Mo, 11:40 Uhr
24.06.2002
Auch 2002: Kreativpreis wurde vergeben
Nordhausen (nnz). Wie bereits in den vergangenen vier Jahren, vergibt der Förderverein der "Dichterstätte Sarah Kirsch" auch in diesem Jahr am letzten Juniwochenende anläßlich der "Limlingeröder Diskurse" den Kreativpreis. Dieser ist Bestandteil der Vereinsarbeit und soll besonders junge Menschen anregen, sich mit lyrischen Texten auseinander zu setzen.
Um den Kreativpreis bewarben sich bisher Kinder und Jugendliche aus den Schulen des Landkreises Nordhausen, welche die Poesie Sarah Kirschs zur Grundlage ihres eigenen künstlerischen Ausdrucks werden ließen. Eingereicht wurden neben dichterischen Versuchen vor allem bildnerische Arbeiten, die als vorsichtige Annäherungen an Gedichte von Sarah Kirsch verstanden werden sollen. Nach Abstimmung mit der Dozentin Heidi Richter, die im Bereich Kunst der Universität Erfurt tätig ist, wurde der Kreativpreis 2002 dort ausgeschrieben. Die drei Preisträgerinnen der Auslobung sind die Kunststudentinnen Constanze Hilpert, Teresa Kettner und Jana Stopfel. Die drei lernen ihr Handwerk derzeit bei der Dozentin und Künstlerin Eva Bruszis, die in der Thüringer Kunstlandschaft mit ihren wunderschönen, sensiblen und feingliedrigen Arbeiten ihren Platz gefunden hat.
Für die diesjährigen Preisträgerinnen waren die Kirschgedichte "Ich bin sehr sanft" und "Ach Nacht" Grundlage der poetisch-bildnerischen Spurensuche, und das so Gefundene ist wirklich sehenswert. Mit 14 kleinen Formaten - Variationen zu "Ich bin sehr sanft" - überzeugte Jana Stopfel. Hell-dunkel klettert Vegetatives in verhaltener Farbigkeit das Blatt hinauf und verzweigt sich zeichnerisch feinnervig strukturiert in die Tiefe, was der Dichtung bildnerisch schön entspricht, ohne dabei illustrativ zu wirken. Kryptisches unterstreicht ein offenbartes Geheimnisvolles, das leisbestimmt zum Betrachter spricht: "Ich bin sehr sanft nenn / mich Kamille / ..." Und immer dominiert im kleinen Format die große Form. Wir können sie ruhig "Kamille" nennen: ".../ die Vögel baun Nester wir / stehn auf demselben Blatt."
Auch Teresa Kettner widmete sich mit ihren Arbeiten diesem Gedicht. Dabei fand sie eine ganz eigenwillige Form. Die auf neun miniaturartigen Hochformaten entstandenen Radierungen atmen die lyrische Sprache von Dichtung. In zwei Serien variierte Teresa Kettner spielerisch eine Ausgangssituation. ".../ zeigst mir das Land..." Dem Gedicht "Ach Nacht" widmete die Studentin ein größeres Blatt. Gesichter sind darauf zu sehen, vielleicht jene, die da bei Sarah Kirsch nachts aus der Dunkelheit in unsere Wohnungen starren? "Aus der Dunkelheit starrt / Ein Gesicht durch die / Scheiben. Bettelt / Eingelassen zu / Werden...". Mit einer besonders schönen, sensibel empfundenen Arbeit wartet Constanze Hilpert auf. Sparsam drängt sich auf ihr Blatt zartschüchtern das Pflänzchen "Kamille" mit vorsichtig hingeworfenen Linien in den Mittelgrund. Da steht es nun so da, scheinbar unsicher und doch bestimmt, dominiert es das Bild, zieht alle Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, spricht ihn an und sagt: "Ich bin sehr sanft nenn / mich Kamille/..."
