Fr, 16:52 Uhr
17.08.2007
Investoren stehen Schlange?
Ausschluß der Öffentlichkeit
Nicht am Dienstag, sondern heute wurde eine weitere Betriebsversammlung an der Freiherr-vom-Stein-Straße angesetzt. Und auch die nnz-Redaktion wurde mit in die allseits vertrauten Räumlichkeiten eingeladen. Dort wartete bereits die Mannschaft eines – vor allem älteren Fernsehzuschauern – bekannten Enthüllungsmagazins des Mitteldeutschen Rundfunks. Frontfrau von Exakt ist eine Nordhäuserin, die der hiesigen Wirtschaft vor Jahren als Stargast eines städtischen Neujahrsempfangs präsentiert wurde. Die stellte sich den Bikern vor, vergaß nicht zu erwähnen, dass sie ja auch mal ein Fahrrad aus Nordhausen besessen habe. Leider habe man ihr es geklaut.
Doch all diese Einfühlungsversuche der Öffentlich-Rechtlichen nutzten nichts. Nach der ultrakurzen Eröffnungsrede der Betriebsratsvorsitzenden Heidrun Kirchner, delegierte Rechtsanwalt Jürgen Metz die Journalisten und auch die Moderatorin nach draußen. Der Moor hatte damit seine Schuldigkeit getan.
Natürlich witterte die Meute eine Sensation, die allerdings nach Rücksprache mit Thüringer Ministern seitens der nnz, eher eine Luftblase zu sein scheint. Es soll da einen oder mehrere Investoren geben, schwirrte als Gerücht durch die leeren Hallen. Aus Fernost sollen die kommen, gab es als informatives Dessert dazu.
Alles Quatsch, klärte schließlich ein Gewerkschaftsvertreter nach der nichtöffentlichen Sitzung auf. Zumindest gibt es keinen Investor aus China oder so, obwohl die ja in Deutschland auch in Mode kommen. Aber: Es soll einen Interessenten geben, der die Fahrradproduktion wieder ankurbeln will. Es gebe auch Investoren, die was anderes machen wollen, an einem anderen Standort in Nordhausen. Mit wem diese Investoren bislang gesprochen haben, bleibt im Nebel der verworrenen Zuständigkeiten. Der vorläufige Insolvenzverwalter soll diese Kontakte selbst nicht haben, wohl aber kennen, hörte man aus der Gewerkschaftsecke.
Und nun wollen die vermeintlichen Investoren mit ernsten Absichten auch eine Mitarbeitermannschaft vorfinden oder übernehmen, die qualifiziert sei. Da hilft ein Arbeitsmarktprogramm namens Wegebau. Das will keine Wege bauen, sondern geringqualifizierten und älteren Arbeitnehmern den Weg zum ersten Arbeitsmarkt ebnen. Geheim ist das Programm nicht, es kommt von der Bundesarbeitsagentur, vielleicht aber seine Umsetzung in Nordhausen?
Der oder die vermeintlichen Investoren sollen, so hörte die nnz, in den kommenden Tagen Konzepte erarbeiten und dem vorläufigen Insolvenzverwalter vorstellen. Vielleicht werden sie die auch irgendwann mal dem Thüringer Wirtschaftsministerium vorstellen. Über einen solchen Wettbewerb der Investoren freut man sich in Erfurt und in Nordhausen.
Bis dahin sind die Mitarbeiter von Bike Systems vom Rechtsanwalt, vom Betriebsrat und der IG Metall vermutlich erst einmal mit einem Maulkorb versehen worden. Momentan scheinen Medien schädlich. Wohl aber nicht die aufklärerische Sendung des mdr. Die begleitet die Nachtschicht von Bike Systems bei ihrer Arbeit, die wohl eher aus dem Werfen von Dartpfeilen und dem Bearbeiten des Fussball-Kickers bestehen könnte.

