Di, 11:51 Uhr
25.06.2002
Fast nur Bekanntes ausgetauscht
Nordhausen (nnz). Das Theater Nordhausen hatte gestern in eigener Sache zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Über neue Strukturen sollte endlich mal miteinander geredet werden. Ein frommer Wunsch...
Notwendige Statements wollte Intendantin Dr. Monika Pirklbauer hören, Aufklärung wollte sie erfahren und sie freute sich, dass Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) den Platz von Klaus Wahlbuhl einnahm. Nach dieser Begrüßung übernahm Moderator Thomas Bille vom mdr das Zepter und hinterließ bei einem Teil der Besucher schon einen mulmigen Eindruck. Der Mensch, der nie zuvor in Nordhausen Station gemacht hatte, widmete sich einleitend den vielen Einkaufsmärkten, den Autohäusern der gehobenen Mittelklasse und der Förderung des polnischen Granitabbaus. Die Einleitung war für einige Zuhörer von derart hohen Interesse, dass sie die Veranstaltung vermutlich verlassen hätten, wenn es dann doch nicht noch ums Theater gegangen wären.
Enttäuscht wurden das Auditorium dennoch. Da standen zwar Strukturen im Mittelpunkt, doch das Neue wurde nicht angesprochen, geschweige denn gefunden. Statt dessen gab es die lang bekannten Statements von Theater, Gesellschaftern, der Wirtschaft und dem Thüringer Kunstministeriums. Warum der Moderator anfangs mehr über ein Gutachten von Barbara Rinke wissen wollte, war nicht schlüssig und vermutlich das Ergebnis einer intensiven Souffleuse-Arbeit der Theater-Macher.
Sowohl der Sondershäuser Bürgermeister Joachim Kreyer, als auch der 1. Beigeordnete der Nordhäuser Kreisverwaltung, Matthias Jendricke, machten auf die unterschiedlichen Proportionen der Theater-Förderung in diesem Freistaat aufmerksam und brachten klar zum Ausdruck, dass es von den kommunalen Gesellschaftern keine Pfennig mehr als zugesagt geben könnte. Diesem keinen Pfennig mehr schloß sich auch Dr. Werner von Trützschler von Ministerium an.
Vom Verband der Wirtschaft brachte Volker Göpfarth seinen Unmut zum Ausdruck, dass es keine Anstrengungen im Theater gebe, eine wirkliche Lobby aufzubauen. Um das Theater aber optimal zu vermarkten benötige es des Geldes, das nicht da sei, konterte die Intendantin und verwies gleichzeitig auf steigende Einnahmen und Zuschauerzahlen (siehe dazu auch im nnz-Archiv).
In eine fast nicht beschreiblichen Ergebenheit steigerte sich schließlich Thomas Kohl vom Theater-Betriebsrat und machte direkt auf die notwendigen Tarifsteigerungen, auf niedrigste Löhne aufmerksam, indirekt wollte er sagen, dass es notwendig sein, das Schauspiel zu entsorgen. Angeblich verdienen künstlerische Hochschulabsolventen im Nordhäuser nicht mehr als 2.500 DM brutto.
Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Bericht wohl das mehrmalige Abgleiten des Moderators in die Fäkalsprache. Der Teufel schei... immer auf die größten Brocken, rief er aus und meinte damit Ministerpräsident Vogel und die Situation um die gescheiterte Fusion zwischen Weimar und Erfurt. Darauf konterte Matthias Jendricke, dass der Thüringer Ministerpräsident nicht Teufel hieße.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke machte in einem ihrer Statements noch einmal den Stellenwert des Theaters für die Stadt deutlich. An dritter Ausgabenstelle, hinter der Kreisumlage und den Ausgaben für Kinder und Jugendliche, rangiere der Musentempel. Es müsse auch klar gemacht werden, dass Sparen nicht nur am Theater angesagt sei, sondern auch in der Stadtverwaltung und städtischen Unternehmen.
Schließlich wollte man von Intendantin Pirklbauer wissen, wo es denn überhaupt Einsparpotentiale gebe, wenn das Schauspiel als Sparte nicht abgebaut werden soll? Ihre Antwort: Das ist schwierig, da es an diesem Haus mehrere Tarifstrukturen gebe und die Situation ziemlich aussichtslos sei. In den Parkett-Reihen, in denen sich Mitglieder des Nordhäuser Stadtrates niedergelassen hatten, kaum Empörung auf: Genau das ist das Problem mit dieser Leitung, sie hat keine Phantasie, keine Kreativität, keine Willen zu Veränderungen, hörte man.
