Di, 07:26 Uhr
09.04.2002
nnz-Rückspiegel: 9. April 2001
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden. Heute:
Ellricher Haushalt, Kuratorium und Pleite (3)
Ellricher Haushalt könnte vorläufig genehmigt werden
Der Gang des Ellricher Bürgermeisters Gerald Schröder nach Nordhausen in der vergangenen Woche hat sich gelohnt. Gemeinsam habe man nach Möglichkeiten gesucht, um wenigstens eine vorläufige Genehmigung des Ellricher Haushaltes zu erreichen. Dies habe Landrat Claus in Aussicht gestellt, so Bürgermeister Schröder zur nnz. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Schuldentilgung der Südharzstadt eventuell für ein Jahr auszusetzen. Gerald Schröder übte gegenüber nnz erneut massive Kritik hinsichtlich der kommunalen Haushaltsverordnung. Diese sei schlicht und ergreifend widersinnig. Hier sollten auf schnellstem Wege Veränderungen zu Gunsten der Kommunen auf den Weg gebracht werden. Bei den im Ellricher Haushalt beschlossenen Kreditaufnahmen befinde man sich immer noch im Landesdurchschnitt, eine Gefahr für die Zahlungsfähigkeit der Stadt und ihrer Ortsteile sieht Gerald Schröder aus dieser Sicht heraus nicht.
Vor allem die Landtagsabgeordneten unserer Region sollten sich einmal Gedanken machen, wie sie den Kommunen helfen könnten. Sie sollten über die von ihnen beschlossenen Gesetze und erlassenen Verordnungen einmal genauer nachdenken. Für die Kommunen ist mit dieser Landespolitik und ihren Auswirkungen auf die Städte und Gemeinden das Ende der Fahnenstange erreicht, appelliert Schröder an die Landespolitiker des Kreises, vor allen Dingen an die der CDU.
Kuratorium ist fester sozialer Bestandteil geworden
Im nächsten Monat begeht das Kuratorium Aktion für Behinderte in Nordthüringen e.V. seinen siebten Geburtstag. Der Verein wurde am 3. Mai 1994 durch Mitglieder der Bundeswehr, der Polizei, von örtlichen Behörden und Unternehmen gegründet. Zweck und Aufgaben seien ausschließlich die unmittelbare und gemeinnützige Betreuung körperlich, geistig und psychisch Behinderter sowie alter, hilfsbedürftiger Menschen. Dies gelte sowohl für Gruppen von Behinderten als auch für einzelne Personen sowie für schulische Einrichtungen und Heime.
Die Geschäftsstelle des Kuratoriums befindet sich in der Karl-Günther-Kaserne in Sondershausen. Vorsitzender ist Oberstleutnant René Leitgen, Kommandeur des Raketenartilleriebatallion 132. Als Geschäftsführer fungiert Stabsfeldwebel Friedrich Brod. Bei den zahlreichen Unterstützungen seit Bestehens des Kuratoriums wurde neben den vielen nicht meßbaren Einsätzen durch Unterstützung mit Geldbeträgen in einer Größenordnung von über 100.000 Mark vielen bedürftigen Menschen geholfen. Das Kuratorium hat sich während der zurückliegenden Jahre durch seine Aktivitäten einen Namen gemacht und ist aus der karitativen Arbeit der Nordthüringer Region nicht mehr wegzudenken.
Combino wurde heute am Bahnhof angeschoben
Ein nicht alltägliches Bild bot sich heute am Nordhäuser Bahnhofsvorplatz. Da fuhr ein neuer Combino und wurde von einem anderen Straßenbahnwagen geschoben. Wer da nach einer Oberleitung Ausschau hielt, der hatte allerdings Pech. Zum ersten Mal war die Straßenbahn, die auch ohne Oberleitung fährt, bei der 100-Jahr-Feier der Elektrischen in Nordhausen zu sehen. Hybrid-Antrieb nennen das die Fachleute. Entwickelt wurde er vom IMG in Nordhausen. Das Fahrzeug kann sowohl seinen Gleichstrom von satten 600 Volt aus der Oberleitung beziehen als auch von einem Dieselmotor angetrieben werden. Der Dieselmotor gibt seinen Saft an einen Generator ab, der wiederum erzeugt den Gleichstrom mit einer Leistung von zweimal 115 Kilowatt. Angetrieben werden damit zwei von vier Achsen.
