Di, 12:50 Uhr
25.06.2002
nnz-Betrachtung: Fronten
Nordhausen (nnz). Wie weiter mit dem Nordhäuser Theater? Diese Frage wurde gestern im Theater nicht beantwortet, wohl aber machten sich Fronten auf. Dazu folgende nnz-Betrachtung.
Es geht nicht mehr mit dieser Theater-Leitung! Es war der sonst eher immer auf Versöhnung bedachte Thomas Pape, der diese Forderung deutlich aufmachte. Pape sprach das noch einmal aus, was der Hauptgesellschafter der GmbH in einen überraschenden Beschluß hineinformuliert und fast einstimmig beschlossen hatte. Da ist sie die eine Seite der Front. Auf der anderen stehen Pirklbauer, Hendriks und viele Mitarbeiter des Nordhäuser Theaters. Die klatschten gestern fast euphorisch dem Abbau der Schauspielsparte zu, selbst Schauspieler. Die, die das Schauspiel opfern wollen, haben jedoch starke Verbündete, die Gesellschafter jenseits der Scherner Berge. Die Intendantin hat das volle Vertrauen der Sondershäuser, mehrfach war das gestern aus dem Mund von Bürgermeister Joachim Kreyer zu hören. Der steht hinter der Theaterleitung, die ja sein Loh-Orchester nicht antasten will und wird. Klug gemacht, Verbündete sucht man sich halt, bevor der Kampf beginnt.
Für den bescheidenen Beobachter hätte der Kampf um das Geld eigentlich schon vor Jahren beginnen müssen. Zwar wurde der Theaterstandort im Norden Thüringen bei der letzten Festschreibung der Landeszuschüsse ein wenig bevorteilt, doch das Stück vom großen Kuchen war trotz Zuwachses immer noch zu klein. Aber spätestens im Jahr 1998 hätte man rund ums Theater nachdenken müssen, wie es nach 2002 weitergehen soll. Da stand doch für alle Akteure fest, dass jährlich mit einem Tarifzuschlag von zwei Prozent und mit einer kommenden Ost-West-Angleichung zu rechnen sei und dass das Land Thüringen auch nicht einen Cent mehr bereitstellen würde. Vermutlich hatten sich Theaterleitung, Gesellschafter und Aufsichtsrat mit diesem Status Quo abgefunden und sich bei Premieren genüsslich in die bequemen Sessel geräkelt.
Wo blieben sie denn, die jetzt herbeigesehnten Visionen? Sie hätten in Ruhe und Sorgfalt, aber auch in vielen Diskussionen, entwickelt werden können. Man hätte ja fast vorbereitet sein können auf das, was jetzt vor der Theatertür steht. Vielleicht hätte es auch kein Bauernopfer geben müssen.
Es bleibt aber auch noch eine weitere Frage: Wo ist eigentlich das Profil dieses Nordhäuser Theaters? Worin unterscheidet es sich von den anderen Spielstätten des Freistaates? Diese eigenständige Profil wäre es gewesen, mit dem man viel, viel besser hätte argumentieren können. In Erfurt zum Beispiel. Stattdessen wurde sich an Spielplänen erfreut, die so auch in Gera, in Halberstadt oder in Eisenach in den Schaukästen hängen können. Der Kleinste muß sich eine Mische suchen, die ihn nicht nur unverwechselbar macht, sondern die ihn aus der Masse heraushebt. Die neue Ideen eines Peter Stangel waren ein erster Versuch, der gnadenlos erstickt wurde. Spätestens vor einem Jahr hätte der Aufsichtsrat die Notbremse ziehen müssen. Wollte er nach nnz-Informationen auch, doch scheiterte am Widerstand der Sondershäuser.
Um es hart zu sagen: Den Musikstädtern im benachbarten Landkreis ist das Nordhäuser Theater ziemlich egal - zum Schauspiel fährt man vom Kyffhäuserkreis bequemer nach Weimar oder Erfurt - solange das Orchester nicht angetastet wird. Dieser Eindruck wurde gestern wieder bestätigt. Ob man das nun wahrhaben will oder nicht: Die Einigkeit im Gesellschafterpool hat einen deutlichen Knacks erhalten.