Zwei Stunden lang wurden auf der Bühne die bekannten Statements ausgetauscht. Neuigkeiten, neue Strukturen, neue Vorschläge waren Fehlanzeige. Gewürzt wurde die Veranstaltung von den Zuhörern, die dann irgendwann nach 21 Uhr auch die Möglichkeit hatten, sich zu äußern. Für Dr. Klaus Gebhardt war es vermutlich zu diesem Zeitpunkt schon lange des Redens zuviel. Er griff die Leitung des Hauses an und forderte vom Management der GmbH endlich kreative Vorschläge, auch Stellungnahmen klarer Art. Für Sie, Frau Pirklbauer, ist die Schließung des Schauspiels die einzigste Lösung! Man hätte als Leitung doch fünf bis sechs Vorschläge vorgelegt. Ich stehe persönlich zu keiner Lösung, werde aber auf keinen Fall aus das Ballett oder das Musiktheater verzichten, konterte Pirklbauer.
Dann kam es haarig. Sie haben zu wenig für das Theater getan, Frau Pirklbauer, meinte Jendricke und belegte das unter anderem mit fehlenden Zahlen für die Gesellschafter und mit einem fehlenden, mit Zahlen untersetzten Stellenplan. Diese Zahlen rief ihm dann mal schnell Theater-Personal-Chefin Kalms aus dem Zuschauerraum zu. Vermutlich war das für Thomas Pape dann doch zuviel des Guten, oder besser ausgedrückt, zuviel des Schlechten. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Nordhäuser Stadtrat machte noch einmal auf den Beschluß des Stadtrates aufmerksam. Vor allem stellte er heraus, dass dieses Gremium als Hauptgesellschafter der GmbH die Beurlaubung von Intendantin und Verwaltungsdirektor bei weiter laufenden Bezügen gefordert habe. Sie erhalten ihre Grundversorgung bis zum Ende ihres Vertrages, so Pape. Neue Visionen müssten her, ein Neuanfang gemacht werden, und das gehe nicht mit dieser Leitung. Er verwies gleichzeitig darauf, dass es eine sofortige Ausschreibung für einen neuen Intendanten geben müsse, der Visionen entwickeln könnte.
Pirklbauer sicherte zu, dass sie diese Visionen auf den Tisch legen werde, dass sie diese der Belegschaft vorstellen werden. Sie wolle auch an den Pape-Visionen teilhaben.
Autor: nnz
Notwendige Statements wollte Intendantin Dr. Monika Pirklbauer hören, Aufklärung wollte sie erfahren und sie freute sich, dass Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) den Platz von Klaus Wahlbuhl einnahm. Nach dieser Begrüßung übernahm Moderator Thomas Bille vom mdr das Zepter und hinterließ bei einem Teil der Besucher schon einen mulmigen Eindruck. Der Mensch, der nie zuvor in Nordhausen Station gemacht hatte, widmete sich einleitend den vielen Einkaufsmärkten, den Autohäusern der gehobenen Mittelklasse und der Förderung des polnischen Granitabbaus. Die Einleitung war für einige Zuhörer von derart hohen Interesse, dass sie die Veranstaltung vermutlich verlassen hätten, wenn es dann doch nicht noch ums Theater gegangen wären.
Enttäuscht wurden das Auditorium dennoch. Da standen zwar Strukturen im Mittelpunkt, doch das Neue wurde nicht angesprochen, geschweige denn gefunden. Statt dessen gab es die lang bekannten Statements von Theater, Gesellschaftern, der Wirtschaft und dem Thüringer Kunstministeriums. Warum der Moderator anfangs mehr über ein Gutachten von Barbara Rinke wissen wollte, war nicht schlüssig und vermutlich das Ergebnis einer intensiven Souffleuse-Arbeit der Theater-Macher.
Sowohl der Sondershäuser Bürgermeister Joachim Kreyer, als auch der 1. Beigeordnete der Nordhäuser Kreisverwaltung, Matthias Jendricke, machten auf die unterschiedlichen Proportionen der Theater-Förderung in diesem Freistaat aufmerksam und brachten klar zum Ausdruck, dass es von den kommunalen Gesellschaftern keine Pfennig mehr als zugesagt geben könnte. Diesem keinen Pfennig mehr schloß sich auch Dr. Werner von Trützschler von Ministerium an.
