Di, 07:48 Uhr
31.07.2007
nnz-Forum: Ideen für Radler
Nordhausen (nnz). Ein Nordhäuser Stadtrat ist viel mit dem Fahrrad in Nordhausen unterwegs. Was er da erlebt, das hat er im Forum der nnz aufgeschrieben.
Gestern habe ich, ausnahmsweise, mit einem alten Diamantfahrrad nach Straßenverkehrsordnung, die Stadt befahren. So ein altes, klappriges Diamantfahrrad ist lange nicht so windschnittig und schnell wie ein Neumodisches. Ich hatte schon an diversen Stellen meine Probleme mit der Sicherheit. Mit so einem langsamen Gefährt bekommt man gleich ein anderes Sicherheitsgefühl – man muss schnell im Antritt sein, damit der Autofahrer hinter einem nicht anfängt rum zu motzen.
Fakt ist eines, in diese Situationen sollte man als Radfahrer nicht kommen. Frau Klaan (CDU), Bau- und Wirtschaftsdezernentin der Stadt Nordhausen, trat für den Radfahrwettbewerb(?) einer Krankenkasse in der Südharzgalerie in die Pedale. Frau Hartmann von den Grünen forderte ein, dass die Stadt Nordhausen sich zu einer Fahrradstadt entwickeln solle. Eigentlich könnte die Unterstützung für einen weiteren, systematischen Radwegebau in Nordhausen nicht besser aussehen. Besonders der ADFC setzt sich dafür ein.
Doch wie sieht die Verkehrssituation in der Stadt aus? Es ist klar (man sieht es tagtäglich), die Verkehrspolitik der Stadt ist vollends auf den motorisierten Individualverkehr ausgelegt. Ich denke behaupten zu dürfen, dass selbst in politischen Gremien eher eine Lobby für den motorisierten Individualverkehr zu finden ist als eine für Radfahrer, Fußgänger oder ÖPNV-Nutzer. Das mag pauschal klingen. Während man in Sachen ÖPNV darauf auf ist, dass Angebot auf "Sparflamme" zu fahren, wird darüber diskutiert ob man die Ampelschaltungen für den motorisierten Individualverkehr nicht effektiver gestalten könnte, wie verträglich man Parkgebühren gestalten kann - ohne das sie ja nicht zu hoch sind.
Zumindest in Sachen Parkgebühren fällte man bereits eine Entscheidung über ein Konzept. Dann machte man sich um den Erhalt des ÖPNV-Gedanken und führte auf einigen Strecken den Rufbus ein.
Fakt ist: Wer sich mit einem motorisierten Fahrzeug bewegen will und muss, der tut es - der könnte auch Park an Ride nutzen, aber die Parkplätze in der Parkallee, Ost und Nord werden spärlich oder kaum genutzt. Aus meiner Sicht hat der motorisierte Individualverkehr in einer Innenstadt (wenn wir nur eine wirklich hätten) nur in begrenzten Maße was zu suchen. Wer sich in der Stadt zu Fuß oder per Rad bewegen möchte erlebt seine Einschränkungen - man denke besonders an Straßenbahnfahrgäste, die am Rathaus oder Nordbrand oder Theaterplatz die Straße queren möchten - sprich: die Übergänge sind unangemessen weit weg und ein Queren auf direktem Wege zu Spitzenzeiten ein lebensbedrohliches Wagnis. Im Übrigen sind Ampelschaltungen auch für Fußgänger und Radfahrer oft ein nervenraubendes (Zeit)-Spiel - besonders der Taschenberg (insbesondere die Nordseite mit den Beipässen), der Knotenpunkt Töpferstraße/Stolbergerstraße und die Ampel rund um der Brücke der Einheit.
