Mi, 14:29 Uhr
28.05.2025
Stimmungsbarometer in der Nordthüringer Wirtschaft
Das Rauschen im Wald
Durch den Blätterwald rauschen dieser Tage hoffnungsvolle Töne, die Wirtschaft zeigt Anzeichen der Erholung. Ob das nur Schwalben oder schon der Sommer ist fragt man sich in Nordthüringen, die Stimmung zwischen Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis ist durchwachsen…
Die Industrie- und Handelskammer hat in Nordthüringen im Frühjahr wieder ihre Konjunkturumfrage durchgeführt, in der Nordhäuser Regionalstelle blickte man dazu heute auf die Ergebnisse im Landkreis und die der Nachbarn rund um den Kyffhäuser.
Der Blick ging dabei nicht auf spezielle Branchen sondern in die Weite, erläuterte Christian Böduel, der Leiter des Regionalbüros. Der Branchenmix besteht im Kyffhäuserkreis aus rund 3.500 Unternehmen, in Nordhausen sind es knapp 5.000, die Gemengelage ist im Detail unterschiedlich, die Probleme vor denen man steht in der Regel aber die gleichen, so Böudel am Vormittag.
Gemütslage weiter angespannt
Am Kyffhäuser sieht man die Dinge dabei offenbar positiver als die Befragten in Nordhausen. Hier gaben 60 Prozent an, mit den laufenden Geschäften immerhin zufrieden zu sein aber nur 15 Prozent schätzten die Lage als gut ein, während das im Kyffhäuserkreis bei 42 Prozent der Befragten der Fall war. Der Blick in die Zukunft fällt bei den Nordhäusern ebenfalls pessimistischer aus, 45 Prozent der Befragten meinen die Lage werde eher schlechter während diese Einschätzung nur 25 Prozent im Kyffhäuser teilen. Halbwegs stabil wird die Personalentwicklung eingeschätzt, in Nordhausen gehen 80 Prozent und im Kyffhäuserkreis 67 Prozent von einem gleichbleibendem Niveau aus. Steigenden Personalbedarf sehen 15 Prozent der befragten Unternehmen im Kyffhäuserkreis, in Nordhausen hingegen niemand.
Schlecht steht es auch um die Investitionsfreude, 85 Prozent der befragten Nordhäuser Unternehmer gehen von fallenden Investitionen aus, bei den Nachbarn sind es nur 41 Prozent. Und während immerhin ein Viertel der Kyffhäuser Befragten mit steigenden Investitionen rechnet, liegt dieser Wert in Nordhausen ebenfalls bei 0.
Wie viel sich aus der Einzelbefragung der Unternehmer konkret herauslesen lässt darf durchaus hinterfragt werden und hänge auch von Mentalität und Tagesverfassung ab, meint Ulrich Schlegel von der IHK Erfurt. Was man da hört das ist das Rauschen im Walde. Konjunktur fängt ein Stück weit auch im Kopf an und wenn ich am Himmel eine Schwalbe sehe weiß ich noch nicht ob das jetzt schon der Sommer ist. Im Moment haben wir mit den Neustarts in Erfurt und Berlin ein wenig Licht am Tunnel, meint der Unternehmer.
Positive Signale für die Wirtschaft sehe man unter anderem in Sachen Bürokratieabbau von der neuen Landesregierung oder in der Diskussion zu Bürgergeld und Steuerreformen auf Bundesebene, sagt Böduel und Schlegel ist nach einem Besuch in Brüssel guter Dinge, dass man selbst auf EU-Ebene die Zeichen der Zeit erkannt hat und andere Wege einschlägt, etwa über die Omnibus-Initiative, die bestehende Vorschriften vereinfachen soll.
Auf Seiten des Arbeitsmarktes sei die Lage noch gut, wo ein Betrieb heute schließt finde die Belegschaft mit dem rechten Willen schnell wieder neue Anstellungen. Ob die Betriebe in Zukunft auch ausreichend qualifiziertes Personal finden, steht auf einem anderen Blatt, die demographischen Herausforderungen werden zunehmend deutlich. Rufe nach weniger Arbeit und Vier-Tage-Woche seien fehl am Platz, meint Schlegel, auch weil es viele Bereiche gebe - vom Arzt bis zur Feuerwehr - die sich derlei Luxus nicht leisten könnten.