Seit gestern beschäftigen sich in Nordhausen einige Menschen mit neuen Strukturen im Theater. Aus einer GmbH mach drei so könnte die ausgegebene Marschrichtung lauten:
Schauspiel GmbH,
Musiktheater GmbH und
Geschäftsbesorgungs GmbH
Der Arbeitskreis, der nun an diesem Projekt arbeiten wird, hat nicht mehr viel Zeit. Einige seiner Mitglieder studieren in den nächsten Tagen vermutlich aufmerksam das GmbH-Gesetz. Nicht nur der neuen Strukturen wegen, auch wegen personeller Veränderungen. Und vielleicht finden pfiffige Menschen in den Gesetzestexten, wie der Mehrheitsgesellschafter einer GmbH eine Geschäftsführung loswerden kann, ohne auf das Votum der Minderheitsgesellschafter angewiesen zu sein. Doch bringt das wirklich die Wende?
Der Punkt, an dem das Theater jetzt in Nordhausen angekommen ist, das ist der Tiefpunkt. Vielleicht müssen irgendwann mal Schuldige gesucht werden. Wer soll das aber sein? Das sparsame Bundesland, das sich lediglich um Erfurt oder Weimar kümmert? Die Theater-Leitung, die ihren Job vielleicht nicht richtig gemacht hat? Die Gesellschafter, die nicht richtig nachgefragt hatten? Der Aufsichtsrat, der seinen Kontrollpflichten nicht immer genügend nachkam? Die fehlenden Zuschauer, die sich diesem Theater und seinem Angebot nicht verpflichtet fühlten? Die angeblich fehlende Lobby, die dem Theater finanziell nicht unter die Arme griff?
Auf jeden Fall wird es bis zum 21. Juli noch richtig spannend. Das richtige, das reale Leben ist eben doch etwas anderes, als es auf den Brettern, die plötzlich in Nordhausen die Welt bedeuten sollen, mitunter dargestellt wird.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs geht nicht mehr mit dieser Theater-Leitung! Es war der sonst eher immer auf Versöhnung bedachte Thomas Pape, der diese Forderung deutlich aufmachte. Pape sprach das noch einmal aus, was der Hauptgesellschafter der GmbH in einen überraschenden Beschluß hineinformuliert und fast einstimmig beschlossen hatte. Da ist sie die eine Seite der Front. Auf der anderen stehen Pirklbauer, Hendriks und viele Mitarbeiter des Nordhäuser Theaters. Die klatschten gestern fast euphorisch dem Abbau der Schauspielsparte zu, selbst Schauspieler. Die, die das Schauspiel opfern wollen, haben jedoch starke Verbündete, die Gesellschafter jenseits der Scherner Berge. Die Intendantin hat das volle Vertrauen der Sondershäuser, mehrfach war das gestern aus dem Mund von Bürgermeister Joachim Kreyer zu hören. Der steht hinter der Theaterleitung, die ja sein Loh-Orchester nicht antasten will und wird. Klug gemacht, Verbündete sucht man sich halt, bevor der Kampf beginnt.
Für den bescheidenen Beobachter hätte der Kampf um das Geld eigentlich schon vor Jahren beginnen müssen. Zwar wurde der Theaterstandort im Norden Thüringen bei der letzten Festschreibung der Landeszuschüsse ein wenig bevorteilt, doch das Stück vom großen Kuchen war trotz Zuwachses immer noch zu klein. Aber spätestens im Jahr 1998 hätte man rund ums Theater nachdenken müssen, wie es nach 2002 weitergehen soll. Da stand doch für alle Akteure fest, dass jährlich mit einem Tarifzuschlag von zwei Prozent und mit einer kommenden Ost-West-Angleichung zu rechnen sei und dass das Land Thüringen auch nicht einen Cent mehr bereitstellen würde. Vermutlich hatten sich Theaterleitung, Gesellschafter und Aufsichtsrat mit diesem Status Quo abgefunden und sich bei Premieren genüsslich in die bequemen Sessel geräkelt.
