Fr, 11:00 Uhr
20.10.2006
Sommerhoch und trüber Ausblick
Nordhausen (nnz). Die Stimmung im Handwerk zeigt sich nach der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt deutlich aufgehellt. Die Erwartungen des prognostizierten Aufschwungs wurden noch übertroffen. Doch es gibt scheinbar trübe Aussichten...
Ganz offensichtlich konnte auch das Handwerk von der außergewöhnlich guten Stimmung dieses Sommers profitieren, denn nicht nur die Industrie als Hauptkunde der handwerklichen Zulieferer sondern auch der wichtigste Kunde des regional agierenden Handwerks - der private Konsument - fragte verstärkt handwerkliche Leistungen und Waren nach und sorgte für maßgebliche Impulse und ein deutliches Umsatzplus. Insgesamt bewerteten knapp 80 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Dieser Wert wurde zuletzt vor acht Jahren erreicht und liegt 14 Prozent über dem Vorjahreswert.
Baugewerbe mit erfreulicher Entwicklung
Besonders erfreulich ist die Entwicklung des Baugewerbes. Bei allen Indikatoren sind nach langer Talsohle endlich deutliche Verbesserungen zu erkennen. Positive Effekte erfährt das Bau- und Ausbauhandwerk vor allem von der Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerksrechnungen und den rege in Anspruch genommenen zinsgünstigen Kreditprogrammen für die energetische Gebäudesanierung. Bei einem Auftragsvorlauf von 7,3 Wochen und einer überdurchschnittlichen Betriebsauslastung sprechen 86 Prozent dieser Unternehmen von guter oder befriedigender Geschäftslage. Nicht zu übersehen ist allerdings, so auch im Kfz-Bereich, dass größere Ausgaben bis zum Jahresende vorgezogen werden, um die Erhöhung der Mehrwertsteuer noch zu umgehen. So fehlt die langfristige Perspektive.
Nicht alle im Konjunkturhoch dabei
Trotz branchenübergreifend gestiegener Betriebsauslastung, deutlicher Umsatzsteigerung, verbessertem Auftragsbestand und erkennbarer Investitionsneigung verspüren nicht alle Handwerkszweige eine deutliche konjunkturelle Belebung. Geringer fällt diese bei den Nahrungsmittelberufen und bei den personenbezogenen Dienstleistern aus. Besonders die Gesundheitshandwerke haben die negativen Konsequenzen der Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen noch nicht überwunden. Hier sind lediglich 53 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftslage zufrieden und berichten als einzige Branche von unterdurchschnittlicher Geschäftsauslastung. Hohe Energie- und Kraftstoffpreise sowie gestiegene Beschaffungskosten dämpfen die Hoffnung auf eine deutlich bessere Ertragslage, denn die wenigsten Betriebe können höhere Verkaufspreise bei den Kunden durchsetzen.
Wieder mehr Betriebe stellen ein
Bemerkenswert ist die Beschäftigungsentwicklung. Erstmals liegt die Zahl der Betriebe, die Mitarbeiter einstellen konnten, über der Zahl der Unternehmen, die ihren Personalbestand verringern mussten. Bei 73 % der Unternehmen hat es keine Veränderungen gegeben. Die Aussichten für das nächste Quartal sind optimistischer als in den Jahren zuvor, doch erwartungsgemäß eher zurückhaltend.
Wenn nur die Steuer- und Abgabenbelastung nicht wäre
Ob der Aufschwung über die Jahreswende anhält, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der bisher umstrittenen Steuer- und Gesundheitsreform ab. Massive neue Belastungen aus Beiträgen und Steuern lassen das Vertrauen in den Reformkurs der Regierungskoalition und die Hoffnung auf nachhaltige wirtschaftliche Stabilität sinken, erklärt Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Artymiak.
Die Handwerkskammer befürchtet vor allem mit der Mehrwertsteuererhöhung ein Einknicken der Binnenkonjunktur. Unsere Betriebe sind in der Mehrzahl auf den regionalen Markt angewiesen. Es wäre falsch zu meinen, die Wachstumszahlen resultieren allein aus dem guten Exportgeschäft. Ohne die gute Binnennachfrage in diesem Jahr wäre unser Wirtschaftswachstum nicht erreicht worden. Deshalb warnen wir eindringlich vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Führt tatsächlich kein Weg daran vorbei, dann sollte die Bundesregierung als gewisse Abpufferung den Steuerbonus auf Handwerkerleistungen anheben und die Förderung der energetischen Gebäudesanierung vorantreiben.
Entscheidend für nachhaltiges Wachstum sei aber, so der Hauptgeschäftsführer, dass die notwendigen Strukturreformen wie beispielsweise die Unternehmenssteuerreform zügig verabschiedet werden. Und der vorliegende Entwurf zur Gesundheitsreform gehöre noch einmal auf den Prüfstand. Eine Reform müsse bewirken, dass die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sinken und von der Lohnentwicklung abgekoppelt werden. Zusätzliche Belastungen verhindern mehr Wachstum und damit auch mehr Beschäftigung.
