Do, 07:27 Uhr
15.06.2006
nnz-Forum: Betrüger in Arbeitslager?
Nordhausen (nnz). Die Vorschläge, wie man mit Langzeitarbeitslosen umgehen soll, reißen nicht ab. Sie nehmen zum Teil skurrilen Charakter an. Dazu zwei Lesermeinungen im Forum der nnz.
Bald Internierungs- oder Arbeitslager für Langzeitarbeitslose?
So überraschend ist meines Erachtens der Vorstoß aus den Reihen der Union nicht, Langzeitarbeitslose zur täglichen gemeinnützigen Arbeit zwangszuverpflichten. Seit Wochen werden diese Menschen als Schmarotzer bezeichnet, die dem Staat nur auf der Tasche liegen. Die Meinungsmacher in der Koalition mit ihrem Sprachrohr, der Zeitung mit den großen vier Buchstaben, ereifern sich unisono über die Missbräuchler, die sich angeblich in Scharen jeder dem Gemeinwohl dienenden Tätigkeit entziehen. Durch skrupelloses Anspruchsdenken und perfide Täuschung der Behörden machen sie dem wohlmeinenden Sozialstaat den Garaus, wird behauptet. So könne das nicht weitergehen!
Wenn, was absehbar scheint, auch die jüngsten Nachjustierungen an den Hartz-Gesetzen nicht greifen, weil sie keine Arbeitsplätze schaffen, dann müssen eben tägliche Zählappelle her, bei denen die Verweigerer zu Arbeitskolonnen zusammengestellt werden. Man traut sich kaum, die Konsequenz aus solcher Denkungsart zu ziehen. Zum Zwecke der Optimierung der Kosten der Unterkunft könnte im nächsten Schritt die Zusammenlegung der Langzeitarbeitslosen in Arbeitslagern folgen. Auch die gemeinsame Beschaffung von Nahrung und Kleidung birgt beachtliches Sparpotenzial. Man könnte aber auch fürs Erste das Tragen einer römischen Vier auf der Brust der Hartz-Klientel anweisen, damit sie auf der Strasse als Sozialschmarotzer erkennbar sind.
Also: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, nicht aber für Sozialschwache, die in ihm leben.
Jürgen Nagel, Träger des Hartz IV-Abzeichens
70 Prozent sind Betrüger
Der Bundesrechnungshof behauptet allen ernstes, dass 70 Prozent aller Hartz IV – Empfänger nicht bedürftig sind. Ich frage mich, was das für Menschen sind, die so etwas behaupten, das können doch nur von der Regierung bezahlte Dummschwätzer sein, die jeden Realitätssinn verloren haben. Auch Herr Müller, Leiter der Arge Nordhausen, gibt zu bedenken, dass diese Zahl nicht stimmen kann. Seine Zahlen sprechen eine andere Sprache. Allerdings sagte er auch, dass in seiner Agentur rund 9.500 Mitteilungen eingegangen sind, in denen Hartz IV– Empfänger denunziert werden. Haben die Leute immer noch nicht genug von den Machenschaften der Stasi, oder feiern die Methoden der Stasi ihre Wiedergeburt?
Wenn man hört, dass Politiker offen dazu auffordern, sich gegenseitig zu bespitzeln. Aber es kommt noch besser, Politiker verlangen, eine Meldepflicht für die Bedürftigen, genau wie in der DDR. Da mussten sich die politisch anders Denkende, jeden Tag oder einmal in der Woche melden. Einen Herrn Stefan Müller von der CSU reicht das noch nicht aus, er verlangt den Arbeitsdienst, wie im Faschismus oder wie in der DDR, dort gab es ja die Arbeitslager, wo man die so genannten Staatsfeinde so richtig schikanieren konnte.
Müller denkt, damit kann er die künftigen Antragsteller davon abhalten, einen Antrag auf Bedürftigkeit zu stellen. Kann mir jemand sagen, was so ein Mann im Kopf hat? Noch eine Frage zum Schluss, warum werden diese Methoden und die die noch kommen werden, nicht bei den Steuerbetrügern angewandt? Wenn man diese Leute genau so unter die Lupe nehmen würde, wie einen Hartz IV-Empfänger, dann könnte der Staat Milliarden sparen.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnzBald Internierungs- oder Arbeitslager für Langzeitarbeitslose?
