Mi, 09:46 Uhr
15.05.2002
nnz-Betrachtung: Regionalliga!
Nordhausen (nnz). Bei Wacker Nordhausen arbeitet gegenwärtig eine Findungskommission. Sie soll Mitmacher, in erster Linie aber einen neuen Präsidenten finden. Und sie soll einen Weg aus der sportlichen Erfolglosigkeit suchen. Dazu folgende nnz-Betrachtung.
Das Drama um den einstigen Vorzeigeklub ist nicht nur den Sport- und Fußballfreunden bekannt. Parallel zur wirtschaftlichen Konsolidierung erfolgte der sportliche Niedergang. Wacker wird in der kommenden Saison in der Landesklasse spielen - gemeinsam mit Salza und Auleben. Nun könnte die Region damit äußerst zufrieden sein, gleich drei Klubs in dieser Spielklasse zu haben. Der Region ist das momentan wahrscheinlich relativ schnuppe! Wer aber ist diese vielzitierte Region denn überhaupt?
Es sind in erster Linie die Menschen, es sind aber auch Verwaltungen, Institutionen, Unternehmen, Vereine und Verbände. Die haben in ihrer Gesamtheit nicht viel am Hut mit dem Fußball. Viele kochen lieber in kleinkarierter Vereinsverliebtheit ihr eigenes Süppchen. Lieber den Ton in der Kreisliga oder Kreisklasse angeben, als gemeinsam mit anderen nach Höherem streben. Vielleicht müsste man sich ja ein- oder unterordnen? Bei aller Voreingenommenheit: In Wackers Regionalligazeiten profitierte auch der restliche Fußballsport von dieser dritthöchsten Spielklasse, mal direkt, mal indirekt.
Wie nnz aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, gibt es trotzdem noch einige Fußball-Verrückte, die sich ein Ziel gestellt haben. Das lautet mittelfristig: Regionalliga. Ob das mit einem Verein Wacker erreicht werden kann, ist eigentlich vollkommen pille-palle. Der Kern der Idee basiert auf Kooperation, auf Zusammenarbeit. So soll sich der Südharz als fußballerische Größe darstellen, Ländergrenzen dürfen dabei keine Rollen spielen. Gerade mit diesen Argumenten waren und sind einige Menschen unterwegs. Sie treiben sich in den großen Stadien dieser Republik herum, sie sprechen mit Sportlern, mit Politikern, mit Fußballmanagern. Einige der letzt genannten Spezies können sich noch sehr genau an Nordhausen erinnern. Ihre Klubs waren hier zu Gast, mal im DFB-Pokal, mal zum Freundschaftsspiel. Sie alle lobten damals die Atmosphäre im Albert-Kuntz-Sportpark. Ich kann mich noch genau an ein Radio-Interview mit dem jetzigen Super-Star Michael Ballack erinnern: Der haute - damals noch im Chemnitzer Trikot - in Nordhausen an den Ball (Für die Statistiker: Chemnitz verlor 0:1). Jedenfalls brachte es Ballack auf den Punkt. Lieber verliere ich vor dieser herrlichen Kulisse, als ich bei Zehlendorf vor 150 Zuschauern Punkte hole!
Aber zurück zum länderübergreifenden Projekt: Da müssen nicht nur die lokalen Scheuklappen abgelegt werden, da müssen auch die Politiker ins Boot. Mit vernünftigen Machern lassen sich da vielleicht sogar Oberbürger(innen) vor den Karren spannen. Das aber wird nicht reichen. Landes- und sogar Bundespolitiker müssen gefragt werden. Ins Visier der Macher ist zum Beispiel Bundesinnenminister Otto Schily gerückt. Wäre nicht schlecht, doch was, wenn es im September eine schwarz-gelbe Bundesregierung gibt?
Neben der Politprominenz muß auch die Fußball-Elite an Bord kommen. Ein Name fiel bereits: Marko Bode. Der kommt aus der Südharz-Region, hat seine Fußballschuhe in Bremen ausgezogen, gilt als bodenständig und heimatverbunden. Ein Typ wie Bode wäre zugleich das Zugpferd für eine Vermarktung der Ideen und Ziele. Und da sind die Medien gefragt. Ihnen muß die Idee verkauft werden, sie müssen das Anliegen weitertragen und damit für andere interessant machen. Die Anderen sind Unternehmen, die sich nicht nur dem Sport hingezogen fühlen, sondern die den Sport nüchtern als geschäftlichen Fakt betrachten und mit dem Geschehen auf dem Rasen indirekt oder direkt Geld verdienen wollen. Sport im Südharz als Wirtschaftsfaktor.