Autor: nnzGanz offensichtlich konnte auch das Handwerk von der außergewöhnlich guten Stimmung dieses Sommers profitieren, denn nicht nur die Industrie als Hauptkunde der handwerklichen Zulieferer sondern auch der wichtigste Kunde des regional agierenden Handwerks - der private Konsument - fragte verstärkt handwerkliche Leistungen und Waren nach und sorgte für maßgebliche Impulse und ein deutliches Umsatzplus. Insgesamt bewerteten knapp 80 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Dieser Wert wurde zuletzt vor acht Jahren erreicht und liegt 14 Prozent über dem Vorjahreswert.
Baugewerbe mit erfreulicher Entwicklung
Besonders erfreulich ist die Entwicklung des Baugewerbes. Bei allen Indikatoren sind nach langer Talsohle endlich deutliche Verbesserungen zu erkennen. Positive Effekte erfährt das Bau- und Ausbauhandwerk vor allem von der Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerksrechnungen und den rege in Anspruch genommenen zinsgünstigen Kreditprogrammen für die energetische Gebäudesanierung. Bei einem Auftragsvorlauf von 7,3 Wochen und einer überdurchschnittlichen Betriebsauslastung sprechen 86 Prozent dieser Unternehmen von guter oder befriedigender Geschäftslage. Nicht zu übersehen ist allerdings, so auch im Kfz-Bereich, dass größere Ausgaben bis zum Jahresende vorgezogen werden, um die Erhöhung der Mehrwertsteuer noch zu umgehen. So fehlt die langfristige Perspektive.
Nicht alle im Konjunkturhoch dabei
Trotz branchenübergreifend gestiegener Betriebsauslastung, deutlicher Umsatzsteigerung, verbessertem Auftragsbestand und erkennbarer Investitionsneigung verspüren nicht alle Handwerkszweige eine deutliche konjunkturelle Belebung. Geringer fällt diese bei den Nahrungsmittelberufen und bei den personenbezogenen Dienstleistern aus. Besonders die Gesundheitshandwerke haben die negativen Konsequenzen der Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen noch nicht überwunden. Hier sind lediglich 53 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftslage zufrieden und berichten als einzige Branche von unterdurchschnittlicher Geschäftsauslastung. Hohe Energie- und Kraftstoffpreise sowie gestiegene Beschaffungskosten dämpfen die Hoffnung auf eine deutlich bessere Ertragslage, denn die wenigsten Betriebe können höhere Verkaufspreise bei den Kunden durchsetzen.
Wieder mehr Betriebe stellen ein
Bemerkenswert ist die Beschäftigungsentwicklung. Erstmals liegt die Zahl der Betriebe, die Mitarbeiter einstellen konnten, über der Zahl der Unternehmen, die ihren Personalbestand verringern mussten. Bei 73 % der Unternehmen hat es keine Veränderungen gegeben. Die Aussichten für das nächste Quartal sind optimistischer als in den Jahren zuvor, doch erwartungsgemäß eher zurückhaltend.
Wenn nur die Steuer- und Abgabenbelastung nicht wäre
Ob der Aufschwung über die Jahreswende anhält, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der bisher umstrittenen Steuer- und Gesundheitsreform ab. Massive neue Belastungen aus Beiträgen und Steuern lassen das Vertrauen in den Reformkurs der Regierungskoalition und die Hoffnung auf nachhaltige wirtschaftliche Stabilität sinken, erklärt Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Artymiak.
Die Handwerkskammer befürchtet vor allem mit der Mehrwertsteuererhöhung ein Einknicken der Binnenkonjunktur. Unsere Betriebe sind in der Mehrzahl auf den regionalen Markt angewiesen. Es wäre falsch zu meinen, die Wachstumszahlen resultieren allein aus dem guten Exportgeschäft. Ohne die gute Binnennachfrage in diesem Jahr wäre unser Wirtschaftswachstum nicht erreicht worden. Deshalb warnen wir eindringlich vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Führt tatsächlich kein Weg daran vorbei, dann sollte die Bundesregierung als gewisse Abpufferung den Steuerbonus auf Handwerkerleistungen anheben und die Förderung der energetischen Gebäudesanierung vorantreiben.
Entscheidend für nachhaltiges Wachstum sei aber, so der Hauptgeschäftsführer, dass die notwendigen Strukturreformen wie beispielsweise die Unternehmenssteuerreform zügig verabschiedet werden. Und der vorliegende Entwurf zur Gesundheitsreform gehöre noch einmal auf den Prüfstand. Eine Reform müsse bewirken, dass die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sinken und von der Lohnentwicklung abgekoppelt werden. Zusätzliche Belastungen verhindern mehr Wachstum und damit auch mehr Beschäftigung.

