Mi, 16:36 Uhr
26.06.2002
nnz-doku: Erklärung des Stadtrates
Nordhausen (nnz). Erneut reagiert der Nordhäuser Stadtrat auf eine Veröffentlichung der hiesigen Tageszeitung. Diesmal geht es um die Darstellung der Podiumsdiskussion am Montag. nnz veröffentlicht den vollen Wortlaut in seiner doku-Reihe.
Die Fraktionen des Nordhäuser Stadtrates haben sich zu einer einmütigen Presseerklärung entschlossen, weil die Berichterstattung in der Thüringer Allgemeinen bezüglich des Ablaufs der öffentlichen Podiumsdiskussionen zur Zukunft der Theater-Lohorchester GmbH nach unserer Auffassung nicht dem tatsächlichen Gesprächsinhalt entsprach. Es entstand der Eindruck, dass es lediglich ein Strukturproblem gäbe und möglicherweise der Hauptgesellschafter, die Stadt Nordhausen, über eine Verzögerungstaktik den Abbau der Theater-Lohorchester GmbH insgesamt betreiben wolle.
Das ist nicht so! Vielmehr haben die Stadträte in den Diskussionen der letzten Wochen ein erhebliches Engagement der Stadt und auch ihrer Finanzen für den Fortbestand der Gesellschaft beschlossen. Es geht den Fraktionen der Stadt vor allem darum, neue Wege und neue Strukturmöglichkeiten für das Theater zu erkunden, um solche zeitgerecht zum vom Ministerpräsidenten Dr. Vogel anberaumten Termin vorlegen zu können.
Wir gehen von der Situation aus, dass der Freistaat Thüringen ein umfassendes und Deutschlandweit beachtenswertes finanzielles Engagement für Theater betreibt. Nach unserer Auffassung sind die Schwerpunkte in Thüringer aber ungerecht verteilt und insbesondere unsere Region ist einseitig benachteiligt. Das muss sich ändern! Die Stadt und der Landkreis Nordhausen sowie die Stadt und der Landkreis Sondershausen waren bisher verlässliche Partner für das Theater und haben einen Großteil ihrer Kulturmittel für das Theater verausgabt. Auch hier ist nur kurzzeitig eine Erhöhung der Mittel möglich. Aus dieser Situation heraus sind die finanziellen Rahmenbedingungen für das Theater abgesteckt. Dass nun die Gesellschaft in einer solchen Situation umdenken und umstrukturieren muss, ist in unserer Region kein Einzelfall. Unternehmen der verschiedensten Bereiche müssen diese Herausforderung meistern und haben sie teilweise mit Bravour schon überstanden.
Hier ist das Theater gefordert und genau deshalb will der Stadtrat mit der derzeitigen Geschäftsführung nicht mehr zusammenarbeiten! Die Geschäftsführung hat eine Möglichkeitenberechnung im Auftrag der Arbeitsgruppe Finanzen des Aufsichtsrates vorgelegt. Diese weist mit den darin aufgeführten Zahlen eindeutig den Abbau des Schauspiels als einzige realistische Möglichkeit aus. Die Intendantin hat bei der Podiumsdiskussion bestritten, dass sie einen Spartenabbau betreiben würde. Genau das ist nach Informationen aus dem Wissenschaftsministerium und nach Durchsicht der vorgelegten Unterlagen nicht glaubhaft!
Die Intendanz und die Verwaltungsleitung haben bisher, bis auf Analysezahlen, keine wirklich neuen strategischen Überlegungen für das Theater deutlich gemacht, sondern in teilweise eigenartiger und nicht nachvollziehbarer Weise zwischen der Argumentation des Gesamterhalts und dem Schauspielabbau gependelt. Sie haben damit zentrale Managementaufgaben, die der Leitung einer GmbH obliegen, vernachlässigt und in besonders schwieriger Zeit bewusst Verantwortung gemieden. Aufgabe einer Geschäftsführung ist es doch die Entwicklung eines Unternehmens und damit auch eines Kulturunternehmens durch Strukturvorschläge, durch die Übernahme neuer Marktbereiche und durch ein überzeugendes Personalmanagement zu sichern. Leider hatten wir den Eindruck bei dieser Geschäftsführung nicht!
