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Mi, 12:32 Uhr
17.04.2002

Die Analyse im Überblick

Die IHK Erfurt hat zu Jahresbeginn 2002 eine repräsentative Auswahl von Mitgliedsunternehmen (1.055) zu deren Einschätzungen zur Standortattraktivität der Region und zu den dringlichsten Maßnahmen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen befragt. Die Ergebnisse sind in eine Vergleichsstudie des DIHK eingeflossen, die heute zeitgleich deutschlandweit der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Dieser DIHK-Auswertung liegen insgesamt mehr als 20.000 Unternehmensantworten aus 69 IHK-Bezirken zugrunde. Für die an der Umfrage beteiligten IHK-Bezirke wird ein Ranking der regionalen Standortbedingungen vorgestellt. Dabei werden ausschließlich subjektive Einschätzungen der befragten Unternehmen präsentiert. Es geht nicht um objektive Messdaten. Aber auch subjektive Einschätzungen sind für die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger im Standortwettbewerb sehr wichtig - zumal dann, wenn sie von Unternehmen stammen, die letztlich die Entscheidungen über ihren Standort immer wieder neu treffen. Die IHK-Organisation beabsichtigt mit der Präsentation der Ergebnisse, mehr Transparenz in den Wettbewerb zu bringen, der von den Standortentscheidungen der Unternehmen ausgeht. Die Umfrage konnte nicht alle Standortaspekte berücksichtigen. Die vorgelegten Ergebnisse können aber als eine erste Orientierung für die Bewertung der regionalen Standortpolitik dienen. Durch die Beseitigung etlicher wirtschaftlicher Hemmnisse und Defizite in den Regionen könnten die Entwicklungsvoraussetzungen für Unternehmen erheblich verbessert werden.

Top-Standort: Frankfurt am Main
Top-Standort in Deutschland ist nach den subjektiven Einschätzungen der Unternehmen der IHK-Bezirk Frankfurt a.M. Aber selbst der am besten bewertete Standort ist kein "Einser-Kandidat". Mehr als eine 2,43 erhält auch der IHK-Bezirk Frankfurt a.M. nicht. An Position "Nummer 2" steht der IHK-Bezirk Offenbach, gefolgt von Aschaffenburg und Fulda. Auffällig ist, dass damit IHK-Bezirke aus dem Rhein-Main-Gebiet an der Spitze des Ranking stehen - zum Teil Folge der zentralen geografischen Lage in Deutschland.

Beste Bewertung im Osten: Rostock, Leipzig und Erfurt
Rostock (31. Platz) ist der IHK-Bezirk mit dem besten Standort-Ranking unter den ostdeutschen IHK-Bezirken und liegt mit Leipzig (39.) und Erfurt (44.) in der Bewertung noch im mittleren Drittel aller IHK-Bezirke. Am Schluss des Standort-Rankings (63. - 69.) befinden sich durchweg ostdeutsche IHK-Bezirke. In der vergleichsweise schlechten Standortbewertung durch viele ostdeutsche Unternehmen kommt vor allem ein fehlendes Zutrauen zum Standort-Image ihrer Region zum Ausdruck. Nach der Qualität von Einzelindikatoren befragt, ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild: So schneiden ostdeutsche IHK-Bezirke vor allem bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen erheblich besser ab als bei der Gesamtbewertung ihres Standortes. Zudem erweist sich im Urteil der Unternehmen nach wie vor die Höhe der Lohnkosten in Ostdeutschland als ein Standortvorteil. Fachkräftemangel stellt in den ostdeutschen IHK-Bezirken bislang für die meisten Unternehmen noch ein geringeres Problem dar als in westdeutschen IHK-Bezirken - allerdings nimmt in mancher Branche das Fachkräfteproblem auch im Osten an Schärfe zu. Bei der Image-Bewertung der Region spielen auch die hohen Arbeitslosenquoten, die wieder zunehmende Abwanderung insbesondere der jungen Bevölkerung sowie die steigende Insolvenz von Lieferanten und Kunden eine Rolle.

Schwachpunkte: Abgaben und Behörden
Die am häufigsten genannte Schwäche im IHK-Bezirk Erfurt ist die Höhe der kommunalen Steuern, Abgaben und Gebühren. Hinzu kommt meist noch eine schwache Leistungsfähigkeit der kommunalen Behörden. Behördliche Entscheidungen dauern den Unternehmen vielfach zu lange. Sie haben den Eindruck, dass sich kommunale Beamte häufig bei ihren Entscheidungen übertrieben stark absichern. Dabei dürfte auch mangelnde Qualifikation ebenso eine Rolle spielen wie Ungewissheiten über die Folgen von Entscheidungen. Entsprechend lange dauern Genehmigungsprozesse. Für Unternehmen, die auf ihren Märkten mitunter sehr schnell reagieren müssen, erweist sich die Schwerfälligkeit kommunaler Behörden als Hemmnis im Wettbewerb. Häufig entscheiden nach Auffassung von Unternehmen kommunale Behörden Anträge abschlägig, obwohl ein gesetzlicher Spielraum auch für eine positive Entscheidung gegeben ist. Zudem lässt den Erfahrungen von Unternehmen zufolge die Serviceorientierung der Behörden bei weitem zu wünschen übrig.