Da es sich bei dem Hybridfahrzeug um einen Test handelt, werden auch keine Personen befördert, erläutert der Betriebsleiter Straßenbahn, Fritz Keilholz, der nnz. Das in Fachkreisen als UltraKompaktes Antriebsystem (UKA) bezeichnete Verfahren kann es letztlich ermöglichen, daß die Elektrische im Bereich des Nordhäuser Bahnhofes die Straßenbahnschienen verläßt und auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen weiter nach Krimderode oder Niedersachswerfen fährt. Die gleiche Spurweite von HSB- und Straßenbahnschienennetz macht das technisch möglich, eine Verbindung zwischen beiden Netzen ist im Bereich der Einmündung der Oscar-Cohn-Straße am Harzquerbahnhof vorgesehen. Bis zum Jahresende läuft die Genehmigung für diese Hybrid-Testphase, dann sollen aufschlußreiche Ergebnisse vorliegen. Kommen wir zurück zum heutigen Ereignis am Bahnhofsvorplatz. Der Combino wurde deshalb geschoben, weil gewisse Kurvenradien getestet werden mußten. Der Combino ist etwas breiter als die herkömmlichen Wagen der Nordhäuser Straßenbahn. Aber letztlich soll das nicht die vordringlichen Aufgabe des Hybridwagens sein.
Von der Pleite bis zur Zahlungsfähigkeit einer Stadt
Die Stadt Nordhausen ist weder Pleite noch zahlungsunfähig. Fünf Tage liegen zwischen dieser heutigen Feststellung von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) und ihrem Ausspruch vom vergangenen Mittwoch: Die Stadt Nordhausen ist zahlungsunfähig. Fünf Tage, die die Nordhäuser und Thüringer Welt bewegten. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke habe ein Signal in der vergangenen Woche setzen wollen. Nicht nur Nordhausen, sondern auch viele andere Städte des Freistaates seien am Rand ihrer Finanzen angekommen. Wie viele andere Städte habe auch Nordhausen unter den zurückgehenden Schlüsselzuweisungen seitens des Landes zu rechnen. Für diesen Haushalt seien es fünf Millionen weniger. Ein weiteres Problem sei die Kreisumlage. Nordhausen müßte mit einer Erhöhung von fast einer Million Mark auskommen, während andere Kommunen mit einer Reduzierung leben könnten.
Aus dieser finanziellen Schieflage will die Stadtverwaltung nun herauskommen, in dem man die Bearbeitung der Sozialhilfe an den Landkreis angeben werde. Hierbei beruft sich die Stadt auf ein Angebot des Landkreises vom November 2000, hieß es in einem schriftlichen Statement. Unberührt bleiben davon die restlichen sozialen Aufgaben. Welche weiteren Einschränkungen im Verwaltungshaushalt vorgenommen werden müssen, das soll der Stadtrat entscheiden. Ob es im Bereich des Sozialamtes zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, wußte heute nicht einmal die Chefin des Personalrates, Bettina Broszat, zu sagen. Das müsse intern geklärt werden. Zum 30. Juni soll der entsprechende Vertrag mit dem Landratsamt, der die städtische Verantwortung belegt, gekündigt werden, damit diese Kündigung zum Jahresende wirksam werde.
Gemeinsam mit dem Landratsamt soll nun eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden. Dieser sollen auch Mitglieder des Stadtrates und des Kreistages angehören. Hier bei soll das Thema Aufgabenteilung im Mittelpunkt stehen. Eine erste Beratung soll es schon nach Ostern geben.
