Fr, 14:29 Uhr
19.04.2002
Wacker 90 ohne gewähltes Präsidium
Nordhausen (nnz). Im Hotel am Stadtpark fand gestern Abend die mit Spannung erwartete die Hauptversammlung des FSV Wacker 90 Nordhausen statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Wahl des neuen Präsidiums, nachdem der alte Vorstand bereits im Vorfeld signalisiert hatte, für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg fasst die Ergebnisse dieser vierstündigen Sitzung zusammen. Hier sein Bericht.
Die wahren Freunde erkennt man in der Not. Nach dieser alten Weisheit zu urteilen, scheint es diesbezüglich ziemlich arm um den Traditionsverein Wacker 90 Nordhausen bestellt zu sein. Ein Häuflein von 40 wahlberechtigten Wacker-Mitgliedern hatte sich zusammengefunden und harrte der Dinge, die auf sie zukommen sollten.
"Man muss die Vergangenheit erforschen, um die Zukunft meistern zu können", mit diesen Worten eröffnete Präsident Wolfgang Lutze die Hauptversammlung. Er zeigte auf, in welch schwieriger Situation er den Vorsitz des Vereins übernommen hatte und brachte nochmals die Fehler der zurückliegenden Jahre in Erinnerung, die letztlich zum wirtschaftlichen und sportlichen Niedergang führten. Es sei damals ein Fehler gewesen, die 2. Mannschaft ihres Aufstiegs in die Landesklasse zu "berauben", schließlich wären aus ihren Reihen talentierte Spieler für die 1. Mannschaft hervorgegangen. "Man hat zugesehen, wie Spieler reihenweise Wacker verließen, wie die gesamte A-Juniorenelf abwanderte und wie verdienstvolle ehrenamtlich tätige Übungsleiter und Betreuer sich anderen Vereinen in der Region anschlossen. Sein Vorgänger habe damals die Insolvenz beantragt, aber die Wacker-Marketing GmbH am Leben gelassen. Das sei einer der größten Fehler gewesen", so der Präsident.
Aber auch unter seiner Regie wäre nicht alles gelungen, was sich das Präsidium vorgenommen hatte. So stände faktisch der Hauptausschuss nur auf dem Papier, von einer kontinuierlichen Arbeit könne keine Rede sein. Es sei nicht gelungen, die Schiedsrichtertätigkeit zu aktivieren und die Öffentlichkeitsarbeit verbesserungswürdig. So gab es in den vergangenen Wochen keine Stadionansage mehr, auch die Anzahl der Ordner sei zurückgegangen. Auch sei es nicht gelungen, alte Wackeraner zur Mitarbeit im Verein zu sensibilisieren.
"Aber es kann trotz mancher Schwachpunkte nach zwanzig monatiger Tätigkeit eingeschätzt werden, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit der heutigen Hauptversammlung kann die Insolvenz als abgeschlossen betrachtet werden. Wir sind dabei, uns wieder aufzurichten", so Lutze. Er dankte den Hauptsponsoren wie die Kreissparkasse Nordhausen, Nordbrand und den Stadtwerke Nordhausen sowie den vielen kleineren Unternehmen, die Wacker trotz Abstieg weiterhin unterstützen und hob die zuletzt guten Leistungen der 1. Mannschaft und im Jugendbereich hervor - ein Verdienst vor allem von Jörg Weißhaupt und Dirk Fuhrmann. Positives Echo bei den Mitgliedern fanden die Mitteilungen des Präsidenten, dass der Antrag gestellt wurde, nach Nordhausen einen Nachwuchsstützpunkt zu vergeben, und dass der Verein die Gemeinnützigkeit behält.
Im Anschluss an den Rechenschaftsbericht kam es beim Antrag auf Neufestsetzung der Beitraghöhen für Mitglieder und fördernde Mitglieder zu ersten kontroversen Diskussionen. Die vom Präsidium eingebrachten Vorschläge waren nicht mehrheitsfähig, so dass in letzter Konsequenz die bisherige Beitragsordnung beibehalten werden musste. Einstimmig wurde anschließend der alte Vorstand entlastet. Wolfgang Lutze, Landrat Joachim Claus, Klaus Becker und auch Peter Kell erklärten nochmals, für den neuen Vorstand nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Die Neuwahl gestaltete sich zeit- und nervenaufreibend. Außer Gino Galeano, Inhaber einer Pizzeria in der Hauptstraße, und Günter Beck erklärte sich in der stark emotional und kontrovers geführten Debatte kein weiteres Mitglied bereit, im Präsidium mitzuarbeiten. Eine Entscheidung musste aber fallen, da der Verein nach der Entlastung des alten Vorstandes keinen vertretungsberechtigten Vorstand mehr besaß und nicht mehr handlungsfähig war. So blieb Versammlungsleiter Joachim Claus nichts weiter übrig, als den Mitgliedern vorzuschlagen, beim Amtsgericht Nordhausen einen Antrag auf Bestellung eines Notvorstandes zu stellen.
Wolfgang Lutze erklärte sich nach zähem Ringen schließlich bereit, als Notvorstand die Geschäfte bis 28. Juni 2002 weiterzuführen. Allerdings bedarf dies der Zustimmung des Amtsgerichts Nordhausen. Zur Bedingung machte er allerdings, dass ihn eine Findungskommission auf der Suche nach geeigneten Präsidiumsmitgliedern aktiv unterstützt. Zur Mitarbeit in dieser Kommission erklärten sich Joachim Claus, Klaus Becker, Peter Kell, Horst Schulze und der Mannschaftskapitän der 1. Mannschaft, Jens Ludwig, bereit.