Die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters ist, wie in der Diskussion deutlich wurde, nicht überzeugend. Obwohl eine erhebliche Summe hierfür eingesetzt und gleichzeitig der Personalbestand in diesem Bereich aufgestockt wurde, hat das Theater kaum überregionale Wirkung erzielt. Bei der Bevölkerung kommen nach unserer Auffassung die entsprechenden Kampagnen nicht an. Im Gegenteil traditionelle Gastspielstandorte, wie das Harzer Bergtheater und Heiligenstadt, wurden, wie zu erfahren war, teilweise nach persönlichen Querelen aufgegeben.
Dass persönliche Auseinandersetzungen Ursache von geschäftlichen Misserfolg waren, ist auch in weiteren Bereichen zu beobachten. Der Weggang des vormaligen, weit über die Region hinaus bekannten Generalmusikdirektors und die damit verbundenen Umstände lassen nicht auf eine professionelle Personalpolitik schließen.
Deshalb wollen wir einen Neuanfang! Wir wollen dem Theater durch eine neue Führung neue Impulse geben, obwohl wir wissen, dass wir dafür nur noch wenig Zeit haben. Wir wollen das Theater weiterhin so umfänglich wie bisher finanziell unterstützen und zentrale Strukturen, die für das Publikum wichtig sind, erhalten. Deshalb denkt der Stadtrat über neue Formen der rechtlichen Organisation nach. Deshalb wollen wir gerade die Bereiche, die für jüngere Bevölkerungsgruppen wichtig sind und dazu gehört das Kinder- und Jugendtheater sowie das Schauspiel, strukturell stärken und nicht abbauen!
Deshalb ist uns die Partnerschaft mit Sondershausen wichtig, weil das Lohorchester nicht nur in der Region eine Instanz für hohes künstlerisches Niveau darstellt. Genau das ist von den Stadtratmitgliedern und der Oberbürgermeisterin in der Podiumsdiskussion gesagt worden. Wir hoffen, dass es jetzt der Öffentlichkeit auch zugänglich gemacht wird.
Thomas Pape (CDU)
Sabine Meyer (SPD)
Lothar Emrich (PDS)
Klaus Gorges (Demokratische Mitte)
Autor: nnzDie Fraktionen des Nordhäuser Stadtrates haben sich zu einer einmütigen Presseerklärung entschlossen, weil die Berichterstattung in der Thüringer Allgemeinen bezüglich des Ablaufs der öffentlichen Podiumsdiskussionen zur Zukunft der Theater-Lohorchester GmbH nach unserer Auffassung nicht dem tatsächlichen Gesprächsinhalt entsprach. Es entstand der Eindruck, dass es lediglich ein Strukturproblem gäbe und möglicherweise der Hauptgesellschafter, die Stadt Nordhausen, über eine Verzögerungstaktik den Abbau der Theater-Lohorchester GmbH insgesamt betreiben wolle.
Das ist nicht so! Vielmehr haben die Stadträte in den Diskussionen der letzten Wochen ein erhebliches Engagement der Stadt und auch ihrer Finanzen für den Fortbestand der Gesellschaft beschlossen. Es geht den Fraktionen der Stadt vor allem darum, neue Wege und neue Strukturmöglichkeiten für das Theater zu erkunden, um solche zeitgerecht zum vom Ministerpräsidenten Dr. Vogel anberaumten Termin vorlegen zu können.
Wir gehen von der Situation aus, dass der Freistaat Thüringen ein umfassendes und Deutschlandweit beachtenswertes finanzielles Engagement für Theater betreibt. Nach unserer Auffassung sind die Schwerpunkte in Thüringer aber ungerecht verteilt und insbesondere unsere Region ist einseitig benachteiligt. Das muss sich ändern! Die Stadt und der Landkreis Nordhausen sowie die Stadt und der Landkreis Sondershausen waren bisher verlässliche Partner für das Theater und haben einen Großteil ihrer Kulturmittel für das Theater verausgabt. Auch hier ist nur kurzzeitig eine Erhöhung der Mittel möglich. Aus dieser Situation heraus sind die finanziellen Rahmenbedingungen für das Theater abgesteckt. Dass nun die Gesellschaft in einer solchen Situation umdenken und umstrukturieren muss, ist in unserer Region kein Einzelfall. Unternehmen der verschiedensten Bereiche müssen diese Herausforderung meistern und haben sie teilweise mit Bravour schon überstanden.