Am kommenden Sonntag, dem 30. Juni 2002, findet die Preisvergabe um 10.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Limlingerode statt. Interessierte sind dazu herzlich eingeladen. Nach der feierlichen Verleihung des Kreativpreises wird in Bild und Ton im Rahmen der "Limlingeröder Diskurse" die Dichterin Ingeborg Bachmann vorgestellt: "Das Unsägliche geht, leise gesagt, übers Land."
Karin Kisker
Autor: nnzUm den Kreativpreis bewarben sich bisher Kinder und Jugendliche aus den Schulen des Landkreises Nordhausen, welche die Poesie Sarah Kirschs zur Grundlage ihres eigenen künstlerischen Ausdrucks werden ließen. Eingereicht wurden neben dichterischen Versuchen vor allem bildnerische Arbeiten, die als vorsichtige Annäherungen an Gedichte von Sarah Kirsch verstanden werden sollen. Nach Abstimmung mit der Dozentin Heidi Richter, die im Bereich Kunst der Universität Erfurt tätig ist, wurde der Kreativpreis 2002 dort ausgeschrieben. Die drei Preisträgerinnen der Auslobung sind die Kunststudentinnen Constanze Hilpert, Teresa Kettner und Jana Stopfel. Die drei lernen ihr Handwerk derzeit bei der Dozentin und Künstlerin Eva Bruszis, die in der Thüringer Kunstlandschaft mit ihren wunderschönen, sensiblen und feingliedrigen Arbeiten ihren Platz gefunden hat.
Für die diesjährigen Preisträgerinnen waren die Kirschgedichte "Ich bin sehr sanft" und "Ach Nacht" Grundlage der poetisch-bildnerischen Spurensuche, und das so Gefundene ist wirklich sehenswert. Mit 14 kleinen Formaten - Variationen zu "Ich bin sehr sanft" - überzeugte Jana Stopfel. Hell-dunkel klettert Vegetatives in verhaltener Farbigkeit das Blatt hinauf und verzweigt sich zeichnerisch feinnervig strukturiert in die Tiefe, was der Dichtung bildnerisch schön entspricht, ohne dabei illustrativ zu wirken. Kryptisches unterstreicht ein offenbartes Geheimnisvolles, das leisbestimmt zum Betrachter spricht: "Ich bin sehr sanft nenn / mich Kamille / ..." Und immer dominiert im kleinen Format die große Form. Wir können sie ruhig "Kamille" nennen: ".../ die Vögel baun Nester wir / stehn auf demselben Blatt."
Auch Teresa Kettner widmete sich mit ihren Arbeiten diesem Gedicht. Dabei fand sie eine ganz eigenwillige Form. Die auf neun miniaturartigen Hochformaten entstandenen Radierungen atmen die lyrische Sprache von Dichtung. In zwei Serien variierte Teresa Kettner spielerisch eine Ausgangssituation. ".../ zeigst mir das Land..." Dem Gedicht "Ach Nacht" widmete die Studentin ein größeres Blatt. Gesichter sind darauf zu sehen, vielleicht jene, die da bei Sarah Kirsch nachts aus der Dunkelheit in unsere Wohnungen starren? "Aus der Dunkelheit starrt / Ein Gesicht durch die / Scheiben. Bettelt / Eingelassen zu / Werden...". Mit einer besonders schönen, sensibel empfundenen Arbeit wartet Constanze Hilpert auf. Sparsam drängt sich auf ihr Blatt zartschüchtern das Pflänzchen "Kamille" mit vorsichtig hingeworfenen Linien in den Mittelgrund. Da steht es nun so da, scheinbar unsicher und doch bestimmt, dominiert es das Bild, zieht alle Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, spricht ihn an und sagt: "Ich bin sehr sanft nenn / mich Kamille/..."
Am kommenden Sonntag, dem 30. Juni 2002, findet die Preisvergabe um 10.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Limlingerode statt. Interessierte sind dazu herzlich eingeladen. Nach der feierlichen Verleihung des Kreativpreises wird in Bild und Ton im Rahmen der "Limlingeröder Diskurse" die Dichterin Ingeborg Bachmann vorgestellt: "Das Unsägliche geht, leise gesagt, übers Land."
Karin Kisker

