Bessere kann man denen nun wirklich nicht in die Hände spielen. Die Opferrolle ist genau das, was sie suchen, denn das solidarisiert ungemein mit dem kleinen Mann auf der Straße. Solche Taktik, den Teufel mit dem Schäuble auszutreiben, erleben wir ja neuerdings als ständigen Freistil der Regierenden beim Abbau demokratischer Rechte.
Nur durch klare und vernünftige Sacharbeit der Demokraten sind Demagogen zu entlarven. Wenn Politiker offen, ehrlich und ohne jeden Populismus mit den Fragen der sozialen Problemen, wirtschaftlicher Interessen und den Problemen der Menschen umgehen, dann brauchen sie auch keine Angst vor den Argumenten der NPD zu haben. Manchmal riskiert man damit aber die Wiederwahl, und das wiegt natürlich etwas schwerer als ein rechtlich zweifelhaftes Verbot. Auch ist es anspruchsvoller als schnöde Propaganda. Die lässt sich nämlich nicht wirklich mit Gegenpropaganda bekämpfen.
Seit der Einrichtung der Kommentare am 11. November kann, wie Blogs das so an sich haben, schnell reagiert werden. Das ist für fixe Wissensvermittlung, sofortigen unmittelbaren Meinungsstreit und auch für Polemik gut. Auch kann sich da derjenige äußern, der sich ansonsten nicht trauen würde, einen Artikel zu schreiben, zu bequem dafür ist oder einen Artikel einfach für zu blöd und spießig hält. Das ist der große Vorteil. Auf der Strecke bleibt bei den Kommentaren natürlich häufig der Inhalt. Das weiß jeder, der zu Sachthemen Blogs im Internet abgegrast hat. Ein Beitrag im nnz-Forum ist eben doch erheblich verbindlicher als ein hurtig hingeschriebener Kommentar.
Kurzum, die nnz hat sich neben den guten Möglichkeiten mit den Kommentaren ein Problemfeld geschaffen, dem es auf Dauer nicht Herr werden kann. Natürlich haben Sie das Hausrecht zu bestimmen, was und wer in Ihrer Zeitung und bei den Kommentaren veröffentlichen darf. Das ist auch sinnvoll. Aber dadurch, dass Sie mit dem Blog ein Fenster aufgemacht haben, das seinem Anspruch nach die uneingeschränkte Meinungsäußerung garantieren soll, werden Sie zwangsläufig viel Freude bei der Wahrnehmung dieses Hausrechts bekommen.
Denn bei jeder wohlgemeinten und gut begründeten Zensur haben Sie mit dem Medium, über das Sie die Zensur ausüben, gleich auch das der Kritik an dieser mitgeliefert. Ich bezweifle, dass Sie dieses Dilemma in den Griff bekommen können, und das ist schade für die nnz und damit für alle.
Für meinen Teil sehe ich die Nachteile der Kommentare für die immerhin gut etablierte und kritische Onlinezeitung deren Vorteile bei weitem überwiegen. Wir werden lesen, was da kommen mag. Aber vielleicht kommt ja auch einfach nichts. Das fände ich nicht weiter schlimm.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnzEs war abzusehen, dass Sie mit der Kommentierungsmöglichkeit zu Artikeln der nnz Leute wie Herrn Kreutzer, den NPD-Kreisvorsitzenden, auf den Plan rufen. Er hat auch prompt sofort die Chance genutzt und sich verbreitet, sogar rückwirkend für den Artikel vom 9. November.
Damit man mich recht verstehen möge. Ich persönlich halte überhaupt nichts davon, NPD-Anhängern einfach den Mund zu verbieten. Solche Vorschläge gegen deren Rattenfängerei habe ich letzte Woche erst bei einem Vortrag des Thüringer Verfassungsschutzes von sich für sehr gute Demokraten haltenden Leuten gehört.
Natürlich, wenn vermeintliche Neonazis für ihre Zwecke soziale und politische Missstände ansprechen, hängen wir ihnen einfach einen Maulkorb um! Bessere kann man denen nun wirklich nicht in die Hände spielen. Die Opferrolle ist genau das, was sie suchen, denn das solidarisiert ungemein mit dem kleinen Mann auf der Straße. Solche Taktik, den Teufel mit dem Schäuble auszutreiben, erleben wir ja neuerdings als ständigen Freistil der Regierenden beim Abbau demokratischer Rechte.
Nur durch klare und vernünftige Sacharbeit der Demokraten sind Demagogen zu entlarven. Wenn Politiker offen, ehrlich und ohne jeden Populismus mit den Fragen der sozialen Problemen, wirtschaftlicher Interessen und den Problemen der Menschen umgehen, dann brauchen sie auch keine Angst vor den Argumenten der NPD zu haben. Manchmal riskiert man damit aber die Wiederwahl, und das wiegt natürlich etwas schwerer als ein rechtlich zweifelhaftes Verbot. Auch ist es anspruchsvoller als schnöde Propaganda. Die lässt sich nämlich nicht wirklich mit Gegenpropaganda bekämpfen.
Seit der Einrichtung der Kommentare am 11. November kann, wie Blogs das so an sich haben, schnell reagiert werden. Das ist für fixe Wissensvermittlung, sofortigen unmittelbaren Meinungsstreit und auch für Polemik gut. Auch kann sich da derjenige äußern, der sich ansonsten nicht trauen würde, einen Artikel zu schreiben, zu bequem dafür ist oder einen Artikel einfach für zu blöd und spießig hält. Das ist der große Vorteil. Auf der Strecke bleibt bei den Kommentaren natürlich häufig der Inhalt. Das weiß jeder, der zu Sachthemen Blogs im Internet abgegrast hat. Ein Beitrag im nnz-Forum ist eben doch erheblich verbindlicher als ein hurtig hingeschriebener Kommentar.
Kurzum, die nnz hat sich neben den guten Möglichkeiten mit den Kommentaren ein Problemfeld geschaffen, dem es auf Dauer nicht Herr werden kann. Natürlich haben Sie das Hausrecht zu bestimmen, was und wer in Ihrer Zeitung und bei den Kommentaren veröffentlichen darf. Das ist auch sinnvoll. Aber dadurch, dass Sie mit dem Blog ein Fenster aufgemacht haben, das seinem Anspruch nach die uneingeschränkte Meinungsäußerung garantieren soll, werden Sie zwangsläufig viel Freude bei der Wahrnehmung dieses Hausrechts bekommen.
Denn bei jeder wohlgemeinten und gut begründeten Zensur haben Sie mit dem Medium, über das Sie die Zensur ausüben, gleich auch das der Kritik an dieser mitgeliefert. Ich bezweifle, dass Sie dieses Dilemma in den Griff bekommen können, und das ist schade für die nnz und damit für alle.
Für meinen Teil sehe ich die Nachteile der Kommentare für die immerhin gut etablierte und kritische Onlinezeitung deren Vorteile bei weitem überwiegen. Wir werden lesen, was da kommen mag. Aber vielleicht kommt ja auch einfach nichts. Das fände ich nicht weiter schlimm.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.