So überraschend ist meines Erachtens der Vorstoß aus den Reihen der Union nicht, Langzeitarbeitslose zur täglichen gemeinnützigen Arbeit zwangszuverpflichten. Seit Wochen werden diese Menschen als Schmarotzer bezeichnet, die dem Staat nur auf der Tasche liegen. Die Meinungsmacher in der Koalition mit ihrem Sprachrohr, der Zeitung mit den großen vier Buchstaben, ereifern sich unisono über die Missbräuchler, die sich angeblich in Scharen jeder dem Gemeinwohl dienenden Tätigkeit entziehen. Durch skrupelloses Anspruchsdenken und perfide Täuschung der Behörden machen sie dem wohlmeinenden Sozialstaat den Garaus, wird behauptet. So könne das nicht weitergehen!
Wenn, was absehbar scheint, auch die jüngsten Nachjustierungen an den Hartz-Gesetzen nicht greifen, weil sie keine Arbeitsplätze schaffen, dann müssen eben tägliche Zählappelle her, bei denen die Verweigerer zu Arbeitskolonnen zusammengestellt werden. Man traut sich kaum, die Konsequenz aus solcher Denkungsart zu ziehen. Zum Zwecke der Optimierung der Kosten der Unterkunft könnte im nächsten Schritt die Zusammenlegung der Langzeitarbeitslosen in Arbeitslagern folgen. Auch die gemeinsame Beschaffung von Nahrung und Kleidung birgt beachtliches Sparpotenzial. Man könnte aber auch fürs Erste das Tragen einer römischen Vier auf der Brust der Hartz-Klientel anweisen, damit sie auf der Strasse als Sozialschmarotzer erkennbar sind.
Also: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, nicht aber für Sozialschwache, die in ihm leben.
Jürgen Nagel, Träger des Hartz IV-Abzeichens
70 Prozent sind Betrüger
Der Bundesrechnungshof behauptet allen ernstes, dass 70 Prozent aller Hartz IV – Empfänger nicht bedürftig sind. Ich frage mich, was das für Menschen sind, die so etwas behaupten, das können doch nur von der Regierung bezahlte Dummschwätzer sein, die jeden Realitätssinn verloren haben. Auch Herr Müller, Leiter der Arge Nordhausen, gibt zu bedenken, dass diese Zahl nicht stimmen kann. Seine Zahlen sprechen eine andere Sprache. Allerdings sagte er auch, dass in seiner Agentur rund 9.500 Mitteilungen eingegangen sind, in denen Hartz IV– Empfänger denunziert werden. Haben die Leute immer noch nicht genug von den Machenschaften der Stasi, oder feiern die Methoden der Stasi ihre Wiedergeburt?
Wenn man hört, dass Politiker offen dazu auffordern, sich gegenseitig zu bespitzeln. Aber es kommt noch besser, Politiker verlangen, eine Meldepflicht für die Bedürftigen, genau wie in der DDR. Da mussten sich die politisch anders Denkende, jeden Tag oder einmal in der Woche melden. Einen Herrn Stefan Müller von der CSU reicht das noch nicht aus, er verlangt den Arbeitsdienst, wie im Faschismus oder wie in der DDR, dort gab es ja die Arbeitslager, wo man die so genannten Staatsfeinde so richtig schikanieren konnte.
Müller denkt, damit kann er die künftigen Antragsteller davon abhalten, einen Antrag auf Bedürftigkeit zu stellen. Kann mir jemand sagen, was so ein Mann im Kopf hat? Noch eine Frage zum Schluss, warum werden diese Methoden und die die noch kommen werden, nicht bei den Steuerbetrügern angewandt? Wenn man diese Leute genau so unter die Lupe nehmen würde, wie einen Hartz IV-Empfänger, dann könnte der Staat Milliarden sparen.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