Vom Verband der Wirtschaft brachte Volker Göpfarth seinen Unmut zum Ausdruck, dass es keine Anstrengungen im Theater gebe, eine wirkliche Lobby aufzubauen. Um das Theater aber optimal zu vermarkten benötige es des Geldes, das nicht da sei, konterte die Intendantin und verwies gleichzeitig auf steigende Einnahmen und Zuschauerzahlen (siehe dazu auch im nnz-Archiv).
In eine fast nicht beschreiblichen Ergebenheit steigerte sich schließlich Thomas Kohl vom Theater-Betriebsrat und machte direkt auf die notwendigen Tarifsteigerungen, auf niedrigste Löhne aufmerksam, indirekt wollte er sagen, dass es notwendig sein, das Schauspiel zu entsorgen. Angeblich verdienen künstlerische Hochschulabsolventen im Nordhäuser nicht mehr als 2.500 DM brutto.
Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Bericht wohl das mehrmalige Abgleiten des Moderators in die Fäkalsprache. Der Teufel schei... immer auf die größten Brocken, rief er aus und meinte damit Ministerpräsident Vogel und die Situation um die gescheiterte Fusion zwischen Weimar und Erfurt. Darauf konterte Matthias Jendricke, dass der Thüringer Ministerpräsident nicht Teufel hieße.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke machte in einem ihrer Statements noch einmal den Stellenwert des Theaters für die Stadt deutlich. An dritter Ausgabenstelle, hinter der Kreisumlage und den Ausgaben für Kinder und Jugendliche, rangiere der Musentempel. Es müsse auch klar gemacht werden, dass Sparen nicht nur am Theater angesagt sei, sondern auch in der Stadtverwaltung und städtischen Unternehmen.
Schließlich wollte man von Intendantin Pirklbauer wissen, wo es denn überhaupt Einsparpotentiale gebe, wenn das Schauspiel als Sparte nicht abgebaut werden soll? Ihre Antwort: Das ist schwierig, da es an diesem Haus mehrere Tarifstrukturen gebe und die Situation ziemlich aussichtslos sei. In den Parkett-Reihen, in denen sich Mitglieder des Nordhäuser Stadtrates niedergelassen hatten, kaum Empörung auf: Genau das ist das Problem mit dieser Leitung, sie hat keine Phantasie, keine Kreativität, keine Willen zu Veränderungen, hörte man.
Zwei Stunden lang wurden auf der Bühne die bekannten Statements ausgetauscht. Neuigkeiten, neue Strukturen, neue Vorschläge waren Fehlanzeige. Gewürzt wurde die Veranstaltung von den Zuhörern, die dann irgendwann nach 21 Uhr auch die Möglichkeit hatten, sich zu äußern. Für Dr. Klaus Gebhardt war es vermutlich zu diesem Zeitpunkt schon lange des Redens zuviel. Er griff die Leitung des Hauses an und forderte vom Management der GmbH endlich kreative Vorschläge, auch Stellungnahmen klarer Art. Für Sie, Frau Pirklbauer, ist die Schließung des Schauspiels die einzigste Lösung! Man hätte als Leitung doch fünf bis sechs Vorschläge vorgelegt. Ich stehe persönlich zu keiner Lösung, werde aber auf keinen Fall aus das Ballett oder das Musiktheater verzichten, konterte Pirklbauer.
Dann kam es haarig. Sie haben zu wenig für das Theater getan, Frau Pirklbauer, meinte Jendricke und belegte das unter anderem mit fehlenden Zahlen für die Gesellschafter und mit einem fehlenden, mit Zahlen untersetzten Stellenplan. Diese Zahlen rief ihm dann mal schnell Theater-Personal-Chefin Kalms aus dem Zuschauerraum zu. Vermutlich war das für Thomas Pape dann doch zuviel des Guten, oder besser ausgedrückt, zuviel des Schlechten. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Nordhäuser Stadtrat machte noch einmal auf den Beschluß des Stadtrates aufmerksam. Vor allem stellte er heraus, dass dieses Gremium als Hauptgesellschafter der GmbH die Beurlaubung von Intendantin und Verwaltungsdirektor bei weiter laufenden Bezügen gefordert habe. Sie erhalten ihre Grundversorgung bis zum Ende ihres Vertrages, so Pape. Neue Visionen müssten her, ein Neuanfang gemacht werden, und das gehe nicht mit dieser Leitung. Er verwies gleichzeitig darauf, dass es eine sofortige Ausschreibung für einen neuen Intendanten geben müsse, der Visionen entwickeln könnte.
Pirklbauer sicherte zu, dass sie diese Visionen auf den Tisch legen werde, dass sie diese der Belegschaft vorstellen werden. Sie wolle auch an den Pape-Visionen teilhaben.