Autor: nnzEllricher Haushalt, Kuratorium und Pleite (3)
Ellricher Haushalt könnte vorläufig genehmigt werden
Der Gang des Ellricher Bürgermeisters Gerald Schröder nach Nordhausen in der vergangenen Woche hat sich gelohnt. Gemeinsam habe man nach Möglichkeiten gesucht, um wenigstens eine vorläufige Genehmigung des Ellricher Haushaltes zu erreichen. Dies habe Landrat Claus in Aussicht gestellt, so Bürgermeister Schröder zur nnz. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Schuldentilgung der Südharzstadt eventuell für ein Jahr auszusetzen. Gerald Schröder übte gegenüber nnz erneut massive Kritik hinsichtlich der kommunalen Haushaltsverordnung. Diese sei schlicht und ergreifend widersinnig. Hier sollten auf schnellstem Wege Veränderungen zu Gunsten der Kommunen auf den Weg gebracht werden. Bei den im Ellricher Haushalt beschlossenen Kreditaufnahmen befinde man sich immer noch im Landesdurchschnitt, eine Gefahr für die Zahlungsfähigkeit der Stadt und ihrer Ortsteile sieht Gerald Schröder aus dieser Sicht heraus nicht.
Vor allem die Landtagsabgeordneten unserer Region sollten sich einmal Gedanken machen, wie sie den Kommunen helfen könnten. Sie sollten über die von ihnen beschlossenen Gesetze und erlassenen Verordnungen einmal genauer nachdenken. Für die Kommunen ist mit dieser Landespolitik und ihren Auswirkungen auf die Städte und Gemeinden das Ende der Fahnenstange erreicht, appelliert Schröder an die Landespolitiker des Kreises, vor allen Dingen an die der CDU.
Kuratorium ist fester sozialer Bestandteil geworden
Im nächsten Monat begeht das Kuratorium Aktion für Behinderte in Nordthüringen e.V. seinen siebten Geburtstag. Der Verein wurde am 3. Mai 1994 durch Mitglieder der Bundeswehr, der Polizei, von örtlichen Behörden und Unternehmen gegründet. Zweck und Aufgaben seien ausschließlich die unmittelbare und gemeinnützige Betreuung körperlich, geistig und psychisch Behinderter sowie alter, hilfsbedürftiger Menschen. Dies gelte sowohl für Gruppen von Behinderten als auch für einzelne Personen sowie für schulische Einrichtungen und Heime.
Die Geschäftsstelle des Kuratoriums befindet sich in der Karl-Günther-Kaserne in Sondershausen. Vorsitzender ist Oberstleutnant René Leitgen, Kommandeur des Raketenartilleriebatallion 132. Als Geschäftsführer fungiert Stabsfeldwebel Friedrich Brod. Bei den zahlreichen Unterstützungen seit Bestehens des Kuratoriums wurde neben den vielen nicht meßbaren Einsätzen durch Unterstützung mit Geldbeträgen in einer Größenordnung von über 100.000 Mark vielen bedürftigen Menschen geholfen. Das Kuratorium hat sich während der zurückliegenden Jahre durch seine Aktivitäten einen Namen gemacht und ist aus der karitativen Arbeit der Nordthüringer Region nicht mehr wegzudenken.
Combino wurde heute am Bahnhof angeschoben
Ein nicht alltägliches Bild bot sich heute am Nordhäuser Bahnhofsvorplatz. Da fuhr ein neuer Combino und wurde von einem anderen Straßenbahnwagen geschoben. Wer da nach einer Oberleitung Ausschau hielt, der hatte allerdings Pech. Zum ersten Mal war die Straßenbahn, die auch ohne Oberleitung fährt, bei der 100-Jahr-Feier der Elektrischen in Nordhausen zu sehen. Hybrid-Antrieb nennen das die Fachleute. Entwickelt wurde er vom IMG in Nordhausen. Das Fahrzeug kann sowohl seinen Gleichstrom von satten 600 Volt aus der Oberleitung beziehen als auch von einem Dieselmotor angetrieben werden. Der Dieselmotor gibt seinen Saft an einen Generator ab, der wiederum erzeugt den Gleichstrom mit einer Leistung von zweimal 115 Kilowatt. Angetrieben werden damit zwei von vier Achsen.
