Di, 09:14 Uhr
02.10.2007
nnz-Forum: Maßlos enttäuscht
Nordhausen (nnz). Ab Freitag soll auf den Schienen in Deutschland fast nichts mehr rollen. Streiks sind angesagt. Dazu die Einschätzung eines Bahn-Experten in Ihrer nnz.
Nach mehr als 15jährigem Ringen um den Erhalt der Südharzstrecke wähnte man sich – zumal durch den Nachschlag des Landes Niedersachsen zur Bestellung zusätzlicher Zugleistungen – fast am Ziel. Und nun doch noch dies: Bahn und Lokführer schlagen wieder munter aufeinander ein, am Freitag – und ganz gewiss auch darüber hinaus – wird gestreikt, die Herren Mehdorn und Schell überbieten sich in Schuldzuweisungen… Und treiben ihr Spiel miteinander unter konsequenter Missachtung des Einzigen, der sowohl das sicher hohe Gehalt des Herrn Mehdorn als auch das vielleicht zu geringe Gehalt der Lokführer zahlt: Des Kunden.
Dieser, der treu und brav seinen Zug genutzt hat und nutzt, wird gleich doppelt abgestraft. Von den GDL-Lokführern durch Stehenlassen und Wartezeiten, von der Bahn durch eine Preiserhöhung, die mit den Folgen der Streiks und der bereits erfolgten Lohnerhöhung begründet wird.
Mehr zahlen also für eine schlechte Leistung? Genau! Den beiden genannten Herren mag es egal sein, der eine tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand, der andere in wenigen Jahren auch. Der eine wird dann sicher seine Sammlung schneller Autos genießen, vom anderen weiß man nur, dass es ihn nach Frankreich zieht, wo die Bahn freilich auch häufiger einmal streikt… Aber er muss sie dort ja nicht benutzen.
Auf der Strecke bleiben wir, die Kunden. Wir wollen eine preiswerte und zuverlässige Bahn als Alternative zum Individualverkehr. Wir wollen pünktliche Züge und bezahlbare Fahrkarten. Mehr eigentlich nicht. Und wenn wir es nicht bekommen, werden wir uns nach Alternativen umsehen müssen. Die Politik wird es auch.
Das kann bedeuten: Schnellstmöglich die noch bei der Bahn verbliebenen Verkehre ausschreiben. Warum sollen zum Beispiel die Leute in Nordhausen darunter leiden, dass bei ihnen nur rote Züge fahren (oder vielmehr stehen), während in Südthüringen der Verkehr rollt, weil STB und EIB fahren? Warum muss man in Goslar vergeblich warten, während es in Halberstadt dank HEX bestens rollt?
Das kann auch bedeuten: Im Fernverkehr schnellstens Konzessionen für Linienbusse erteilen, damit preiswerte und vor allem zuverlässige Alternativen zum ICE geschaffen werden – in Großbritannien gang und gäbe.
Schade eigentlich. Die Bahn war auf einem guten Wege. Nach dem Streik wird nichts mehr so sein wie vorher. Die mühsam errungenen Marktanteile werden wieder dahin sein. Das schadet Herrn Mehdorn – aber er wird es überstehen. Den Lokführern schadet es auch – und die werden sehr viel mehr darunter zu leiden haben, zum Beispiel dann, wenn Strecken mangels Kundschaft stillgelegt oder infolge Ausschreibung an Dritte vergeben werden.
Es ist und bleibt unbegreiflich, wie alle Welt zuschauen muss, wie zwei ältere Herren sich ineinander verbeißen und jeder gewinnen will. Am Ende werden wir alle veloren haben.
Dies meint ganz persönlich Ein von beiden Seiten maßlos enttäuschter
Michael Reinboth
Autor: nnzNach mehr als 15jährigem Ringen um den Erhalt der Südharzstrecke wähnte man sich – zumal durch den Nachschlag des Landes Niedersachsen zur Bestellung zusätzlicher Zugleistungen – fast am Ziel. Und nun doch noch dies: Bahn und Lokführer schlagen wieder munter aufeinander ein, am Freitag – und ganz gewiss auch darüber hinaus – wird gestreikt, die Herren Mehdorn und Schell überbieten sich in Schuldzuweisungen… Und treiben ihr Spiel miteinander unter konsequenter Missachtung des Einzigen, der sowohl das sicher hohe Gehalt des Herrn Mehdorn als auch das vielleicht zu geringe Gehalt der Lokführer zahlt: Des Kunden.
Dieser, der treu und brav seinen Zug genutzt hat und nutzt, wird gleich doppelt abgestraft. Von den GDL-Lokführern durch Stehenlassen und Wartezeiten, von der Bahn durch eine Preiserhöhung, die mit den Folgen der Streiks und der bereits erfolgten Lohnerhöhung begründet wird.
Mehr zahlen also für eine schlechte Leistung? Genau! Den beiden genannten Herren mag es egal sein, der eine tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand, der andere in wenigen Jahren auch. Der eine wird dann sicher seine Sammlung schneller Autos genießen, vom anderen weiß man nur, dass es ihn nach Frankreich zieht, wo die Bahn freilich auch häufiger einmal streikt… Aber er muss sie dort ja nicht benutzen.
Auf der Strecke bleiben wir, die Kunden. Wir wollen eine preiswerte und zuverlässige Bahn als Alternative zum Individualverkehr. Wir wollen pünktliche Züge und bezahlbare Fahrkarten. Mehr eigentlich nicht. Und wenn wir es nicht bekommen, werden wir uns nach Alternativen umsehen müssen. Die Politik wird es auch.
Das kann bedeuten: Schnellstmöglich die noch bei der Bahn verbliebenen Verkehre ausschreiben. Warum sollen zum Beispiel die Leute in Nordhausen darunter leiden, dass bei ihnen nur rote Züge fahren (oder vielmehr stehen), während in Südthüringen der Verkehr rollt, weil STB und EIB fahren? Warum muss man in Goslar vergeblich warten, während es in Halberstadt dank HEX bestens rollt?
Das kann auch bedeuten: Im Fernverkehr schnellstens Konzessionen für Linienbusse erteilen, damit preiswerte und vor allem zuverlässige Alternativen zum ICE geschaffen werden – in Großbritannien gang und gäbe.
Schade eigentlich. Die Bahn war auf einem guten Wege. Nach dem Streik wird nichts mehr so sein wie vorher. Die mühsam errungenen Marktanteile werden wieder dahin sein. Das schadet Herrn Mehdorn – aber er wird es überstehen. Den Lokführern schadet es auch – und die werden sehr viel mehr darunter zu leiden haben, zum Beispiel dann, wenn Strecken mangels Kundschaft stillgelegt oder infolge Ausschreibung an Dritte vergeben werden.
Es ist und bleibt unbegreiflich, wie alle Welt zuschauen muss, wie zwei ältere Herren sich ineinander verbeißen und jeder gewinnen will. Am Ende werden wir alle veloren haben.
Dies meint ganz persönlich Ein von beiden Seiten maßlos enttäuschter
Michael Reinboth
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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