Die neueste Errungenschaft im städtischen Radwegenetz ist die Kyffhäuserstraße. Man plant eine Fahrradstraße in der Grimmelallee bis zur Zillestraße, ab dem Autohändler in der Arnoldstraße. Man plant teilweise den Stresemannring auszubauen. Aber es fehlt eine angemessene Radwegeverbindung ab dem Kino nach Nordhausen Ost. In der Töpferstraße ist der Radweg bis zum Anfang der Kützingstraße nur einseitig (stadtauswärts) befahrbar. Die Kützingstraße bildet ein Loch in der Radwegeanbindung Nordhausen Ost. Über die Brücke in der Hesseröder Straße soll der Radfahrer auf der Straße fahren. Es scheint nicht gerade sicher, vom Grimmel aus, die Grimmenallee zu queren. Dann gibt es vielleicht 100 m Radweg und dann fehlt es an einen sicheren Übergang in die Weiterführung der Straße, über die Bochumer Straße. Woanders sind die Situationen ähnlich: Oskar-Cohn-Straße/Bochumer Straße, Töpferstraße/ Stolberger Straße, Europakreuzung. Die Liste des ADFC ist sicher noch einwenig länger. Ein systematisches Radwegenetz ist in der Stadt Nordhausen (vorerst hoffentlich) nicht zu erkennen!
Auch der ÖPNV-Verkehr ist (will man dies in einer Verkehrspolitik verankern) ausbaufähig. Auf der einen Seite, wie beschrieben, werden Angebote eingeschränkt, man hofft aber auf Fahrgäste. In der Stadt Nordhausen mag das Angebot noch ganz passabel sein, auf der anderen Seite bedenkt man die Anbindung der städtischen Ortsteile wird das Leben ohne Auto zur Farce, wenn der Bus nur zweimal am Tag fährt. Angebotseinschränkungen sind sicher auch nicht Ziel der Stadtwerke.
Neue Ideen müssen her: Wie kann man das Einkaufen mit Bus und Bahn erleichtern? Wie kann ich das bestehende Park and Ride System ausbauen? Wie kann ich das Fahren mit Bus und Straßenbahn insgesamt attraktiver machen?
Am Pferdemarkt wird wohl gebaut werden, auf dem Gelände der ehemaligen Harzer Stielwerke wird gebaut. Die Südharzgalerie und der Herkulesmarkt sind schon da. Aus meiner Sicht ist dem Pendeln zwischen diesen zukünftigen Einkaufsmöglichkeiten vorzubeugen. Eine neue Verkehrspolitik sollte angedacht werden, auch in Anbetracht fehlender finanzieller Mittel!
Vielleicht und hoffentlich mangelt es mir dann auch nicht mehr am Sicherheitsgefühl, fahre ich mit dem alten, klapprigen Diamantfahrrad durch die Stadt.
Sebastian Drechsler, Stadtrat der Partei Die Linke
Autor: nnzGestern habe ich, ausnahmsweise, mit einem alten Diamantfahrrad nach Straßenverkehrsordnung, die Stadt befahren. So ein altes, klappriges Diamantfahrrad ist lange nicht so windschnittig und schnell wie ein Neumodisches. Ich hatte schon an diversen Stellen meine Probleme mit der Sicherheit. Mit so einem langsamen Gefährt bekommt man gleich ein anderes Sicherheitsgefühl – man muss schnell im Antritt sein, damit der Autofahrer hinter einem nicht anfängt rum zu motzen.
Fakt ist eines, in diese Situationen sollte man als Radfahrer nicht kommen. Frau Klaan (CDU), Bau- und Wirtschaftsdezernentin der Stadt Nordhausen, trat für den Radfahrwettbewerb(?) einer Krankenkasse in der Südharzgalerie in die Pedale. Frau Hartmann von den Grünen forderte ein, dass die Stadt Nordhausen sich zu einer Fahrradstadt entwickeln solle. Eigentlich könnte die Unterstützung für einen weiteren, systematischen Radwegebau in Nordhausen nicht besser aussehen. Besonders der ADFC setzt sich dafür ein.
Doch wie sieht die Verkehrssituation in der Stadt aus? Es ist klar (man sieht es tagtäglich), die Verkehrspolitik der Stadt ist vollends auf den motorisierten Individualverkehr ausgelegt. Ich denke behaupten zu dürfen, dass selbst in politischen Gremien eher eine Lobby für den motorisierten Individualverkehr zu finden ist als eine für Radfahrer, Fußgänger oder ÖPNV-Nutzer. Das mag pauschal klingen. Während man in Sachen ÖPNV darauf auf ist, dass Angebot auf "Sparflamme" zu fahren, wird darüber diskutiert ob man die Ampelschaltungen für den motorisierten Individualverkehr nicht effektiver gestalten könnte, wie verträglich man Parkgebühren gestalten kann - ohne das sie ja nicht zu hoch sind.
