Mi, 07:09 Uhr
30.07.2008
nnz-Interview: Höhere Preise sind unumgänglich
Es wird noch 150 Jahre Öl geben, die Preise dafür werden trotzdem weiter steigen. Auch Kunden der Energieversorgung Nordhausen (EVN) müssen sich darauf einstellen. Im nnz-Interview betreibt EVN-Chef Hans-Peter Dörflinger eine nüchterne Bestandsaufnahme.
nnz: Herr Dörflinger, alle Preise in der Energiewirtschaft orientieren sich seit Jahrzehnten am Rohöl. Ist das heute noch gerechtfertigt?
Hans-Peter Dörflinger: Es klingt zwar irgendwie abgenutzt, aber Öl ist auch heutzutage die energetische Leitwährung. Die Preise aller Energieträger – bis zum Holz – orientieren sich an der Entwicklung des Rohölpreises.
nnz: Und in Zukunft?
Hans-Peter Dörflinger: Das wird so bleiben und das aktuell leichte Zurückgehen der Preise für Rohöl wird von temporärer Natur sein. Die aktuelle Ausgangsbasis wird die Spanne zwischen 130 und 150 Dollar für das Barrel Rohöl sein. Drunter geht es mittelfristig nicht mehr. Letztlich werden wir uns den Marktmechanismen nicht entziehen können: Die Nachfrage wird durch den Energiehunger der asiatischen Märkte weiter rapide ansteigen.
nnz: Wie sieht es mit dem Angebot aus? Ist in 40 Jahren der letzte Tropfen Öl gefördert?
Hans-Peter Dörflinger: Das sind meiner Meinung nach Horrorszenarien. Die spannende Frage lautet doch vielmehr: Wo gibt es noch was zu holen? Und da sehe ich in der Tat riesige Vorräte. Allein unter der Arktis werden 22 Billionen Barrel vermutet, da will ich noch nicht von der Antarktis sprechen. Diese Vorkommen werden gerade durch die Preisentwicklung wieder rentabel in ihrer Erschließung und Ausbeutung.
nnz: Angesichts dieser Entwicklung – wie wird die Preisgestaltung bei der EVN in den kommenden Monaten aussehen?
Hans-Peter Dörflinger: Bei Strom werden wir in diesem Jahr keine Veränderung vornehmen. Hier zahlt sich aus, daß wir im vergangenen Jahr gut eingekauft haben und von dem Preisschub dadurch verschont geblieben sind. Im kommenden Jahr allerdings werden auch wir nicht umhin kommen, die Stromtarife nach oben zu verändern.
nnz: Und beim Gas?
Hans-Peter Dörflinger: Das rechnen wir derzeit. Was ich leider schon heute sagen kann: Unsere Kunden müssen sich ab Oktober auf steigende Preise einstellen, vermutlich im unteren zweistelligen Prozentbereich. Natürlich handeln wir nach der Devise, so wenig wie möglich an der Preisschraube drehen zu müssen. Ich will darauf hinweisen, daß es die letzte Gaspreiserhöhung im Oktober 2006 gab, dazwischen liegen drei Senkungen der Gastarife.
nnz: Machen Ihnen nur die Einkaufspreise zu schaffen?
Hans-Peter Dörflinger: Bislang ist es uns gelungen, lediglich die Beschaffungskosten, zum Beispiel beim Strom, weiterzugeben. Die Steigerung der Kosten für Personal oder Material konnten wir durch unser internes Kostenmanagement abfangen. Das wird jedoch immer schwieriger, wenn nicht unmöglich. Allein bei Stahl oder Kupfer gab es in den zurückliegenden Monaten eine Kostenexplosion. So kaufen wir zum Beispiel günstig Kupferkontingente ein und geben die dann an die Kabelhersteller weiter. Ein anderes Beispiel: Durch neue, notwenige Managementsysteme innerhalb der Energiebranche sind in unserem Unternehmen die IT-Kosten, das heißt, die Anschaffung und der Betrieb von Hard- und Software, in den vergangenen vier Jahren um 300 Prozent angestiegen.
nnz: Bleibt die Fernwärme...
Hans-Peter Dörflinger: Die erzeugen wir zwar in hocheffizienten Kraftwerken, die allerdings mit Erdgas betrieben werden. So wird es nicht ausbleiben, daß auch hier der Preis im letzten Quartal dieses Jahres erhöht werden muß.
nnz: Auch wenn es paradox klingt - haben Sie Tipps zum Energiesparen?
Hans-Peter Dörflinger: Unsere Kunden können bei Vertragsabschlüssen zwischen langfristigen Bindungen und so genannten Kurzläufern wählen. Wir sind gerade dabei, entsprechende Produkte zu entwickeln. Hier sollten sie vor einer Entscheidung genau ihr Verbrauchsverhalten und ihren zu erwartenden Bedarf berechnen, zumindest schätzen.
Ich kann aber auch die Verwendung von Erdgas als Antriebsmedium für Autos empfehlen. Die EVN hat mittlerweile 75 Prozent ihres Fuhrparks umgestellt. Erdgas ist bis um zur Hälfte preiswerter als herkömmliche Kraftstoffe. Im Übrigen gilt: bewusst mit dem Energieverbrauch umgehen. Die größte Ersparnis hat man durch die Energie, die man erst gar nicht verbraucht. Wir beraten dazu übrigens gern in unseren beiden Kundenzentren und verleihen auch Energiekostenmessgeräte, kostenlos versteht sich.
nnz: Wie sieht die langfristige Preisentwicklung für Energie aus?