Hier ist das Theater gefordert und genau deshalb will der Stadtrat mit der derzeitigen Geschäftsführung nicht mehr zusammenarbeiten! Die Geschäftsführung hat eine Möglichkeitenberechnung im Auftrag der Arbeitsgruppe Finanzen des Aufsichtsrates vorgelegt. Diese weist mit den darin aufgeführten Zahlen eindeutig den Abbau des Schauspiels als einzige realistische Möglichkeit aus. Die Intendantin hat bei der Podiumsdiskussion bestritten, dass sie einen Spartenabbau betreiben würde. Genau das ist nach Informationen aus dem Wissenschaftsministerium und nach Durchsicht der vorgelegten Unterlagen nicht glaubhaft!
Die Intendanz und die Verwaltungsleitung haben bisher, bis auf Analysezahlen, keine wirklich neuen strategischen Überlegungen für das Theater deutlich gemacht, sondern in teilweise eigenartiger und nicht nachvollziehbarer Weise zwischen der Argumentation des Gesamterhalts und dem Schauspielabbau gependelt. Sie haben damit zentrale Managementaufgaben, die der Leitung einer GmbH obliegen, vernachlässigt und in besonders schwieriger Zeit bewusst Verantwortung gemieden. Aufgabe einer Geschäftsführung ist es doch die Entwicklung eines Unternehmens und damit auch eines Kulturunternehmens durch Strukturvorschläge, durch die Übernahme neuer Marktbereiche und durch ein überzeugendes Personalmanagement zu sichern. Leider hatten wir den Eindruck bei dieser Geschäftsführung nicht!
Die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters ist, wie in der Diskussion deutlich wurde, nicht überzeugend. Obwohl eine erhebliche Summe hierfür eingesetzt und gleichzeitig der Personalbestand in diesem Bereich aufgestockt wurde, hat das Theater kaum überregionale Wirkung erzielt. Bei der Bevölkerung kommen nach unserer Auffassung die entsprechenden Kampagnen nicht an. Im Gegenteil traditionelle Gastspielstandorte, wie das Harzer Bergtheater und Heiligenstadt, wurden, wie zu erfahren war, teilweise nach persönlichen Querelen aufgegeben.
Dass persönliche Auseinandersetzungen Ursache von geschäftlichen Misserfolg waren, ist auch in weiteren Bereichen zu beobachten. Der Weggang des vormaligen, weit über die Region hinaus bekannten Generalmusikdirektors und die damit verbundenen Umstände lassen nicht auf eine professionelle Personalpolitik schließen.
Deshalb wollen wir einen Neuanfang! Wir wollen dem Theater durch eine neue Führung neue Impulse geben, obwohl wir wissen, dass wir dafür nur noch wenig Zeit haben. Wir wollen das Theater weiterhin so umfänglich wie bisher finanziell unterstützen und zentrale Strukturen, die für das Publikum wichtig sind, erhalten. Deshalb denkt der Stadtrat über neue Formen der rechtlichen Organisation nach. Deshalb wollen wir gerade die Bereiche, die für jüngere Bevölkerungsgruppen wichtig sind und dazu gehört das Kinder- und Jugendtheater sowie das Schauspiel, strukturell stärken und nicht abbauen!
Deshalb ist uns die Partnerschaft mit Sondershausen wichtig, weil das Lohorchester nicht nur in der Region eine Instanz für hohes künstlerisches Niveau darstellt. Genau das ist von den Stadtratmitgliedern und der Oberbürgermeisterin in der Podiumsdiskussion gesagt worden. Wir hoffen, dass es jetzt der Öffentlichkeit auch zugänglich gemacht wird.
Thomas Pape (CDU)
Sabine Meyer (SPD)
Lothar Emrich (PDS)
Klaus Gorges (Demokratische Mitte)