Wo blieben sie denn, die jetzt herbeigesehnten Visionen? Sie hätten in Ruhe und Sorgfalt, aber auch in vielen Diskussionen, entwickelt werden können. Man hätte ja fast vorbereitet sein können auf das, was jetzt vor der Theatertür steht. Vielleicht hätte es auch kein Bauernopfer geben müssen.
Es bleibt aber auch noch eine weitere Frage: Wo ist eigentlich das Profil dieses Nordhäuser Theaters? Worin unterscheidet es sich von den anderen Spielstätten des Freistaates? Diese eigenständige Profil wäre es gewesen, mit dem man viel, viel besser hätte argumentieren können. In Erfurt zum Beispiel. Stattdessen wurde sich an Spielplänen erfreut, die so auch in Gera, in Halberstadt oder in Eisenach in den Schaukästen hängen können. Der Kleinste muß sich eine Mische suchen, die ihn nicht nur unverwechselbar macht, sondern die ihn aus der Masse heraushebt. Die neue Ideen eines Peter Stangel waren ein erster Versuch, der gnadenlos erstickt wurde. Spätestens vor einem Jahr hätte der Aufsichtsrat die Notbremse ziehen müssen. Wollte er nach nnz-Informationen auch, doch scheiterte am Widerstand der Sondershäuser.
Um es hart zu sagen: Den Musikstädtern im benachbarten Landkreis ist das Nordhäuser Theater ziemlich egal - zum Schauspiel fährt man vom Kyffhäuserkreis bequemer nach Weimar oder Erfurt - solange das Orchester nicht angetastet wird. Dieser Eindruck wurde gestern wieder bestätigt. Ob man das nun wahrhaben will oder nicht: Die Einigkeit im Gesellschafterpool hat einen deutlichen Knacks erhalten.
Seit gestern beschäftigen sich in Nordhausen einige Menschen mit neuen Strukturen im Theater. Aus einer GmbH mach drei so könnte die ausgegebene Marschrichtung lauten:
Schauspiel GmbH,
Musiktheater GmbH und
Geschäftsbesorgungs GmbH
Der Arbeitskreis, der nun an diesem Projekt arbeiten wird, hat nicht mehr viel Zeit. Einige seiner Mitglieder studieren in den nächsten Tagen vermutlich aufmerksam das GmbH-Gesetz. Nicht nur der neuen Strukturen wegen, auch wegen personeller Veränderungen. Und vielleicht finden pfiffige Menschen in den Gesetzestexten, wie der Mehrheitsgesellschafter einer GmbH eine Geschäftsführung loswerden kann, ohne auf das Votum der Minderheitsgesellschafter angewiesen zu sein. Doch bringt das wirklich die Wende?
Der Punkt, an dem das Theater jetzt in Nordhausen angekommen ist, das ist der Tiefpunkt. Vielleicht müssen irgendwann mal Schuldige gesucht werden. Wer soll das aber sein? Das sparsame Bundesland, das sich lediglich um Erfurt oder Weimar kümmert? Die Theater-Leitung, die ihren Job vielleicht nicht richtig gemacht hat? Die Gesellschafter, die nicht richtig nachgefragt hatten? Der Aufsichtsrat, der seinen Kontrollpflichten nicht immer genügend nachkam? Die fehlenden Zuschauer, die sich diesem Theater und seinem Angebot nicht verpflichtet fühlten? Die angeblich fehlende Lobby, die dem Theater finanziell nicht unter die Arme griff?
Auf jeden Fall wird es bis zum 21. Juli noch richtig spannend. Das richtige, das reale Leben ist eben doch etwas anderes, als es auf den Brettern, die plötzlich in Nordhausen die Welt bedeuten sollen, mitunter dargestellt wird.
Peter-Stefan Greiner