Ein unabdingbarer Baustein der Problemlösung blieben weiterhin Fachkräfte aus dem Ausland. Es gibt bestens ausgebildete und hochmotivierte Leute, die wir gebrauchen können und die sich hier integrieren wollen Wer das pauschal ablehnt, der hat noch nicht genug Probleme, so Schlegel weiter. Gute Erfahrungen hat man zuletzt mit einem Ausbildungsprogramm gemacht, das in Kooperation mit der Mongolei läuft. Im vergangenen Jahr konnten über den Firmenausbildungsverbund und die IHK 40 Leute gewonnen werden, in diesem Jahr rechnet man mit 120. Größte Hürde auf Seiten der Zuwanderer bleibe die Sprache, wobei kein Bewerber unter B2 Niveau in die engere Auswahl kommt.
Schwieriger gestaltet sich die Akzeptanz auf der Thüringer Seite, unter den Unternehmen sei die Resonanz verhalten, sagt Schlegel, trotz der offensichtlichen und absehbaren Schwierigkeiten. Gesellschaftlich haben wir noch Nachholbedarf, in den alten Bundesländern ist man da deutlich weiter. Insgesamt stimmt mich das Projekt aber optimistisch.
Mit Sorge blickt man hingegen auf die allgemeine Weltlage. Ohne Not sei in den letzten Wochen jahrelange Arbeit niedergerissen worden und Vertrauen verloren gegangen. Die resultierende Unsicherheit schlage sich auf den Wohlstand allgemein wie auch bis auf die regionale Wirtschaft nieder. Wenn wir eine Sache deutlich sehen, dann welchen Schaden Populisten anrichten können., sagt Schlegel. Wir sind heute unglaublich stark vernetzt. Die direkten Auswirkungen landen vielleicht zuerst beim Automobilzulieferer, aber alle anderen bekommen die Folgen auch zu spüren. Die Unsicherheit erleben alle und mit Unsicherheit lässt sich nicht gut wirtschaften.
Was man aber auch brauche sei ein Schuss Optimismus, sagt Schlegel, der das Glas entgegen der Nordhäuser Grundeinstellung lieber halb voll sieht. In einem Jahr werde die Lage besser aussehen als heute.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Industrie- und Handelskammer hat in Nordthüringen im Frühjahr wieder ihre Konjunkturumfrage durchgeführt, in der Nordhäuser Regionalstelle blickte man dazu heute auf die Ergebnisse im Landkreis und die der Nachbarn rund um den Kyffhäuser.
Der Blick ging dabei nicht auf spezielle Branchen sondern in die Weite, erläuterte Christian Böduel, der Leiter des Regionalbüros. Der Branchenmix besteht im Kyffhäuserkreis aus rund 3.500 Unternehmen, in Nordhausen sind es knapp 5.000, die Gemengelage ist im Detail unterschiedlich, die Probleme vor denen man steht in der Regel aber die gleichen, so Böudel am Vormittag.
Gemütslage weiter angespannt
Am Kyffhäuser sieht man die Dinge dabei offenbar positiver als die Befragten in Nordhausen. Hier gaben 60 Prozent an, mit den laufenden Geschäften immerhin zufrieden zu sein aber nur 15 Prozent schätzten die Lage als gut ein, während das im Kyffhäuserkreis bei 42 Prozent der Befragten der Fall war. Der Blick in die Zukunft fällt bei den Nordhäusern ebenfalls pessimistischer aus, 45 Prozent der Befragten meinen die Lage werde eher schlechter während diese Einschätzung nur 25 Prozent im Kyffhäuser teilen. Halbwegs stabil wird die Personalentwicklung eingeschätzt, in Nordhausen gehen 80 Prozent und im Kyffhäuserkreis 67 Prozent von einem gleichbleibendem Niveau aus. Steigenden Personalbedarf sehen 15 Prozent der befragten Unternehmen im Kyffhäuserkreis, in Nordhausen hingegen niemand.
