Di, 09:51 Uhr
26.08.2008
Offener Brief an den Landrat
Ende des jeweiligen Monats werden die Arbeitslosenzahlen und –quoten veröffentlicht. Auch der Landrat argumentiert damit regelmäßig. Ein nnz-Leser will jedoch mehr als nur die allgemeinen Zahlen wissen und hat einen offenen Brief geschrieben...
Sehr geehrter Herr Landrat,
in der Kreistagssitzung vom 3. Juni 2008 war das für die regierenden Parteien leidige Thema Arbeitslosenzahlen ein Tagesordnungspunkt. Sie hatten der Fraktionsvorsitzenden Frau Keller
(Die Linke) versprochen, den Mitgliedern des Kreistages genaue Angaben über die Zusammensetzung der Arbeitslosenzahlen zu geben.
Sie haben zwar einen Überblick anhand von Statistiken gegeben, aber über die genauen Zahlen haben Sie kein Wort verloren. Ich bin der Meinung, Sie haben den Kreistag und die Bürger mit den Statistiken von wahren Arbeitslosenzahlen abgelenkt. Aus diesem Grund stelle ich hiermit als Bürger noch einmal die Frage nach den korrekten Zahlen.
Gefragt ist nach folgenden Zahlen:
Ich glaube, das sind die Zahlen, auf die Frau Keller und viele Bürger warten und nicht die geschönte Variante, wie sie den Regierenden gefällt. Dass die Zahlen geschönt sind, mussten auch Politiker in einer Gesprächsrunde beim Fernsehsender Phönix am 25.06.08 zugeben. Es war schon sehr amüsant, mit anzusehen, wie man die Schönfärberei verteidigte. Es war wie in der Schule, wenn ein schlechter Schüler sich damit entschuldigt, dass es noch schlechtere Schüler gibt.
Ein Mitglied Ihrer Partei warf in der Bundestagsdebatte am 26.06.08 – als es um Teilzeitarbeit und Vorruhestand ging – einem Sprecher der FDP vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten und sagte weiter, dass der welcher falsche zu Grunde lege folgerichtig damit zu einer falschen Einschätzung komme.
Zum Schluss bleibt noch eine Frage: Glauben Sie auch, wie Ihre Kollegen im Bundestag, dass sich die Bürger darüber freuen, wenn sie einen Voll- oder Teilzeitjob bekommen und mit einem Hungerlohn abgespeist werden und dann auch noch Hartz IV beantragen müssen? Ich halte es für arrogant und anmaßend, wenn sich Politiker in dieser Art und Weise äußern. Ich habe noch niemanden getroffen, der sich darüber freut, dass er so ausgenutzt wird.
Auch diesmal möchte ich es nicht versäumen Ihnen und den Mitgliedern des Kreistages ein Buch an`s Herz zu legen. Es handelt sich um das Buch von dem Autor Günter Ogger mit dem passenden Titel Die Abgestellten. Darin beschreibt der Autor den künftigen Werdegang der Angestellten und Manager, welche seiner Meinung nach die nächsten auf der Entlassungsliste der Konzerne sein werden. Mit den Entlassungen der Arbeiter, könne man keine großen Rationalisierungsgewinne mehr machen. Man sei an der Grenze angekommen. Diejenigen die jetzt noch beschäftigt sind würden dringend gebraucht. Denen könne man nur noch die Löhne kürzen, was aber den Aktionären nicht ausreichen würde.
Was macht man also um den Gewinn wieder zu steigern? Man entlässt die Angestellten und Manager, denn durch den Wegfall von deren wesentlich höheren Gehältern könne man wesentlich mehr einsparen als bei den einfachen Arbeitern.
Also meine Damen und Herren Angestellte und Manager - bis bald auf den Arbeitsamt! Oder ist ihr Portfolio schon so dick, dass Sie sich auf eine krisensichere Insel zurückziehen können? Andernfalls bin ich nur gespannt, ob sie dann noch immer von der Politik begeistert sind, die unsere Regierenden machen.
Mit freundlichen Grüßen
Harald Buntfuß
Yorckstraße 5
99734 Nordhausen
Autor: nnzSehr geehrter Herr Landrat,
in der Kreistagssitzung vom 3. Juni 2008 war das für die regierenden Parteien leidige Thema Arbeitslosenzahlen ein Tagesordnungspunkt. Sie hatten der Fraktionsvorsitzenden Frau Keller
(Die Linke) versprochen, den Mitgliedern des Kreistages genaue Angaben über die Zusammensetzung der Arbeitslosenzahlen zu geben.