Zumindest in Sachen Parkgebühren fällte man bereits eine Entscheidung über ein Konzept. Dann machte man sich um den Erhalt des ÖPNV-Gedanken und führte auf einigen Strecken den Rufbus ein.
Fakt ist: Wer sich mit einem motorisierten Fahrzeug bewegen will und muss, der tut es - der könnte auch Park an Ride nutzen, aber die Parkplätze in der Parkallee, Ost und Nord werden spärlich oder kaum genutzt. Aus meiner Sicht hat der motorisierte Individualverkehr in einer Innenstadt (wenn wir nur eine wirklich hätten) nur in begrenzten Maße was zu suchen. Wer sich in der Stadt zu Fuß oder per Rad bewegen möchte erlebt seine Einschränkungen - man denke besonders an Straßenbahnfahrgäste, die am Rathaus oder Nordbrand oder Theaterplatz die Straße queren möchten - sprich: die Übergänge sind unangemessen weit weg und ein Queren auf direktem Wege zu Spitzenzeiten ein lebensbedrohliches Wagnis. Im Übrigen sind Ampelschaltungen auch für Fußgänger und Radfahrer oft ein nervenraubendes (Zeit)-Spiel - besonders der Taschenberg (insbesondere die Nordseite mit den Beipässen), der Knotenpunkt Töpferstraße/Stolbergerstraße und die Ampel rund um der Brücke der Einheit.
Die neueste Errungenschaft im städtischen Radwegenetz ist die Kyffhäuserstraße. Man plant eine Fahrradstraße in der Grimmelallee bis zur Zillestraße, ab dem Autohändler in der Arnoldstraße. Man plant teilweise den Stresemannring auszubauen. Aber es fehlt eine angemessene Radwegeverbindung ab dem Kino nach Nordhausen Ost. In der Töpferstraße ist der Radweg bis zum Anfang der Kützingstraße nur einseitig (stadtauswärts) befahrbar. Die Kützingstraße bildet ein Loch in der Radwegeanbindung Nordhausen Ost. Über die Brücke in der Hesseröder Straße soll der Radfahrer auf der Straße fahren. Es scheint nicht gerade sicher, vom Grimmel aus, die Grimmenallee zu queren. Dann gibt es vielleicht 100 m Radweg und dann fehlt es an einen sicheren Übergang in die Weiterführung der Straße, über die Bochumer Straße. Woanders sind die Situationen ähnlich: Oskar-Cohn-Straße/Bochumer Straße, Töpferstraße/ Stolberger Straße, Europakreuzung. Die Liste des ADFC ist sicher noch einwenig länger. Ein systematisches Radwegenetz ist in der Stadt Nordhausen (vorerst hoffentlich) nicht zu erkennen!
Auch der ÖPNV-Verkehr ist (will man dies in einer Verkehrspolitik verankern) ausbaufähig. Auf der einen Seite, wie beschrieben, werden Angebote eingeschränkt, man hofft aber auf Fahrgäste. In der Stadt Nordhausen mag das Angebot noch ganz passabel sein, auf der anderen Seite bedenkt man die Anbindung der städtischen Ortsteile wird das Leben ohne Auto zur Farce, wenn der Bus nur zweimal am Tag fährt. Angebotseinschränkungen sind sicher auch nicht Ziel der Stadtwerke.
Neue Ideen müssen her: Wie kann man das Einkaufen mit Bus und Bahn erleichtern? Wie kann ich das bestehende Park and Ride System ausbauen? Wie kann ich das Fahren mit Bus und Straßenbahn insgesamt attraktiver machen?
Am Pferdemarkt wird wohl gebaut werden, auf dem Gelände der ehemaligen Harzer Stielwerke wird gebaut. Die Südharzgalerie und der Herkulesmarkt sind schon da. Aus meiner Sicht ist dem Pendeln zwischen diesen zukünftigen Einkaufsmöglichkeiten vorzubeugen. Eine neue Verkehrspolitik sollte angedacht werden, auch in Anbetracht fehlender finanzieller Mittel!
Vielleicht und hoffentlich mangelt es mir dann auch nicht mehr am Sicherheitsgefühl, fahre ich mit dem alten, klapprigen Diamantfahrrad durch die Stadt.
Sebastian Drechsler, Stadtrat der Partei Die Linke
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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