Technologietransfer und Hochschulkooperation in Kritik
Die Unternehmen erteilen dem Technologietransfer bzw. der Hochschulkooperation in ihrem regionalen Umfeld nur eine befriedigende Note. Dieses Ergebnis ist besorgniserregend vor dem Hintergrund, dass die Thüringer Wirtschaft mit technologischen Qualitätsprodukten im Wettbewerb bestehen muss. Dabei spielt zusätzlich eine Rolle, dass der Kontakt zwischen öffentlichen Technologieeinrichtungen und der Wirtschaft nicht immer genügend gepflegt wird. Nicht immer garantiert die Existenz zahlreicher Forschungs- und Hochschuleinrichtungen auch einen funktionierenden Technologietransfer. Dadurch liegen große Potentiale ungenutzt, wird potentielle Produktivitätssteigerung verschenkt.

Verkehrsinfrastruktur verbesserungswürdig
Die Attraktivität des Standortfaktors Verkehrsinfrastruktur ist verbesserungswürdig. Die Unternehmen erteilen diesem Standortfaktor nur eine Durchschnittsnote. Einer guten Bewertung würde aber gerade bei der Verkehrsinfrastruktur eine hohe Bedeutung zukommen. Denn: Erfordernisse, wie die Just-in-time-Produktion und kurze Lieferzeiten sind nur mit einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur denkbar. In der Wirtschaft herrschen hohe Terminanforderungen vor. Verspätungen und Lieferausfälle führen zu hohen Vertragsstrafen bei den betroffenen Unternehmen und erhöhen infolge dieser Risiken die notwendigen Lagerhaltungskosten. Auch der Handel ist auf funktionierende Verkehrssysteme angewiesen, um kurzfristig die Wünsche seiner Kunden bedienen zu können.

Qualität der regionalen Bildungseinrichtungen nur Mittelmaß
Auch die regionalen Bildungseinrichtungen erfüllen die von den Unternehmen gestellten Anforderungen nicht optimal. Neue Produkte und Verfahren verlangen aber nach modernen Qualifikationen, die vom Bildungssystem bereitgestellt werden müssen.

Hauptstärke: Nähe zu Lieferanten/Kunden/Partnern
Die Hauptstärke des regionalen Umfeldes ihres Standortes sehen die Unternehmen in der räumlichen Nähe zu ihren Wertschöpfungspartnern und Kunden. Die Unternehmen haben sich natürlich auch dort angesiedelt, wo in räumlicher Hinsicht einerseits die unternehmerischen Herstellungsprozesse mit Lieferanten und Partnern verknüpft sind und andererseits die Vermarktung stattfindet.

Verschlechterung der regionalen Standortbedingungen in ostdeutschen IHK-Bezirken
Mit Blick auf die Veränderung der Situation in den letzten drei Jahren wird in den ostdeutschen IHK-Bezirken eine Verschlechterung der regionalen Standortbedingungen offensichtlich. Bis auf Rostock und Chemnitz überwiegen die negativen Beurteilungen. Sicher spielt hier das konjunkturelle Umfeld und die zunehmende Zahl der Firmenzusammenbrüche für die subjektive Image-Bewertung eine entscheidende Rolle. Dringlichste Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des regionalen Wirtschaftsstandortes

Steuern und Sozialabgaben senken
Die Senkung der Sozialbeiträge und der Steuern steht für die Unternehmen an erster Stelle ihrer Prioritätenliste. 86 Prozent der Unternehmen benennen Erleichterungen bei diesen Lasten als dringlichste Maßnahme. Die Unternehmen fordern, den großen Keil zwischen Brutto- sowie Nettoeinkommen und -gewinnen spürbar zu verringern. Damit ließen sich auch die Konflikte in Tarifverhandlungen besser lösen. Die viel zu hohen Sozialbeiträge in Deutschland belasten den Faktor Arbeit in erheblichem Maße. Die Beitragssätze für die Sozialversicherungen übertreffen weiter deutlich die 40-Prozent-Marke - entgegen dem Versprechen der rot-grünen Bundesregierung. Die Erträge der Unternehmen werden trotz der Steuerreform nach wie vor durch zu hohe Steuern stark belastet. Die Steuerbelastung resultiert dabei nicht nur aus der hohen Einkommensteuer und der Körperschaftssteuer sowie der Gewerbesteuer, sondern auch aus der Umsatzsteuer, der Ökosteuer, der Versicherungssteuer, der Grundsteuer, der Kfz-Steuer und einer Vielzahl weiterer Verbrauchssteuern. Die Unternehmen beklagen zudem den bürokratischen Aufwand, der ihnen vom Staat mit vielen Vorschriften der Sozialgesetzgebung auferlegt wird - ein herausragendes Beispiel aus den letzten Jahren sind die Vorschriften bei geringfügig Beschäftigten.

