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Di, 07:14 Uhr
29.01.2008

Nachgefragt: Was machen die Werksbesetzer?

Es ist 95 Tage her, da verließ das letzte Strike Bike in Nordhausen das Band. Die Bänder wurden an diesem 26. Oktober abgestellt. Für immer. Was ist aus den Mitarbeitern von Bike Systems geworden? Die nnz ist ihnen auf die Spur gekommen.


Die Spur führt in das Business and Innovation Center bei Nordhausen, kurz EC-BIC, genannt. Hier befindet sich der Großteil der ehemaligen Bike-Systems-Mannschaft in der so genannten Transfermaßnahme. Acht Monate lang sollen die damals knapp 130 Frauen und Männer für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Waren sie ja eigentlich, doch eine Heuschrecke entzog ihnen diesen Markt in der Freiherr-vom-Stein-Straße. Nun gilt es für jeden, eine Neuorientierung zu schaffen. Hilfe, Unterstützung und Anleitung sollen sie in genau dieser Transfermaßnahme erhalten.

Der alte Spruch „Aller Anfang ist schwer“ fand auch bei den Frauen und Männern seine Anwendung. Ute Pauly empfand wie viele andere Kollegen die ersten beiden Monate ziemlich schlimm, mehr noch – diese Zeit war von Enttäuschung geprägt. Dann habe man diese Probleme angesprochen, Verbesserung trat ein. Maßnahme-Chefin Anke Mahlau sicherte vor allem differenzierte Angebote zu. So sind derzeit einige Teilnehmer damit beschäftigt, einen Stapler-Lehrgang zu absolvieren, auch CNC-Lehrgänge gibt es.

Gegenüber nnz sprach Ute Pauly davon, dass die Umstellung vor allem für ältere Kollegen, die 20 oder 30 Jahre am Montageband standen, sehr schwierig gewesen sei. Die neue Situation habe mental verarbeitet werden müssen, viele hätten ihre Arbeitsvergangenheit nicht so einfach abschütteln können.

Jetzt macht sich verhaltener Optimismus breit. Rund zehn Frauen und Männer absolvieren aktuell einen Lehrgang beim Rotorenbauer Sinoi in Niedersachswerfen, einige haben bereits einen neuen Job gefunden. Mit der Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahme hatten Anfang November 2007 rund 125 ehemalige Bike-Systemer begonnen, jetzt sind es nach nnz-Informationen noch 100 Leute.

Es gibt aber auch Hoffnung anderer Art. Vielleicht, so bestätigt Frau Pauly, Informationen der nnz, könnte in diesem Jahr eine neue Firma geboren werden. Vielleicht eine Art Fahrrad-Manufaktur, die stylische Fahrräder im höherpreisigen Segment herstellt. Grund für diese Intentionen sind mehrere Anfragen von deutschen Fahrradhändlern, die das vorhandene Arbeitskraft-Know-How berücksichtigen. Vielleicht auch deshalb absolvieren einige Kollegen zusätzlich zur normalen Weiterbildung Kurse in den Bereichen Einkauf und Vertrieb. Ute Pauly gehört dazu. Sie schweigt sich jedoch aus, wenn es konkrete Nachfragen gibt.

Am Donnerstag soll das wirklich allerletzte Strike-Bike seinen Platz im Nordhäuser Technik-Museum finden. Damit wird nicht nur eine Facette Nordhäuser Industrie dokumentiert, damit wird auch der außergewöhnliche Arbeitskampf der Belegschaft gewürdigt. Der eigens für die Produktion der knallroten Fahrräder gegründete Verein lebt noch, Ute Pauly weiß nichts von einem Austritt Ehemaliger. Das stärkt, die 109 Tage Ausstand dienen immer noch als kollektiver Kitt.

Ein weiteres Strike-Bike wartet indes auf einem besonderen Verkauf. Es ist mit den Unterschriften aller 135 Mitarbeiter verziert. Es soll in den kommenden Wochen bei ebay versteigert werden.
Autor: nnz

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