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Mo, 07:46 Uhr
13.08.2007

Richter Kropp: Die Tür zu Saal 204

Nordhausen/Sondershausen (nnz). Thüringen ist ein an Schlössern, Burgen und Kunstschätzen reiches Land. Seine teuerste Tür befindet sich im Saal 204 des Sondershäuser Amtsgerichts, stellte Amtsrichter Christian Kropp fest.


Das Amtsgericht Sondershausen, unmittelbar am Fuße der Schloßanlage gelegen, ist ein 1994 renovierter und restaurierter Gerichtsbau aus den Zeiten des Schwarzburgischen Fürstenhauses. Der Sitzungssaal 204, in dem Strafverfahren verhandelt werden, fasst etwa 80 Personen. Seine Eingangstür ist massiv, aber nicht etwa auf erstem Blick besonders wertvoll.
Doch hinter der Tür sitzt jemand, der auf sie genau achtet. Der Sondershäuser Amtsrichter Christian Kropp versteht bei unflätigem Verhalten der Prozeßbeteiligten kein Erbarmen und verhängt auch schon einmal wegen Beleidigungen im Saal oder nur dem „Vogel-Zeigen“ ein Ordnungsgeld. Ungebühr nennt dies das Gerichtsverfassungsgesetz.

„Man muss die Leute auch erziehen, die sich hier so benehmen wie daheim und Gerichte nur aus Fernsehshows kennen“, so der streitbare Jurist. Seine Eingangstür ist ihm dafür aber heilig. Manche Angeklagte und Zeugen verstehen dies nicht. Aus Unmut über Verhandlung und Richter verlassen sie Saal 204 und werfen nicht selten die Eingangstür mit solcher Wucht zu, dass der Raum nur so erdröhnt. Dann sind es die stillen Worte von Amtsrichter Kropp, die den Frieden wiederherstellen: „150 Euro Ordnungsgeld, ersatzweise 3 Tage Ordnungshaft.“

Vier Zeitgenossen haben in den letzten zwei Jahren für das Türewerfen schon bezahlt. Da gab es die Frau eines Straftäters, der eine Katze bei Greußen grausam gequält hatte, die wutentbrannt den Saal verließ und die Tür malträtierte. Oder jenen jungen Zeugen, der erst vorgeführt werden musste, vor Gericht eine Show abzog und beim Herausgehen sich an der Tür verging. In diesem Fall waren es gar 400 Euro, weil gegen diesen Mann bereits vorher ein Ordnungsgeld verhängt worden war. Prominentester Zahler war der Vorsitzende einer rechten Partei aus dem Kyffhäuserkreis, der es fertig brachte - trotz Mahnung des Richters, nicht die Türe zu werfen - beim erzürnten Rausstürmen aus Saal 204, trotzdem die Tür mit Wucht zu zuwerfen.

Die eingesammelten Ordnungsgelder, inzwischen werden es wohl an die 1.500 Euro sein, kommen jedoch nicht der Tür zur Pflege und Wartung zu Gute, sondern fließen der Staatskasse zu. Es bleibt zu hoffen, dass im Sondershäuser Amtsgericht das Türschmeißen nunmehr ein Ende hat. Denn die Tür zu Saal 204 will ja auch geschont werden und kann nichts für den Unmut der Leute!
Autor: nnz

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