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Mi, 12:31 Uhr
04.07.2007

Von Latrine bis Bombentopf

Nordhausen (nnz). Eine Latrine aus dem 13. bzw. 14. Jahrhundert ist der jüngste archäologische Fund auf der Baustelle der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft in der Nordhäuser Innenstadt im Quartier Kornmarkt/Engelsburg. Weitere Einzelheiten natürlich in Ihrer nnz.

Müller (Foto: psv)
Wolfgang Müller vor der ausgegrabenen Latrine mit dem wegen seiner Form so bezeichneten Bombentopf aus dem 13. Jahrhundert

Die Archäologen sind bei den Ausgrabungsarbeiten für die Tiefgarage auf die historische Toilette gestoßen und haben sie rund 4 Meter in die Tiefe frei gelegt. „Dadurch, dass damals nicht nur die menschlichen Exkremente in die Latrine gewandert sind, sondern auch Abfall jeder Art ist sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Fundgrube für die Alltagsgeschichte und -kultur unserer Vorfahren“, sagte Ausgrabungsleiter Wolfgang Müller.

So habe man neben einem Hühnerei Stoff- und Lederreste gefunden, Glasscherben, Becher und Näpfe, darunter auch einige komplett erhaltene und wegen ihrer Form so genannte Bombentöpfe aus Keramik, die wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammt. Dieses Geschirr wurde damals direkt ins Feuer gestellt, um Mahlzeiten zu bereiten“, erklärte Müller. Die Existenz der Latrine deute darauf hin, dass man der Hygiene in Nordhausen schon früh Bedeutung beigemessen habe. „Solche Anlagen waren damals noch nicht üblich“, sagte Müller.

Nordhausens Stadtarchiv-Leiter Jürgen Grönke sagte, dass der Fund der Latrine von großer Bedeutung für die Stadt sei, da man relativ selten auf solche Anlagen stoße. „Es ist erst die dritte nach Funden Pfaffen- und der Neustadtstraße.“ Die geeigneten Fundstücke, die man aus der Latrine geborgen habe, würden dokumentiert und aufgearbeitet. Und danach werden wir sie im Rahmen einer Sonderausstellung und dann später in der Dauerausstellung im `Tabakspeicher“ der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Gleich neben der Latrine haben die Archäologen Fundamente bzw. Mauerreste aus dem 16. Jahrhundert von Wohn-Häusern der früheren Krämerstraße frei gelegt, die mit der Bombardierung der Stadt im April 1945 in Schutt und Asche fielen. „Es handelt sich um die Grundmauern der früheren Häuser Krämerstraße 5 und 6“, sagte Müller. Beide Häuser hätten ursprünglich ein gemeinsames Gebäude gebildet.

„Danach wurde das Grundstück getrennt durch den nachträglichen Einbau einer Grundmauer. In der Nord-West-Ecke des ursprünglichen Gebäudes habe man darüber hinaus eine durch Mauern abgetrennte Ecke freigelegt. „Diese war anschließend mit Erde verfüllt worden, wahrscheinlich, um damit stabilen Baugrund zu schaffen für einen schweren Baukörper in den darüberliegenden Geschossen - zum Beispiel einen großen Kuppelofen. Hier ist das Verfüllungsmaterial besonders aufschlussreich. So haben wird darin Keramikscherben aus dem 14. Jahrhundert gefunden.“

Auch in der vor knapp einem Monat frei gelegten Zisterne aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert sind die Arbeiten fortgeschritten. „Wir haben die Zisterne quer durchgeschnitten und sind dabei 4 Meter tief in die Erde gegangen. Interessant dabei war, dass die Zisterne bis heute praktisch ihre Funktion erfüllen könnte: Die Lehmwände sind noch so dicht, dass in drei Vierteln der Zisterne die Hohlräume noch mit Wasser gefüllt waren.“ Wahrscheinlich sei die Zisterne noch bis ins 18. Jahrhundert hinein in Betrieb gewesen.
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