Schlecht steht es auch um die Investitionsfreude, 85 Prozent der befragten Nordhäuser Unternehmer gehen von fallenden Investitionen aus, bei den Nachbarn sind es nur 41 Prozent. Und während immerhin ein Viertel der Kyffhäuser Befragten mit steigenden Investitionen rechnet, liegt dieser Wert in Nordhausen ebenfalls bei 0.
Wie viel sich aus der Einzelbefragung der Unternehmer konkret herauslesen lässt darf durchaus hinterfragt werden und hänge auch von Mentalität und Tagesverfassung ab, meint Ulrich Schlegel von der IHK Erfurt. Was man da hört das ist das Rauschen im Walde. Konjunktur fängt ein Stück weit auch im Kopf an und wenn ich am Himmel eine Schwalbe sehe weiß ich noch nicht ob das jetzt schon der Sommer ist. Im Moment haben wir mit den Neustarts in Erfurt und Berlin ein wenig Licht am Tunnel, meint der Unternehmer.
Positive Signale für die Wirtschaft sehe man unter anderem in Sachen Bürokratieabbau von der neuen Landesregierung oder in der Diskussion zu Bürgergeld und Steuerreformen auf Bundesebene, sagt Böduel und Schlegel ist nach einem Besuch in Brüssel guter Dinge, dass man selbst auf EU-Ebene die Zeichen der Zeit erkannt hat und andere Wege einschlägt, etwa über die Omnibus-Initiative, die bestehende Vorschriften vereinfachen soll.
Auf Seiten des Arbeitsmarktes sei die Lage noch gut, wo ein Betrieb heute schließt finde die Belegschaft mit dem rechten Willen schnell wieder neue Anstellungen. Ob die Betriebe in Zukunft auch ausreichend qualifiziertes Personal finden, steht auf einem anderen Blatt, die demographischen Herausforderungen werden zunehmend deutlich. Rufe nach weniger Arbeit und Vier-Tage-Woche seien fehl am Platz, meint Schlegel, auch weil es viele Bereiche gebe - vom Arzt bis zur Feuerwehr - die sich derlei Luxus nicht leisten könnten.
Ein unabdingbarer Baustein der Problemlösung blieben weiterhin Fachkräfte aus dem Ausland. Es gibt bestens ausgebildete und hochmotivierte Leute, die wir gebrauchen können und die sich hier integrieren wollen Wer das pauschal ablehnt, der hat noch nicht genug Probleme, so Schlegel weiter. Gute Erfahrungen hat man zuletzt mit einem Ausbildungsprogramm gemacht, das in Kooperation mit der Mongolei läuft. Im vergangenen Jahr konnten über den Firmenausbildungsverbund und die IHK 40 Leute gewonnen werden, in diesem Jahr rechnet man mit 120. Größte Hürde auf Seiten der Zuwanderer bleibe die Sprache, wobei kein Bewerber unter B2 Niveau in die engere Auswahl kommt.
Schwieriger gestaltet sich die Akzeptanz auf der Thüringer Seite, unter den Unternehmen sei die Resonanz verhalten, sagt Schlegel, trotz der offensichtlichen und absehbaren Schwierigkeiten. Gesellschaftlich haben wir noch Nachholbedarf, in den alten Bundesländern ist man da deutlich weiter. Insgesamt stimmt mich das Projekt aber optimistisch.
Mit Sorge blickt man hingegen auf die allgemeine Weltlage. Ohne Not sei in den letzten Wochen jahrelange Arbeit niedergerissen worden und Vertrauen verloren gegangen. Die resultierende Unsicherheit schlage sich auf den Wohlstand allgemein wie auch bis auf die regionale Wirtschaft nieder. Wenn wir eine Sache deutlich sehen, dann welchen Schaden Populisten anrichten können., sagt Schlegel. Wir sind heute unglaublich stark vernetzt. Die direkten Auswirkungen landen vielleicht zuerst beim Automobilzulieferer, aber alle anderen bekommen die Folgen auch zu spüren. Die Unsicherheit erleben alle und mit Unsicherheit lässt sich nicht gut wirtschaften.
Was man aber auch brauche sei ein Schuss Optimismus, sagt Schlegel, der das Glas entgegen der Nordhäuser Grundeinstellung lieber halb voll sieht. In einem Jahr werde die Lage besser aussehen als heute.
Angelo Glashagel

