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Do, 13:58 Uhr
10.04.2008

Gedenken und Mahnung

„Es sind so viele Bücher geschrieben worden über das, was wir hier in Dora durchleben mußten. Und doch gibt es an Tagen wie diesen immer etwas zu sagen“. Mit diesen Worten begann der ehemalige KZ-Häftling Oto Konstein seine Rede in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Die nnz war bei diesen bewegenden Momenten für Sie dabei...

Gedenken (Foto: nnz) Gedenken (Foto: nnz)
Oto Konstein (links) mahnte das Vermächtnis der Opfer an

Der 1929 geborene Oto Konstein ist Überlebender mehrerer nationalsozialistischer Lager. Als 15-Jähriger wurde er zusammen mit Mutter und jüngerer Schwester nach Auschwitz deportiert. Er entging dort – anders als seine Angehörigen – dem Tod in den Gaskammern: dank des Hinweises eines Mitgefangenen, sich bei der Selektion als älter auszugeben, wurde er in Außenlagern zur Zwangsarbeit herangezogen. Im Zuge der Räumung des Lagerkomplexes Auschwitz gelangte Konstein im Januar 1945 in das KZ Mittelbau. Hier wurde er zur Arbeit in der Untertagefabrik eingesetzt, jedoch Anfang April erneut „evakuiert“ und schließlich von britischen Truppen im Lager Bergen-Belsen befreit. Auf Umwegen kehrte er als einziger Überlebender seiner Familie nach Kroatien zurück.

Oto Kohnstein konnte seine Tränen kaum unterdrücken, als er den zahlreichen Gästen der Gedenkveranstaltung vom Schicksal seiner Familie berichtete. Und doch sind Menschen wie Oto Konstein wichtig. Sie sind die Zeitzeugen, sie mußten die „kalte Hölle Dora“ durchleben. Sie mußten Raketen bauen, die auf ihre Landsleute abgefeuert wurden, sie sahen tausendfach den Tod, das Leid, das Elend und sie spürten ihn jeden Tag: den unsäglichen Hunger. „Man träumt das Essen“, so der fast 80jährige Mann aus Zagreb.

Auch Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner erinnerte an die Geschehnisse vor 63 Jahren, als die US-Armee sowohl die Boelcke-Kaserne als auch das KZ am Rande der Stadt befreite.

Wer heute genau hinsah und hinhörte, der konnte – selbst in dieser Stunde der Trauer – Hoffnung hören. Viele junge Menschen waren auf den Platz vor dem ehemaligen Krematorium gekommen. Sie sprachen mit den alten Frauen und Männern, sie hörten zu, sie nickten, manche fassungslos. Kann all das, was sie hörten und was sie anschließend in einer Bilderausstellung noch sehen sollten, sich erst vor 63 Jahren, hier in Deutschland zugetragen haben?

Die Antwort, die sie heute erfuhren war eindeutig: Ja – es hatte sich zugetragen. Die Überlebenden von damals und die heutigen Generationen müssen alles dafür tun, damit sich dieser Teil der deutschen Geschichte nicht wiederholt, das ist die Botschaft eines solchen Tages. Es ist immer ein bedrückender Tag, dieser 10. April, in dieser Stadt, an diesem Ort. Der Druck wird mitunter so stark, daß die Worte steckenbleiben. Erst auf dem Weg nach unten, wird wieder geredet.

Es ist gut, daß es solche Orte wie diese Gedenkstätte gibt. Und es ist schwer vorstellbar, daß die einst Überlebenden nicht mehr hierher zurückkehren können. Es werden immer weniger, auch im vergangenen Jahr starben viele Frauen und Männer, die sich um die Aufarbeitung und des Gedenkens an die Opfer verdient gemacht haben. Irgendwann einmal – in einigen Jahren – wird es an den jungen Generationen sein, dafür zu sorgen, daß sich Menschen erinnern und daraus die Kraft schöpfen, jeglichen Anfängen von Diktatur zu wehren.

Und: Es ist gut, daß in Momenten wie diesen heute geweint wird. Wie anders ist dieser einstige Schrecken zu bewältigen? Ich kann es mir nicht vorstellen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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