Es gibt sie, die Unermüdlichen, die hinter den Kulissen arbeiten. Sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, sie sind vielleicht ein wenig verrückt. Aber wer ist das in der heutigen Zeit nicht!
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzDas Drama um den einstigen Vorzeigeklub ist nicht nur den Sport- und Fußballfreunden bekannt. Parallel zur wirtschaftlichen Konsolidierung erfolgte der sportliche Niedergang. Wacker wird in der kommenden Saison in der Landesklasse spielen - gemeinsam mit Salza und Auleben. Nun könnte die Region damit äußerst zufrieden sein, gleich drei Klubs in dieser Spielklasse zu haben. Der Region ist das momentan wahrscheinlich relativ schnuppe! Wer aber ist diese vielzitierte Region denn überhaupt?
Es sind in erster Linie die Menschen, es sind aber auch Verwaltungen, Institutionen, Unternehmen, Vereine und Verbände. Die haben in ihrer Gesamtheit nicht viel am Hut mit dem Fußball. Viele kochen lieber in kleinkarierter Vereinsverliebtheit ihr eigenes Süppchen. Lieber den Ton in der Kreisliga oder Kreisklasse angeben, als gemeinsam mit anderen nach Höherem streben. Vielleicht müsste man sich ja ein- oder unterordnen? Bei aller Voreingenommenheit: In Wackers Regionalligazeiten profitierte auch der restliche Fußballsport von dieser dritthöchsten Spielklasse, mal direkt, mal indirekt.
Wie nnz aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, gibt es trotzdem noch einige Fußball-Verrückte, die sich ein Ziel gestellt haben. Das lautet mittelfristig: Regionalliga. Ob das mit einem Verein Wacker erreicht werden kann, ist eigentlich vollkommen pille-palle. Der Kern der Idee basiert auf Kooperation, auf Zusammenarbeit. So soll sich der Südharz als fußballerische Größe darstellen, Ländergrenzen dürfen dabei keine Rollen spielen. Gerade mit diesen Argumenten waren und sind einige Menschen unterwegs. Sie treiben sich in den großen Stadien dieser Republik herum, sie sprechen mit Sportlern, mit Politikern, mit Fußballmanagern. Einige der letzt genannten Spezies können sich noch sehr genau an Nordhausen erinnern. Ihre Klubs waren hier zu Gast, mal im DFB-Pokal, mal zum Freundschaftsspiel. Sie alle lobten damals die Atmosphäre im Albert-Kuntz-Sportpark. Ich kann mich noch genau an ein Radio-Interview mit dem jetzigen Super-Star Michael Ballack erinnern: Der haute - damals noch im Chemnitzer Trikot - in Nordhausen an den Ball (Für die Statistiker: Chemnitz verlor 0:1). Jedenfalls brachte es Ballack auf den Punkt. Lieber verliere ich vor dieser herrlichen Kulisse, als ich bei Zehlendorf vor 150 Zuschauern Punkte hole!
Aber zurück zum länderübergreifenden Projekt: Da müssen nicht nur die lokalen Scheuklappen abgelegt werden, da müssen auch die Politiker ins Boot. Mit vernünftigen Machern lassen sich da vielleicht sogar Oberbürger(innen) vor den Karren spannen. Das aber wird nicht reichen. Landes- und sogar Bundespolitiker müssen gefragt werden. Ins Visier der Macher ist zum Beispiel Bundesinnenminister Otto Schily gerückt. Wäre nicht schlecht, doch was, wenn es im September eine schwarz-gelbe Bundesregierung gibt?
Neben der Politprominenz muß auch die Fußball-Elite an Bord kommen. Ein Name fiel bereits: Marko Bode. Der kommt aus der Südharz-Region, hat seine Fußballschuhe in Bremen ausgezogen, gilt als bodenständig und heimatverbunden. Ein Typ wie Bode wäre zugleich das Zugpferd für eine Vermarktung der Ideen und Ziele. Und da sind die Medien gefragt. Ihnen muß die Idee verkauft werden, sie müssen das Anliegen weitertragen und damit für andere interessant machen. Die Anderen sind Unternehmen, die sich nicht nur dem Sport hingezogen fühlen, sondern die den Sport nüchtern als geschäftlichen Fakt betrachten und mit dem Geschehen auf dem Rasen indirekt oder direkt Geld verdienen wollen. Sport im Südharz als Wirtschaftsfaktor.
Es gibt sie, die Unermüdlichen, die hinter den Kulissen arbeiten. Sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, sie sind vielleicht ein wenig verrückt. Aber wer ist das in der heutigen Zeit nicht!
Peter-Stefan Greiner


