Di, 17:55 Uhr
19.12.2006
nnz-Betrachtung: Das Ende vom Landkreis
Nordhausen (nnz). Nur aufmerksame Beobachter werden während der heutigen Kreistagssitzung den Beginn einer neue Ära bemerkt haben. Diejenigen, die sie vermeiden wollen, die haben die Lawine ins Rollen gebracht. Heute wohl endgültig. Dazu eine Betrachtung in Ihrer nnz.
Man ist mal wieder so über die Runden gekommen. In der Kreisverwaltung. Auch bei der SPD und der CDU. Die parteipolitische Umarmung von Dagmar Becker und Egon Primas glitt ins Groteske ab. Fragen muss man sich, warum die beiden Landtagsabgeordneten, die sich sonst in Erfurt kaum in die Augen sehen, sich heute lieb hatten. Na klar, es ging beiden um die Sache. Sie wollten vermutlich mit ihrem Gefolge den Landkreis retten, wird man sie hinterher offiziell sagen hören.
In Wahrheit geht es bei beiden Landtagsabgeordneten um die Sicherung langfristiger Einflussnahme auf Entwicklungen. Entwicklungen, die man nicht nur beobachten, sondern womöglich steuern möchte. So wie eine drohende Gebietsreform. Die ist nicht bedrohlich für die Bürger in den Gemeinden und Städten, die ist nur bedrohlich für Landtagsabgeordnete, die vielleicht einmal ihre Wahlkreise verlieren werden. Heute ist vermutlich, beide bemerkten es nicht einmal, der Verlust eingeleitet worden. Klar, für 2009 kann man noch einmal antreten, doch dann wird es den Landkreis Nordhausen nicht mehr geben.
Den müsste es eigentlich schon morgen nicht mehr geben. Was ist das denn für ein Landkreis, dessen Zukunft an einem einzigen Haushaltsbeschluß hängt? Was ist das für ein Landkreis, dessen Existenzberechtigung als Damoklesschwert herhalten muß? Gemeinden und Städte wird es auch in den nächsten zwei oder drei Jahrhunderten geben, Landkreise werden sich erübrigen.
Die Stadt Nordhausen, diese vom Landkreis so ungeliebte große Stadt, die wird jetzt ein wenig den Prozess beschleunigen, den sie bislang immer behutsam vorangetrieben hatte – den Prozess des Wachstums. Ich könnte mir vorstellen, dass sich Werthers Bürgermeister Klaus Hummitzsch (Linkspartei) ab heute stärker überlegt, ob er nicht den politischen Gebietsschritt nach Nordhausen wagen sollte? Statt 104.000 Euro im kommenden Jahr zusätzlich an die Kreisverwaltung abdrücken zu müssen, könnte er bei einer Ehe mit Nordhausen vom Land Thüringen 340.000 Euro Begrüßungsgeld erhalten. Was könnte man den Ortsteilen da nicht alles an Gutem antun?
Und so wäre auch das Gemarkungsproblem Mauderode geklärt, das der Hohensteiner Bürgermeister Martin Höche noch vor sich hat.
Spätestens seit heute sind die Fronten zwischen der Stadt Nordhausen und dem Landkreis wieder aufgerissen, sie haben Grabenbreite angenommen. Wer heute aufmerksam in das Gesicht von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) gesehen hat der kann nicht ausschließen, dass es im kommenden Jahr auch Schützengräben geben kann. Und die werden sich, so ist das Tradition in dieser Region, auch wieder innerhalb der einzelnen Parteien öffnen. Es wird wohl nicht so sehr die hohe Zeit der Barbara Rinke werden, es wird eher die Zeit für Politiker wie Matthias Jendricke oder Dr. Manfred Schröter. Für Journalisten und aufmerksame Beobachter könnte selbst nach Weihnachten eine Festzeit anbrechen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psgMan ist mal wieder so über die Runden gekommen. In der Kreisverwaltung. Auch bei der SPD und der CDU. Die parteipolitische Umarmung von Dagmar Becker und Egon Primas glitt ins Groteske ab. Fragen muss man sich, warum die beiden Landtagsabgeordneten, die sich sonst in Erfurt kaum in die Augen sehen, sich heute lieb hatten. Na klar, es ging beiden um die Sache. Sie wollten vermutlich mit ihrem Gefolge den Landkreis retten, wird man sie hinterher offiziell sagen hören.
In Wahrheit geht es bei beiden Landtagsabgeordneten um die Sicherung langfristiger Einflussnahme auf Entwicklungen. Entwicklungen, die man nicht nur beobachten, sondern womöglich steuern möchte. So wie eine drohende Gebietsreform. Die ist nicht bedrohlich für die Bürger in den Gemeinden und Städten, die ist nur bedrohlich für Landtagsabgeordnete, die vielleicht einmal ihre Wahlkreise verlieren werden. Heute ist vermutlich, beide bemerkten es nicht einmal, der Verlust eingeleitet worden. Klar, für 2009 kann man noch einmal antreten, doch dann wird es den Landkreis Nordhausen nicht mehr geben.
Den müsste es eigentlich schon morgen nicht mehr geben. Was ist das denn für ein Landkreis, dessen Zukunft an einem einzigen Haushaltsbeschluß hängt? Was ist das für ein Landkreis, dessen Existenzberechtigung als Damoklesschwert herhalten muß? Gemeinden und Städte wird es auch in den nächsten zwei oder drei Jahrhunderten geben, Landkreise werden sich erübrigen.
Die Stadt Nordhausen, diese vom Landkreis so ungeliebte große Stadt, die wird jetzt ein wenig den Prozess beschleunigen, den sie bislang immer behutsam vorangetrieben hatte – den Prozess des Wachstums. Ich könnte mir vorstellen, dass sich Werthers Bürgermeister Klaus Hummitzsch (Linkspartei) ab heute stärker überlegt, ob er nicht den politischen Gebietsschritt nach Nordhausen wagen sollte? Statt 104.000 Euro im kommenden Jahr zusätzlich an die Kreisverwaltung abdrücken zu müssen, könnte er bei einer Ehe mit Nordhausen vom Land Thüringen 340.000 Euro Begrüßungsgeld erhalten. Was könnte man den Ortsteilen da nicht alles an Gutem antun?
Und so wäre auch das Gemarkungsproblem Mauderode geklärt, das der Hohensteiner Bürgermeister Martin Höche noch vor sich hat.
Spätestens seit heute sind die Fronten zwischen der Stadt Nordhausen und dem Landkreis wieder aufgerissen, sie haben Grabenbreite angenommen. Wer heute aufmerksam in das Gesicht von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) gesehen hat der kann nicht ausschließen, dass es im kommenden Jahr auch Schützengräben geben kann. Und die werden sich, so ist das Tradition in dieser Region, auch wieder innerhalb der einzelnen Parteien öffnen. Es wird wohl nicht so sehr die hohe Zeit der Barbara Rinke werden, es wird eher die Zeit für Politiker wie Matthias Jendricke oder Dr. Manfred Schröter. Für Journalisten und aufmerksame Beobachter könnte selbst nach Weihnachten eine Festzeit anbrechen.
Peter-Stefan Greiner