Arbeits- und Tarifrecht flexibilisieren
Auf der Prioritätenliste der Unternehmen steht an der zweiten Stelle die Flexibilisierung des Arbeits- und Tarifrechts. 55 Prozent sehen hier Änderungen als dringend erforderlich an. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Regelungen in Kraft getreten, die hemmend wirken - so z.B. das Teilzeit-Befristungsgesetz, die Regelungen zur geringfügigen Beschäftigung, zur Scheinselbstständigkeit, das Betriebsverfassungsgesetz u.s.w. Mit dem Abschluss von Arbeitsverträgen nehmen Arbeitgeber schwer zu kalkulierende Risiken auf sich. Denn sie gehen damit dauerhafte Bindungen ein, die sich nur schwer wieder lösen lassen. Dementsprechend sind die Unternehmen bei ihren Einstellungsverfahren vorsichtig. Der Arbeitsmarkt wird selbst in guten Konjunkturphasen deswegen kaum spürbar entlastet. So wie dem Arbeitsrecht mangelt es auch den Tarifvereinbarungen an der erforderlichen Flexibilität. Die Tarifverträge sollten nicht mit unzähligen Detailregelungen überfrachtet sein. Unternehmen können zudem ihre Lohn- und Gehaltszahlungen nicht an ihre Auftrags- und Ertragslage anpassen. Die Auftrags- und Ertragslage schwankt aber typischerweise. Wenn Unternehmen in Zeiten schwacher Ertragsentwicklung die Tarife flexibel und betriebsindividuell anpassen könnten, wären Schieflagen, Insolvenzen und damit Entlassungen eher vermeidbar. Bei guter Ertragsentwicklung könnten die Arbeitnehmer hingegen durch Gewinnbeteiligung stärker am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens teilhaben.

Bildungssystem modernisieren
Das Bildungssystem in Thüringen bringt nicht in ausreichendem Maße Arbeitnehmer mit den Qualifikationen hervor, die in der modernen Wirtschaft gebraucht werden. Folgerichtig verlangen 44 Prozent der Unternehmen als eine der dringlichsten Maßnahmen, das Bildungssystem zu modernisieren. Bei dieser Forderung dürften die vor einigen Monaten veröffentlichen Ergebnisse der Pisa-Studie das Urteil der Unternehmen weiter gestärkt haben. Neben Lücken bei den Grundtechniken, wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie der Beherrschung von Fachkenntnissen, mangelt es Schul- und Hochschulabgängern teilweise am Verständnis für wirtschaftliche Belange, am Sozialverhalten, an Teamorientierung sowie an Präsentations- und Moderationstechniken.

Zugang zu Finanzierungsmitteln verbessern
41 Prozent der Unternehmen sehen einen besseren Zugang zu Finanzierungsmitteln als dringlich an. Die Finanzierung von Unternehmen ist in Thüringen sehr auf Kredite ausgerichtet. Weder die Banken noch die kreditnehmenden Unternehmen können sich aber dem Strukturwandel entziehen, der sich auch im Freistaat durch die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten vollzieht. Für viele Unternehmen, insbesondere für mittelständische, heißt das, sich stärker nach Beteiligungskapital umzusehen. Der Markt für Beteiligungskapital ist jedoch noch nicht so entwickelt wie vor allem in angelsächsischen Ländern. Vor diesem Hintergrund steht der Zugang zu Finanzierungsmitteln für einen beachtlichen Teil der Unternehmen sehr weit oben auf der Tagesordnung einer modernen Standortpolitik.

Löhne moderat anpassen
Für die Unternehmen in Thüringen spielt angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt und angesichts eines geringen Grades an Tarifbindung die Lohnpolitik eine eher unterdurchschnittliche Rolle. Die Unternehmen beobachten jedoch aufmerksam, wenn ihre internationalen Konkurrenten mit preisgünstigeren Angeboten auf die Märkte drängen. Bei lohnintensiver Produktion spielt der Vorteil geringerer Lohnkosten eine besondere Rolle. Vor diesem Hintergrund sind die Unternehmen im Hinblick auf den Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit an einer moderaten Lohnpolitik interessiert.

Fachkräftemangel beheben
Jedes fünfte Unternehmen fordert Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Innovative Branchen sind hier stärker betroffen als traditionelle Wirtschaftszweige. Stellenbesetzungsversuche scheitern vor allem daran, dass den Bewerbern die gewünschten Qualifikationen fehlen. Obwohl Unternehmen attraktive Arbeitsplätze mit Arbeitszeitmodellen, guten Sozialleistungen und Entfaltungsmöglichkeiten bieten, können sie ihre vakanten Stellen häufig nicht besetzen - das belegt auch eine Spezialuntersuchung bei Industriebetrieben.
Autor: nnz

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