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Di, 16:47 Uhr
20.05.2008

Nordhäuser Strategien

Wissen Sie, liebe nnz-Leser, was ISEK bedeutet? Sollten Sie gestern nicht zu den 20 Zuhörern im Audimax der Fachhochschule gehört haben, dann machen wir Sie schlauer...


Familienfreundlichkeit, Wirtschaftsstandort, regionale Ausstrahlung und Nachhaltigkeit sind die strategischen Schwerpunkte für Nordhausens Entwicklung bis zum Jahr 2020. Dies steht im Entwurf des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK), das die Leitlinien der Stadtentwicklung bis zum Jahr 2020 festschreibt.

In einem weiteren „Nordhäuser Stadtgespräch“ gestern Abend in der Nordhäuser Fachhochschule stellten Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan (CDU), Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) und Hermann Sträb vom Büro „Gras“ – es erstellt das Konzept unter Federführung der Stadtverwaltung – ein weiteres Mal zur öffentlichen Diskussion. Im Juni soll der Konzept-Entwurf den Stadträten in 1. Lesung vorgelegt werden.

„Die strategischen Überlegungen zu Entwicklungen der Stadt, die in Vergangenheit und Gegenwart angestellt worden sind, waren gut und zielführend, so dass es im Prinzip mit der Fortschreibung nur wenig Korrekturbedarf gibt“, sagte Sträb am Ende seiner Erläuterungen.

Zum Schwerpunkt Familienfreundlichkeit sagte Sträb, dass nicht nur mit Blick auf den anstehenden Fachkräftemangel die Attraktivität der Stadt nicht nur für junge Familien ausschlaggebend sein könnte. Familienfreundlichkeit bedeute auch, Nordhausen attraktiv zu halten für alle Generationen, so dass auch ältere Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen könnten.

Zum Thema „Wirtschaftsstandort“ sagte Sträb: „Ohne Arbeit haben nur wenige einen Grund, von auswärts nach Nordhausen zu ziehen. Deshalb braucht die Stadt ein breites Spektrum unterschiedlicher Arbeitsplatzangebote für jede Qualifikation in möglichst vielen Sektoren.“ Darüber hinaus müsse natürlich für ansiedlungswillige Investoren ausreichend Fläche und Infrastruktur bereitstehen. In diesem Zusammenhang seien auch die so genannten „weichen“ Standortfaktoren wichtig: „Wenn jemand in Nordhausen arbeitet bzw. investieren möchte, müssen auch die Bildungs-, kulturellen- und Freizeitangebote stimmen, um diese Menschen hier dauerhaft zu binden.“

Da Nordhausen zwar nicht dramatisch aber doch bis zum Jahr 2020 rund 2700 Einwohner verlieren werde, „ist für die Kompensation dieses Bevölkerungsrückgangs die Ausstrahlung in die Region umso wichtiger – um vor Ort nach wie vor attraktive Angebote, die natürlich re-finanziert werden müssen, unterbreiten zu können. Diese regionale Ausstrahlung beginnt bei Stadtfesten und Kulturveranstaltungen, geht weiter über Einkaufsmöglichkeiten und natürlich gehört dazu hier auch die touristische Attraktivität“, sagte der Stadtplaner.

Die Nachhaltigkeit sei quasi eine „Pflichtaufgabe“: „Dies bedeutet ganz simpel eines: Vor jeder Maßnahme muss man fragen: Wird deren Ergebnis in 15 oder 20 Jahren noch gebraucht?“, sagte Sträb.

Sträb verwies darauf, dass der Bevölkerungsrückgang im Landkreis dramatischer ausfallen werde als in der Stadt: „Gibt es in der Stadt einen Rückgang um lediglich 6 Prozent bis 2020, wird der Rückgang im Landkreis mit mehr als 12 Prozent doppelt so hoch ausfallen. Positiv sei auch für die Stadt, dass der Anteil der jungen Menschen – ebenfalls im Unterschied zum Landkreis - an der Bevölkerung nicht dramatisch kleiner werde. Demgegenüber werde jedoch der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung in Stadt und Landkreis merklich zunehmen.

„Der Rückgang der Bevölkerung hat den positiven Effekt, dass die bisherige Strategie, Stadtentwicklung nicht auf Kosten des Flächenverbrauchs zu betreiben, fortgesetzt werden kann. Jetzt kommt es weiterhin darauf an, den Bestand aufzuwerten, Lücken zu schließen und Brachflächen zu entwickeln, sowie die Stadt insgesamt kompakt zu halten“, so Sträb.

In den Einfamilienhausgebieten in Nordhausen-Nord sowie im Stadtteil Ost gebe es Potenziale für einen Einwohnerzuwachs. Aufgrund der bevorzugten Lage würden sowohl Nordhausen-Ost als auch Nord attraktive Wohnstandorte sein und sich quasi von allein entwickeln. In die Altstadt wolle man die Nachfrage wieder bewusst wecken – unter anderem über attraktive Fördermöglichkeiten für den Wohneigentumsbildung, die Sanierung und auch den Neubau.

Da aber die Bevölkerungszahl insgesamt abnehmen werde, gebe es mit dem Plattenbaugebiet in Nordhausen-Salza einen Bereich, wo man den Bevölkerungsrückgang „hinsteuern“ könne: „Denn Salza ist eines der am dichtesten bebauten Wohngebiete – und hier ist der Altersdurchschnitt besonders hoch. Das heißt: Hier könnte die Zahl der Wohnungen reduziert und damit dort zugleich ein Gewinn an Wohnqualität durch die Auflockerung erreicht werden.“
Autor: nnz

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