Da es sich bei dem Hybridfahrzeug um einen Test handelt, werden auch keine Personen befördert, erläutert der Betriebsleiter Straßenbahn, Fritz Keilholz, der nnz. Das in Fachkreisen als UltraKompaktes Antriebsystem (UKA) bezeichnete Verfahren kann es letztlich ermöglichen, daß die Elektrische im Bereich des Nordhäuser Bahnhofes die Straßenbahnschienen verläßt und auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen weiter nach Krimderode oder Niedersachswerfen fährt. Die gleiche Spurweite von HSB- und Straßenbahnschienennetz macht das technisch möglich, eine Verbindung zwischen beiden Netzen ist im Bereich der Einmündung der Oscar-Cohn-Straße am Harzquerbahnhof vorgesehen. Bis zum Jahresende läuft die Genehmigung für diese Hybrid-Testphase, dann sollen aufschlußreiche Ergebnisse vorliegen. Kommen wir zurück zum heutigen Ereignis am Bahnhofsvorplatz. Der Combino wurde deshalb geschoben, weil gewisse Kurvenradien getestet werden mußten. Der Combino ist etwas breiter als die herkömmlichen Wagen der Nordhäuser Straßenbahn. Aber letztlich soll das nicht die vordringlichen Aufgabe des Hybridwagens sein.
Von der Pleite bis zur Zahlungsfähigkeit einer Stadt
Die Stadt Nordhausen ist weder Pleite noch zahlungsunfähig. Fünf Tage liegen zwischen dieser heutigen Feststellung von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) und ihrem Ausspruch vom vergangenen Mittwoch: Die Stadt Nordhausen ist zahlungsunfähig. Fünf Tage, die die Nordhäuser und Thüringer Welt bewegten. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke habe ein Signal in der vergangenen Woche setzen wollen. Nicht nur Nordhausen, sondern auch viele andere Städte des Freistaates seien am Rand ihrer Finanzen angekommen. Wie viele andere Städte habe auch Nordhausen unter den zurückgehenden Schlüsselzuweisungen seitens des Landes zu rechnen. Für diesen Haushalt seien es fünf Millionen weniger. Ein weiteres Problem sei die Kreisumlage. Nordhausen müßte mit einer Erhöhung von fast einer Million Mark auskommen, während andere Kommunen mit einer Reduzierung leben könnten.
Aus dieser finanziellen Schieflage will die Stadtverwaltung nun herauskommen, in dem man die Bearbeitung der Sozialhilfe an den Landkreis angeben werde. Hierbei beruft sich die Stadt auf ein Angebot des Landkreises vom November 2000, hieß es in einem schriftlichen Statement. Unberührt bleiben davon die restlichen sozialen Aufgaben. Welche weiteren Einschränkungen im Verwaltungshaushalt vorgenommen werden müssen, das soll der Stadtrat entscheiden. Ob es im Bereich des Sozialamtes zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, wußte heute nicht einmal die Chefin des Personalrates, Bettina Broszat, zu sagen. Das müsse intern geklärt werden. Zum 30. Juni soll der entsprechende Vertrag mit dem Landratsamt, der die städtische Verantwortung belegt, gekündigt werden, damit diese Kündigung zum Jahresende wirksam werde.
Gemeinsam mit dem Landratsamt soll nun eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden. Dieser sollen auch Mitglieder des Stadtrates und des Kreistages angehören. Hier bei soll das Thema Aufgabenteilung im Mittelpunkt stehen. Eine erste Beratung soll es schon nach Ostern geben.

