Fr, 11:24 Uhr
07.12.2007
Totes Baby in Nordhausen
Eine Stadt unter Schock. Die jüngsten Fälle getöteter Kinder waren für die Menschen in der Rolandstadt weit weg. Jetzt gibt es ein totes Neugeborenes in Nordhausen. Die nnz auf Spurensuche.
Kripobeamte betreten den Tatort in der Stauffenberg-Straße
Stauffenberg-Straße heute Vormittag. Ein Kamerateam hat sich vor einem Eingang positioniert. Der Auslöser wird gedrückt, als zwei Beamte der Nordhäuser Kripo das Haus verlassen. Erdgeschoss rechts, eine Gardine halb zugezogen, am anderen Fenster das Rollo geschlossen. Hier hatte sich gestern das Drama abgespielt. Die Polizeibeamten hatten auch heute die Befragung von Nachbarn fortgesetzt.
Zwei ältere Damen, sie wohnen gegenüber, sie tief betroffen. Sie kennen die Frau kaum, haben heute aus dem Radio vom Tod des Säuglings erfahren. Gestern registrierten sie das Aufgebot von Polizei und einem Rettungswagen, der dann mit Blaulicht davonfuhr. Die junge Frau muß sehr zurückgezogen gelebt haben, erzählt die eine Rentnerin. Überhaupt, ergänzt die andere, ist in diesem Wohngebiet eine erschreckende Anonymität eingezogen. Die Leute, vor allem die jüngeren machen schnell die Tür zur Wohnung zu. Ich kann nicht verstehen, wie man einem Kind das antun kann. Ich selbst habe drei Kinder großgezogen und bin in drei Schichten arbeiten gegangen. Immer noch fassungslos ziehen die beiden Damen die Tür hinter sich zu.
Reagiert hat inzwischen Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh (CDU): Der Fall macht uns alle tief betroffen. Die näheren Umstände werden derzeit ermittelt. Nach den jüngsten gravierenden Fällen der letzten Tage in Schleswig-Holstein und in Sachsen zeigt auch dieser Fall, wie wichtig die Sensibilität der Öffentlichkeit für Kinder ist. Dr. Zeh: Die in Thüringen bestehenden Hilfsangebote müssen weiter entwickelt und das öffentliche Bewusstsein für das Lebensrecht und den Lebensschutz von Kinder geschärft werden. Thüringen wird die verstärkten Bemühungen im Kinderschutz konsequent fortsetzen. Geplant sind gesetzliche Regelungen zu verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen sowie weitere Aufklärungsaktionen über die bestehenden Hilfsangebote. Ich appelliere an alle Thüringer Bürger, sich auch um mögliche Probleme in ihrer Nachbarschaft mit zu kümmern und gegebenenfalls die zuständigen Stellen zu informieren.
So weit, so gut: Doch es ist wieder passiert. Hier in Nordhausen. Alle bisherigen Appelle der Politik waren in diesem Fall verpufft. Dem toten Säugling nutzten sie nichts, obwohl es Alternativen gibt. Zum Beispiel die Möglichkeit der anonymen Geburt im Nordhäuser Südharz-Krankenhaus.
Autor: nnzKripobeamte betreten den Tatort in der Stauffenberg-Straße
Stauffenberg-Straße heute Vormittag. Ein Kamerateam hat sich vor einem Eingang positioniert. Der Auslöser wird gedrückt, als zwei Beamte der Nordhäuser Kripo das Haus verlassen. Erdgeschoss rechts, eine Gardine halb zugezogen, am anderen Fenster das Rollo geschlossen. Hier hatte sich gestern das Drama abgespielt. Die Polizeibeamten hatten auch heute die Befragung von Nachbarn fortgesetzt.
Zwei ältere Damen, sie wohnen gegenüber, sie tief betroffen. Sie kennen die Frau kaum, haben heute aus dem Radio vom Tod des Säuglings erfahren. Gestern registrierten sie das Aufgebot von Polizei und einem Rettungswagen, der dann mit Blaulicht davonfuhr. Die junge Frau muß sehr zurückgezogen gelebt haben, erzählt die eine Rentnerin. Überhaupt, ergänzt die andere, ist in diesem Wohngebiet eine erschreckende Anonymität eingezogen. Die Leute, vor allem die jüngeren machen schnell die Tür zur Wohnung zu. Ich kann nicht verstehen, wie man einem Kind das antun kann. Ich selbst habe drei Kinder großgezogen und bin in drei Schichten arbeiten gegangen. Immer noch fassungslos ziehen die beiden Damen die Tür hinter sich zu.
Reagiert hat inzwischen Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh (CDU): Der Fall macht uns alle tief betroffen. Die näheren Umstände werden derzeit ermittelt. Nach den jüngsten gravierenden Fällen der letzten Tage in Schleswig-Holstein und in Sachsen zeigt auch dieser Fall, wie wichtig die Sensibilität der Öffentlichkeit für Kinder ist. Dr. Zeh: Die in Thüringen bestehenden Hilfsangebote müssen weiter entwickelt und das öffentliche Bewusstsein für das Lebensrecht und den Lebensschutz von Kinder geschärft werden. Thüringen wird die verstärkten Bemühungen im Kinderschutz konsequent fortsetzen. Geplant sind gesetzliche Regelungen zu verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen sowie weitere Aufklärungsaktionen über die bestehenden Hilfsangebote. Ich appelliere an alle Thüringer Bürger, sich auch um mögliche Probleme in ihrer Nachbarschaft mit zu kümmern und gegebenenfalls die zuständigen Stellen zu informieren.
So weit, so gut: Doch es ist wieder passiert. Hier in Nordhausen. Alle bisherigen Appelle der Politik waren in diesem Fall verpufft. Dem toten Säugling nutzten sie nichts, obwohl es Alternativen gibt. Zum Beispiel die Möglichkeit der anonymen Geburt im Nordhäuser Südharz-Krankenhaus.


