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Mi, 21:05 Uhr
27.09.2006

Demokratiemüde ernstnehmen

Nordhausen (nnz). Die Rechtsextremen machen nicht vor Nordhausen Halt, auch wenn sie nicht so stark im Stadtbild präsent sind. Heute klärte die Friedrich Ebert Stiftung über ihre Aktivitäten und Ziele auf. Eine Gesprächsrunde im Bürgersaal.

Anscheinend besteht großes Interesse am Thema Rechtsradikalismus. Der Bürgersaal war heute Abend gut gefüllt, es mußten sogar noch weitere Stühle beschafft werden. Menschen jedes Alters und aller politischer Parteien waren der Einladung der Friedrich Ebert Stiftung gefolgt. Drei thematische Vorträge wurden geboten.

Dr Dietmar Molthagen sprach zu den Tendenzen des Rechtsextremismus in Deutschland und seinen politischen Strategien. Er zeigte Beispiele von rechtsextremen Internetseiten und Katalogen, wo sich vor allem Jugendliche mit entsprechender Musik und Kleidung eindecken. Inzwischen sei der Rechtsextremismus weniger erkenntlich als Anfang der 90er Jahre. Der Skinhead in Bomberjacke und Springerstiefeln mache nicht mehr den Hauptteil der Bewegung aus. Die Rechten organisierten sich in Parteien wie der aktuell bei Wahlen erfolgreichen NPD. Sie stellten sich als Stimme des kleinen Mannes dar und könnten damit besonders im ländlichen Raum punkten. „In Städten haben Nazis nach wie vor schlechte Karten“ sagte Molthagen. Bei Jugendlichen hingegen nicht. Diese ließen sich mit Angeboten wie der Schulhof-CD oder durch Freizeitangebote locken. Ein weiteres Problem sei es, daß immer mehr Frauen in rechtsextremen Gruppen mitwirken. „Früher haben wir etwas blauäugig gedacht, wenn der Junge erst mal eine Freundin hat und eine Lehrstelle, dann kommt er automatisch aus der Szene raus.“
Inzwischen ist das anders, berichtet die Politologin Ellen Esen. Keine NPD Veranstaltung käme heute noch ohne Kinderprogramm aus. Es gibt eigene Mutter und Kind Gruppen der rechten Parteien und Familientage. Durch Hüpfburgen und Spiele solle der Kontakt geknüpft werden. Aktuelle Wahlergebnisse zeigen, daß dieses Konzept aufgeht.

Ellen Esen zeigt auch auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Bedrohung durch Rechtsextremisten ist. Ältere Leute, die Abends nicht weggingen und wenig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, würden kaum etwas davon mitbekommen, da sich die Rechten ein ziviles Aussehen zugelegt haben. „Junge Leute berichten mir aber immer wieder von Übergriffen.“ So Esen. Das verwundert nicht, denn rein statistisch gesehene in Deutschland täglich rund drei rechtsextrem motivierte Gewalttaten. (2005: 958 Gewalttaten, eine Steigerung von 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Katja Fiebiger sollte aufklären, was man gegen die Bedrohung von Rechts tun könnte. Für die Nordhäuser war das besonders von Interesse, da am 07. Oktober eine Nazidemo durch die Stadt ziehen soll. Fiebiger blieb nicht mehr viel zu sagen, denn ihre Vorredner hatten dieses Thema bereits mehrfach angeschnitten. Sie wie Lehrer darauf hin, das Thema im Unterricht zu behandeln. Außerdem solle man die Politik- und Demokratiemüdigkeit der Bürger ernst nehmen. „Die Leute müssen merken, daß die Demokratie mehr zu bieten hat, als einfach ein Kreuz bei der NPD zu machen.“ Sagte sie.
Autor: nnz

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