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Mo, 09:55 Uhr
06.11.2023
Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU

Inflations-Ebbe im Portemonnaie

Ein Problem lässt sich in der Gebäudereinigung nicht mehr wegwischen: wer hier arbeitet, hat ein massives Problem – und zwar im Portemonnaie, warnt die Gewerkschaft IG Bau...

Der Bezirksvorsitzende der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU Nordthüringen, Matthias Lötzsch übt heftige Kritik an den Arbeitgebern: „Wenn es darum geht, die Härte der Inflation abzufedern, zeigt die Reinigungsbranche den eigenen Leuten die kalte Schulter. Von Lebensmitteln bis zur Miete – die Preise schießen nach oben. Trotzdem gibt es für die, diejenigen, die Nordthüringen sauber halten, in den meisten Betrieben keinen Euro und keinen Cent extra. Inflationsausgleichsprämie für Reinigungskräfte – Fehlanzeige!“

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Der Vorwurf der IG BAU Nordthüringen: „Arbeitgeber in der Gebäudereinigung weigern sich seit Monaten, ihren Beschäftigten in der Inflation finanziell unter die Arme zu greifen“, so Matthias Lötzsch. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks sei nicht einmal zu Gesprächen bereit. Dabei sei die finanzielle Situation der meisten Reinigungskräfte dramatisch: „Bei ihnen herrscht ‚Inflations-Ebbe‘ im Portemonnaie. Hier geht es nämlich um Menschen, die die Inflation mit voller Wucht trifft. Wer in der Gebäudereinigung arbeitet, muss ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen. Denn Reinigungskräfte arbeiten immer noch für einen Niedriglohn“, sagt der Vorsitzende der IG BAU Nordthüringen.

Betroffen davon seien viele. „Sie halten Schulen, Büros und Arztpraxen sauber, wischen Flure, saugen Teppichböden und putzen Fenster. Die Frage ist nur: Wie lange noch?“, sagt Lötzsch. In der Reinigungsbranche herrsche längst ein „eigenes Inflationsgesetz“: „Hohe Inflationsrate – hohe Kündigungsrate. Denn je größer das Loch, das die Inflation in die private Haushaltskasse reißt, desto größer ist der Druck, der Branche den Rücken zu kehren. Es könnten mehr und mehr bei der Bodenwischmaschine den Stecker ziehen – für immer“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Vollzeitkräfte und vor allem aber auch Mini-Jobber hätten überhaupt kein Problem, woanders unterzukommen: „Die Gastronomie sucht genauso wie der Einzelhandel händeringend Leute“, sagt Matthias Lötzsch. Er warnt, die Arbeitgeber der Gebäudereinigung spielten „ein gefährliches Spiel“: „Sie sind dabei, ihr wichtigstes Kapital zu verpokern: Die Menschen, die für sie eine saubere Arbeit machen.“

Monat für Monat wachse der finanzielle Druck auf die Beschäftigten der Gebäudereinigung. Auch die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) für Oktober erwartete Inflationsrate von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat könne keine Gebäudereinigerin und kein Glasreiniger „einfach so wegstecken“. Bei Lebensmitteln seien die Preise „geradezu explodiert“. Die Sommerstatistik bezeichnet Lötzsch als „erschreckend“: „Ein Preisschub von über 27 Prozent bei Nahrungsmitteln innerhalb von nur zwei Jahren – das schlägt eins zu eins durch. Denn wer in der Gebäudereinigung arbeitet, der hat kein Polster im Portemonnaie.“

An die heimischen Bundestagsabgeordneten appelliert die IG BAU Nordthüringen, den „Warn-Notruf der Gebäudereinigung“ mit nach Berlin zu nehmen. „Denn dass es in einer ganzen Branche vor Inflationsausgleichsprämien-Verweigerern nur so wimmelt, ist zum Beispiel auch bei der Strompreisbremse ein wichtiger Punkt. Dann nämlich, wenn es darum geht, dass der Staat auch für das kommende Jahr den Fuß auf der Preisbremse behält. Denn sollte der gedeckelte Preis für Strom – wie geplant – Ende dieses Jahres auslaufen, dann würde dies gerade die Beschäftigten der Gebäudereinigung unvertretbar hart treffen. Solange sich Arbeitgeber in der Krise so verantwortungslos wie Unternehmer der Gebäudereinigung aus der Affäre ziehen, bleibt nur der Ruf nach staatlicher Hilfe“, sagt Matthias Lötzsch.
Autor: red