Hans-Peter Dörflinger: Die heutigen Preise werden, wenn auch kurzfristig Preisschwankungen nach unten auftreten können, doch auf hohem Niveau verharren oder weiter steigen. Für eine persönliche Planung sollte gelten: Die heutigen Preise müssen als Ausgangspunkt genommen werden. Jährlich sollte mit einer Steigerung von einem bis zwei Prozent kalkuliert werden.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch.
Autor: nnznnz: Herr Dörflinger, alle Preise in der Energiewirtschaft orientieren sich seit Jahrzehnten am Rohöl. Ist das heute noch gerechtfertigt?
Hans-Peter Dörflinger: Es klingt zwar irgendwie abgenutzt, aber Öl ist auch heutzutage die energetische Leitwährung. Die Preise aller Energieträger – bis zum Holz – orientieren sich an der Entwicklung des Rohölpreises.
nnz: Und in Zukunft?
Hans-Peter Dörflinger: Das wird so bleiben und das aktuell leichte Zurückgehen der Preise für Rohöl wird von temporärer Natur sein. Die aktuelle Ausgangsbasis wird die Spanne zwischen 130 und 150 Dollar für das Barrel Rohöl sein. Drunter geht es mittelfristig nicht mehr. Letztlich werden wir uns den Marktmechanismen nicht entziehen können: Die Nachfrage wird durch den Energiehunger der asiatischen Märkte weiter rapide ansteigen.
nnz: Wie sieht es mit dem Angebot aus? Ist in 40 Jahren der letzte Tropfen Öl gefördert?
Hans-Peter Dörflinger: Das sind meiner Meinung nach Horrorszenarien. Die spannende Frage lautet doch vielmehr: Wo gibt es noch was zu holen? Und da sehe ich in der Tat riesige Vorräte. Allein unter der Arktis werden 22 Billionen Barrel vermutet, da will ich noch nicht von der Antarktis sprechen. Diese Vorkommen werden gerade durch die Preisentwicklung wieder rentabel in ihrer Erschließung und Ausbeutung.
nnz: Angesichts dieser Entwicklung – wie wird die Preisgestaltung bei der EVN in den kommenden Monaten aussehen?
Hans-Peter Dörflinger: Bei Strom werden wir in diesem Jahr keine Veränderung vornehmen. Hier zahlt sich aus, daß wir im vergangenen Jahr gut eingekauft haben und von dem Preisschub dadurch verschont geblieben sind. Im kommenden Jahr allerdings werden auch wir nicht umhin kommen, die Stromtarife nach oben zu verändern.
nnz: Und beim Gas?
Hans-Peter Dörflinger: Das rechnen wir derzeit. Was ich leider schon heute sagen kann: Unsere Kunden müssen sich ab Oktober auf steigende Preise einstellen, vermutlich im unteren zweistelligen Prozentbereich. Natürlich handeln wir nach der Devise, so wenig wie möglich an der Preisschraube drehen zu müssen. Ich will darauf hinweisen, daß es die letzte Gaspreiserhöhung im Oktober 2006 gab, dazwischen liegen drei Senkungen der Gastarife.
nnz: Machen Ihnen nur die Einkaufspreise zu schaffen?
Hans-Peter Dörflinger: Bislang ist es uns gelungen, lediglich die Beschaffungskosten, zum Beispiel beim Strom, weiterzugeben. Die Steigerung der Kosten für Personal oder Material konnten wir durch unser internes Kostenmanagement abfangen. Das wird jedoch immer schwieriger, wenn nicht unmöglich. Allein bei Stahl oder Kupfer gab es in den zurückliegenden Monaten eine Kostenexplosion. So kaufen wir zum Beispiel günstig Kupferkontingente ein und geben die dann an die Kabelhersteller weiter. Ein anderes Beispiel: Durch neue, notwenige Managementsysteme innerhalb der Energiebranche sind in unserem Unternehmen die IT-Kosten, das heißt, die Anschaffung und der Betrieb von Hard- und Software, in den vergangenen vier Jahren um 300 Prozent angestiegen.
nnz: Bleibt die Fernwärme...
Hans-Peter Dörflinger: Die erzeugen wir zwar in hocheffizienten Kraftwerken, die allerdings mit Erdgas betrieben werden. So wird es nicht ausbleiben, daß auch hier der Preis im letzten Quartal dieses Jahres erhöht werden muß.
nnz: Auch wenn es paradox klingt - haben Sie Tipps zum Energiesparen?
Hans-Peter Dörflinger: Unsere Kunden können bei Vertragsabschlüssen zwischen langfristigen Bindungen und so genannten Kurzläufern wählen. Wir sind gerade dabei, entsprechende Produkte zu entwickeln. Hier sollten sie vor einer Entscheidung genau ihr Verbrauchsverhalten und ihren zu erwartenden Bedarf berechnen, zumindest schätzen.
Ich kann aber auch die Verwendung von Erdgas als Antriebsmedium für Autos empfehlen. Die EVN hat mittlerweile 75 Prozent ihres Fuhrparks umgestellt. Erdgas ist bis um zur Hälfte preiswerter als herkömmliche Kraftstoffe. Im Übrigen gilt: bewusst mit dem Energieverbrauch umgehen. Die größte Ersparnis hat man durch die Energie, die man erst gar nicht verbraucht. Wir beraten dazu übrigens gern in unseren beiden Kundenzentren und verleihen auch Energiekostenmessgeräte, kostenlos versteht sich.
nnz: Wie sieht die langfristige Preisentwicklung für Energie aus?
Hans-Peter Dörflinger: Die heutigen Preise werden, wenn auch kurzfristig Preisschwankungen nach unten auftreten können, doch auf hohem Niveau verharren oder weiter steigen. Für eine persönliche Planung sollte gelten: Die heutigen Preise müssen als Ausgangspunkt genommen werden. Jährlich sollte mit einer Steigerung von einem bis zwei Prozent kalkuliert werden.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch.


