Di, 14:44 Uhr
02.09.2008
Sozialraumkonferenz in Sollstedt
Fragen des demographischen Wandels bildeten den Schwerpunkt einer Sozialraumkonferenz in der Gemeinde Sollstedt. Was wird geschehen, wenn wir nichts ändern? Was wird sein, wenn niemand mehr ehrenamtlich arbeiten will oder kann? Wie können wir generationsübergreifendes Leben im Sozialraum gestalten? Wie können Jugendhilfe und ressortübergreifende Institutionen intensiver zusammen arbeiten, um Problemlagen zu vermeiden?
Solche oder ähnliche Fragen und Gedanken bildeten den Kern der Tagung. Anwesend waren Akteure unterschiedlicher Interessensgruppen, wie beispielsweise Vertreter aus der Kinder- und Jugendarbeit, von Vereinen und Verbänden, ehrenamtliche Mitarbeiter sowie Fachpersonal aus Ämtern (Landratsamt) sowie Ehrenamtliche und Studenten der Fachhochschule Nordhausen.
Als Vertreterin des Fachbereichs Jugend und Soziales präsentierte Jutta Patzelt (Sozialplanerin) die aktuellen Prognoseberechnungen bezogen auf die Einwohner der Erfüllenden Gemeinde Sollstedts. Nackte Zahlen ließen die Anwesenden erschrecken: Über 400 Einwohner, rund 12 % seiner heutigen Bevölkerung, wird die Gemeinde Sollstedt in den nächsten 12 Jahren verlieren. Dabei ist jedes 5. Kind im Alter bis 10 Jahre. Die Altersgruppe der 20 bis 30-Jährigen hat mit 50 % Verlust am meisten mit dem Geburtenknick und Abwanderung zu kämpfen. Festgestellt wurde, dass trotz Geburtenrückgang in den vergangenen Jahren die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen sich nicht proportional verringerten. Oft geschuldet aus der Situation der Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit von Familien.
Darum gilt es, möglichst kurzfristig Maßnahmen zu Verbesserungen der Betreuungsangebote für Eltern und Kinder zu schaffen und einen entsprechend finanziellen Rahmen zu ermöglichen. Bereits vorhandenes großes bürgerschaftliches Engagement sollte in dieses anspruchsvolle Vorhaben involviert werden. In diesem Zusammenhang sind Überlegungen anzustellen, wie diese Ehrenamtsarbeit durch die Gesellschaft gewürdigt werden kann. Am Ende soll aus Kommunikation und Kooperation ein sinnvolles Puzzle entstehen.
Die beteiligten Fachleute zeigten Wege auf, wie gegenwärtig und zukünftig eine sinnvolle Lebensgestaltung unterschiedlicher Generationen und Interessengruppen in der Erfüllenden Gemeinde Sollstedt ermöglicht werden kann, um den eigenen Nachwuchs in der Region zu halten und dem Phänomen der Abwanderung entgegenzuwirken.
Der Landkreis Nordhausen würdigte in diesem Rahmen das Engagement der Akteure in diesem Sozialraum und Bürgermeister Jürgen Hohberg sparte nicht mit Lob für die bislang geleistete Arbeit der Ehrenamtler und machte deutlich, dass ohne sie die Gemeinde nicht bestehen könnte. Auch für die Zukunft setzte der Bürgermeister auf deren weitere engagierte Mitwirkung.
Mit dieser dritten, von insgesamt 12 geplanten Sozialraumkonferenzen hat der Fachbereich Jugend und Soziales den Beteiligungsprozess in der Sozialplanung des Landkreises Nordhausen angeschoben und möchte die im September stattfindenden Veranstaltungen in der VG Goldene Aue sowie der Gemeinde Hohenstein ankündigen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Wir bitten um fernmündliche Anmeldung (Tel. 03631/911 542).