Sollte es jedoch nicht gelingen, ein handlungsfähiges Präsidium zusammenzubringen, droht dem Verein im schlimmsten Fall das Aus. Der Verein braucht eine breite Basis und die Akzeptanz der ganzen Region. Dieses zu schaffen, ist jetzt die vordringlichste Aufgabe aller Mitglieder, so Joachim Claus in seinem Schlusswort.
Autor: rhDie wahren Freunde erkennt man in der Not. Nach dieser alten Weisheit zu urteilen, scheint es diesbezüglich ziemlich arm um den Traditionsverein Wacker 90 Nordhausen bestellt zu sein. Ein Häuflein von 40 wahlberechtigten Wacker-Mitgliedern hatte sich zusammengefunden und harrte der Dinge, die auf sie zukommen sollten.
"Man muss die Vergangenheit erforschen, um die Zukunft meistern zu können", mit diesen Worten eröffnete Präsident Wolfgang Lutze die Hauptversammlung. Er zeigte auf, in welch schwieriger Situation er den Vorsitz des Vereins übernommen hatte und brachte nochmals die Fehler der zurückliegenden Jahre in Erinnerung, die letztlich zum wirtschaftlichen und sportlichen Niedergang führten. Es sei damals ein Fehler gewesen, die 2. Mannschaft ihres Aufstiegs in die Landesklasse zu "berauben", schließlich wären aus ihren Reihen talentierte Spieler für die 1. Mannschaft hervorgegangen. "Man hat zugesehen, wie Spieler reihenweise Wacker verließen, wie die gesamte A-Juniorenelf abwanderte und wie verdienstvolle ehrenamtlich tätige Übungsleiter und Betreuer sich anderen Vereinen in der Region anschlossen. Sein Vorgänger habe damals die Insolvenz beantragt, aber die Wacker-Marketing GmbH am Leben gelassen. Das sei einer der größten Fehler gewesen", so der Präsident.
Aber auch unter seiner Regie wäre nicht alles gelungen, was sich das Präsidium vorgenommen hatte. So stände faktisch der Hauptausschuss nur auf dem Papier, von einer kontinuierlichen Arbeit könne keine Rede sein. Es sei nicht gelungen, die Schiedsrichtertätigkeit zu aktivieren und die Öffentlichkeitsarbeit verbesserungswürdig. So gab es in den vergangenen Wochen keine Stadionansage mehr, auch die Anzahl der Ordner sei zurückgegangen. Auch sei es nicht gelungen, alte Wackeraner zur Mitarbeit im Verein zu sensibilisieren.
"Aber es kann trotz mancher Schwachpunkte nach zwanzig monatiger Tätigkeit eingeschätzt werden, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit der heutigen Hauptversammlung kann die Insolvenz als abgeschlossen betrachtet werden. Wir sind dabei, uns wieder aufzurichten", so Lutze. Er dankte den Hauptsponsoren wie die Kreissparkasse Nordhausen, Nordbrand und den Stadtwerke Nordhausen sowie den vielen kleineren Unternehmen, die Wacker trotz Abstieg weiterhin unterstützen und hob die zuletzt guten Leistungen der 1. Mannschaft und im Jugendbereich hervor - ein Verdienst vor allem von Jörg Weißhaupt und Dirk Fuhrmann. Positives Echo bei den Mitgliedern fanden die Mitteilungen des Präsidenten, dass der Antrag gestellt wurde, nach Nordhausen einen Nachwuchsstützpunkt zu vergeben, und dass der Verein die Gemeinnützigkeit behält.
Im Anschluss an den Rechenschaftsbericht kam es beim Antrag auf Neufestsetzung der Beitraghöhen für Mitglieder und fördernde Mitglieder zu ersten kontroversen Diskussionen. Die vom Präsidium eingebrachten Vorschläge waren nicht mehrheitsfähig, so dass in letzter Konsequenz die bisherige Beitragsordnung beibehalten werden musste. Einstimmig wurde anschließend der alte Vorstand entlastet. Wolfgang Lutze, Landrat Joachim Claus, Klaus Becker und auch Peter Kell erklärten nochmals, für den neuen Vorstand nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Die Neuwahl gestaltete sich zeit- und nervenaufreibend. Außer Gino Galeano, Inhaber einer Pizzeria in der Hauptstraße, und Günter Beck erklärte sich in der stark emotional und kontrovers geführten Debatte kein weiteres Mitglied bereit, im Präsidium mitzuarbeiten. Eine Entscheidung musste aber fallen, da der Verein nach der Entlastung des alten Vorstandes keinen vertretungsberechtigten Vorstand mehr besaß und nicht mehr handlungsfähig war. So blieb Versammlungsleiter Joachim Claus nichts weiter übrig, als den Mitgliedern vorzuschlagen, beim Amtsgericht Nordhausen einen Antrag auf Bestellung eines Notvorstandes zu stellen.
Wolfgang Lutze erklärte sich nach zähem Ringen schließlich bereit, als Notvorstand die Geschäfte bis 28. Juni 2002 weiterzuführen. Allerdings bedarf dies der Zustimmung des Amtsgerichts Nordhausen. Zur Bedingung machte er allerdings, dass ihn eine Findungskommission auf der Suche nach geeigneten Präsidiumsmitgliedern aktiv unterstützt. Zur Mitarbeit in dieser Kommission erklärten sich Joachim Claus, Klaus Becker, Peter Kell, Horst Schulze und der Mannschaftskapitän der 1. Mannschaft, Jens Ludwig, bereit.
Sollte es jedoch nicht gelingen, ein handlungsfähiges Präsidium zusammenzubringen, droht dem Verein im schlimmsten Fall das Aus. Der Verein braucht eine breite Basis und die Akzeptanz der ganzen Region. Dieses zu schaffen, ist jetzt die vordringlichste Aufgabe aller Mitglieder, so Joachim Claus in seinem Schlusswort.

