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Mi, 17:30 Uhr
24.01.2007

Die Geschichte eines Ordners

Nordhausen (nnz). Der Name Günter Lierhammer, in Nordhausen gelebte Geschichte, machte heute plötzlich noch einmal die Runde. Ein privater Radiosender vermeldete, dass es eine Wohnungsdurchsuchung in Bayern gegeben habe. Die nnz ging auf Spurensuche. Nicht in Bayern, dafür in Nordhausen.


Wir erinnern uns: Günter Lierhammer, der ehemalige Polizeichef in Nordhausen, hat mittlerweile zwei so genannte Abordnungen hinter sich. Die zweite führte ihn nach Meiningen an die Polizeischule. Nicht nur in Nordhausen pfeifen es die Spatzen selbst bei diesen Minusgraden von den Dächern: Der Mann, der einst als Shootingstar in der Thüringer Polizei gehandelt worden war, fiel im Innenministerium in Ungnade. Vermutlich, offen wird das niemand zugeben, traf der Praktiker auf einen Theoretiker.

Und so nebenbei gab es da noch die so genannte Überstunden-Affäre der Thüringer Ordnungshüter, bei der flächendeckend die Polizei mit einem pauschalen Betrugsverdacht überzogen wurde. Überstunden sollen unrechtmäßig abgerechnet worden sein, und das jahrelang. Auch Günter Lierhammer soll das geduldet haben, war man sich im Innenministerium einig. Und so konnte vermutlich gleich noch eine offene Rechnung beglichen werden. Es passte alles.

In Nordhausen gibt es vermutlich noch Polizisten, die erinnerten sich daran, das Günter Lierhammer an seinen Nachfolger Uwe Köppen gerade den Ordner mit sensiblen "Überstunden-Fakten" übergeben haben soll. Es war vermutlich genau der Ordner, den die Staatsanwaltschaft Erfurt in Lierhammers Wohnung suchen ließ und nicht fand. Zurück nach Nordhausen. Dort erinnerte man sich an der Darre nach Informationen der nnz einen Tag nach der Durchsuchung doch noch an die Existenz des Ordners. Er befand sich so zusagen "vor Ort".

Die Geschichte eines Ordners (Foto: nnz) Die Geschichte eines Ordners (Foto: nnz)
PD-Chef Köppen, Minister Gasser im September 2006

Die Überstundenaffäre, in die auch Günter Lierhammer verwickelt sein soll, könnte demzufolge auch als Vorwand genutzt werden, um den „Ungeliebten“ im Gasser-Ministerium loszuwerden. Wie heuchlerisch dort vorgegangen wird, das lässt sich selbst an den Aussagen des obersten Dienstherren belegen: Zur Amtseinführung des Lierhammer-Nachfolgers der O-Ton von Minister Karl-Heinz Gasser: „Herr Lierhammer íst ein erfahrener Praktiker, der seine Erfahrungen als Dozent in Meiningen sehr gut einbringen kann. Es war eine Entscheidung wie sie jeden Tag in der Thüringer Polizei getroffen werden kann!“

Gut für die ermittelnde Staatsanwaltschaft: Der Ordner ist da. Er war da, wo ihn eine Heerschar von Ermittlern nicht vermutete, wo man jedoch zuerst hätte suchen können. Und so kann mit einem pauschalen Betrugsverdacht weiter gegen die eigene Meute vorgegangen werden. Das alles gleicht einem – vorsichtig ausgedrückt - unaufgeräumten Haufen, in Thüringen Innenministerium genannt. Dagmar Becker, die SPD-Landtagsabgeordnete, hat für den Ausgang des gesamten Verfahrens bereits einen Beinamen: Hornberg.
Autor: nnz

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