Kommentare
Müller
06.11.2023, 11.20 Uhr
Inflation ist die Folge der aktuellen Politik ?
Es ist die aktuelle Politik die alles teurer gemacht hat. Dann wird der Lohn erhöht dadurch Preise noch viel mehr erhöht und das so weiter bis das Brot 1000 Euro kostet? Wenn das Geld ins Ausland geht dann hat der Staat genug Geld................
Augen auf bei der Wahl. Nicht die die denen noch was haben es wegnehmen möchten sind die Lösung. Denn man kann es nur einmal wegnehmen. Wo kommt danach Geld her und wer erwirtschaftet dann noch was?
Lautaro
06.11.2023, 11.38 Uhr
Das Problem bei den Gewerkschaften....
Ist die Forderung nach den prozentualen Steigerungen ! Diese haben immer schon die gutverdienenden Arbeitnehmer und Angestellten bevorzugt.
Ein Angestellter mit 10 Prozent Steigerung bei 4000€ hat sicher einen Inflationsausgleich, während die Putzfrau mit 2000€ weit unter diesem bleibt. Diese mittelalterliche Praxis hat mich schon in den 90ern bewogen, den Gewerkschaften fern zu bleiben.
Warum fordern diese Leute nicht nominale Steigerungen zb. 200-300€ mehr für jeden Arbeitnehmer ?
Leser X
06.11.2023, 12.22 Uhr
Ebbe und Flut
Im Portemonnaie ist Ebbe. Weil bei der Inflation Flut ist. Leider kann hier die regulierende Wirkung des Mondes nicht greifen. Wie auch? Der weltweite Raubtierkapitalismus bricht zusammen, bevor wir uns um eine Nachfolge gekümmert haben...
Rob2000
06.11.2023, 18.39 Uhr
In Gottes
Namen...welche Putzfrau hat denn hier 2000 Euro monatlich?
Lautaro
07.11.2023, 02.08 Uhr
2300 € Brutto sind durchaus üblich..
bei einem mir bekannten Arbeitgeber. Da aber Netto nur 1600€ für die ausgelaugte Arbeitnehmerin im Säckel verbleibt, halte ich diesen "Lohn" immer noch für eine Peinlichkeit in der Vita dieses AGs ! Arbeit muss sich wieder lohnen!...so der Spruch eines Politikers, der neben seiner Anstellung als Minister noch 18(!) Beraterverträge ausfüllen musste.
Man stelle sich vor, dass die Putze während ihrer Arbeitszeit noch 18 zusätzliche Jobs ausfüllt ! Naja Herr Rob2000....ich hoffe, dass ich Ihr Weltbild nicht allzusehr erschütterte !
RWE
07.11.2023, 11.51 Uhr
Lautaro
es kommt auch auf Steuerklassen/Kinderfreibeträge an. Am besten, alle Löhne unter 2500 oder 3000 brutto abgabenfrei halten, dann lohnt sich Arbeit wieder. Und die Arbeitnehmer haben jetzt auch die Möglichkeit Lohnforderungen zu stellen. Die Zeit dafür ist jetzt.
Kobold2
07.11.2023, 12.31 Uhr
2000€
Also ich hab mal gelernt, das man im monatlichen Durchschnitt mit 21 Arbeitstagen rechnet....
Es liegt an jedem selbst, ob er sich zum Mindestlohn verschenkt.
12x8x21= ???
Der Branchenmindestlohn liegt seit gut einem Jahr in Thüringen bei 13€
Psychoanalytiker
07.11.2023, 14.32 Uhr
Geraderücken
Das Finanzamt rechnet bei "Vollarbeit" mit pauschal 174 Arbeitsstunden pro Monat. Warum das so ist? Keine Ahnung. Da das Finanzamt darauf beruhend Gelder einnimmt, sollte dies auch Berechnungsgrundlage sein. Mit 12 € Mindestlohn ergibt das ein Brutto in Höhe von 2.088 €.
(Bei Rentnern wird ähnlich gerechnet, aber die bekommen, selbst wenn sie eine gute Rente bekommen, so etwa 500 € (meist noch mehr) weniger.

Da die Angestellten in den verschiedenen Gewerkschaften ebenfalls von den ausgehandelten Erhöhungen profitieren, werden sie "den Teufel" tun, pauschale Erhöhungen zu vereinbaren. Mit prozentualen Zuschlägen kommt man doch viel besser zu seinem Geld. Zwar vergrößert sich die Schere zwischen hohen und niedrigen Löhnen, aber was solls, die Gier nach "300 €" Lohnerhöhung, während die unteren Lohngruppen nur "30 €" mehr bekommen, machts möglich.

Schlimm ist dabei auch das "Solidaritätsprinzip", will heißen, der "Chef" ist nicht in der Gewerkschaft, bekommt aber auch die ausgehandelte Erhöhung. Und der gewerkschaftlich organisierte Geringverdiener bekommt faktisch weniger Geld und muss davon noch den Gewerkschaftsbeitrag zahlen. So geht also "Gewerkschaft". Wozu dann Gewerkschaftsmitglied sein, wenns auch ohne geht? Dabei ziehen sich die Geringverdiener ihr Leibchen über und streiken, erzielen ein bestimmtes Ergebnis, und der nicht organisierte "Chef" ist der eigentliche Profiteur, lacht sich dumm und dämlich.

Das @ Lautario ist meine Antwort an Sie.

Man gaukelt den geringverdienenden Menschen, auch den nicht gewerkschaftlich organisierten, insgesamt vor, dass man es "gut mit ihnen meint" und zieht sie dann über den Tisch. Sie sollen dabei das Gefühl bekommen, dass es die entgegengebrachte Nestwärme ist, dabei ist es lediglich die Reibung, die die "Wärme" erzeugt und sie letztendlich "vera....t".

Und wenn es um Inflationsausgleich oder Wärmepauschale geht, dann rufen die Gutverdiener, auch Politiker oder Richter oder Verwaltungschefs, schnell "hierher" und vergessen Geringverdiener, Rentner oder Studenten. Naja, der Olaf Scholz vergisst ja gerne etwas, warum nicht auch Zuwendungen an die, die sowieso an der Armutzgrenze kratzen. Sozial ist das für mich nicht, liebe "?PD" des Olaf.
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