Sie haben zwar einen Überblick anhand von Statistiken gegeben, aber über die genauen Zahlen haben Sie kein Wort verloren. Ich bin der Meinung, Sie haben den Kreistag und die Bürger mit den Statistiken von wahren Arbeitslosenzahlen abgelenkt. Aus diesem Grund stelle ich hiermit als Bürger noch einmal die Frage nach den korrekten Zahlen.
Gefragt ist nach folgenden Zahlen:
- ALG I
- ALG II, die sich folgendermaßen untergliedern:
- die Unter-Zwanzigjährigen,
- Krankgeschriebene,
- schwer Vermittelbare,
- in den Vorruhestand geschickte Personen,
- 58-er Reglung,
- ABM-Kräfte,
- Ein-Euro-Jobber,
- Aufstocker,
- diejenigen, die keinen Anspruch auf Leistungen haben, weil der Partner in der Bedarfs-gemeinschaft zu viel verdient,
- diejenigen, die selbst noch zu viel Geld auf dem Konto haben,
- Und zum Schluss kommen jene, die sich abmelden, weil sie einfach frustriert sind,
- diejenigen, die mit Sanktionen belegt sind.
Ich glaube, das sind die Zahlen, auf die Frau Keller und viele Bürger warten und nicht die geschönte Variante, wie sie den Regierenden gefällt. Dass die Zahlen geschönt sind, mussten auch Politiker in einer Gesprächsrunde beim Fernsehsender Phönix am 25.06.08 zugeben. Es war schon sehr amüsant, mit anzusehen, wie man die Schönfärberei verteidigte. Es war wie in der Schule, wenn ein schlechter Schüler sich damit entschuldigt, dass es noch schlechtere Schüler gibt.
Ein Mitglied Ihrer Partei warf in der Bundestagsdebatte am 26.06.08 – als es um Teilzeitarbeit und Vorruhestand ging – einem Sprecher der FDP vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten und sagte weiter, dass der welcher falsche zu Grunde lege folgerichtig damit zu einer falschen Einschätzung komme.
Zum Schluss bleibt noch eine Frage: Glauben Sie auch, wie Ihre Kollegen im Bundestag, dass sich die Bürger darüber freuen, wenn sie einen Voll- oder Teilzeitjob bekommen und mit einem Hungerlohn abgespeist werden und dann auch noch Hartz IV beantragen müssen? Ich halte es für arrogant und anmaßend, wenn sich Politiker in dieser Art und Weise äußern. Ich habe noch niemanden getroffen, der sich darüber freut, dass er so ausgenutzt wird.
Auch diesmal möchte ich es nicht versäumen Ihnen und den Mitgliedern des Kreistages ein Buch an`s Herz zu legen. Es handelt sich um das Buch von dem Autor Günter Ogger mit dem passenden Titel Die Abgestellten. Darin beschreibt der Autor den künftigen Werdegang der Angestellten und Manager, welche seiner Meinung nach die nächsten auf der Entlassungsliste der Konzerne sein werden. Mit den Entlassungen der Arbeiter, könne man keine großen Rationalisierungsgewinne mehr machen. Man sei an der Grenze angekommen. Diejenigen die jetzt noch beschäftigt sind würden dringend gebraucht. Denen könne man nur noch die Löhne kürzen, was aber den Aktionären nicht ausreichen würde.
Was macht man also um den Gewinn wieder zu steigern? Man entlässt die Angestellten und Manager, denn durch den Wegfall von deren wesentlich höheren Gehältern könne man wesentlich mehr einsparen als bei den einfachen Arbeitern.
Also meine Damen und Herren Angestellte und Manager - bis bald auf den Arbeitsamt! Oder ist ihr Portfolio schon so dick, dass Sie sich auf eine krisensichere Insel zurückziehen können? Andernfalls bin ich nur gespannt, ob sie dann noch immer von der Politik begeistert sind, die unsere Regierenden machen.
Mit freundlichen Grüßen
Harald Buntfuß
Yorckstraße 5
99734 Nordhausen

