Mi, 07:10 Uhr
24.05.2006
Geschwächter DGB?
Nordhausen (nnz). Möglicherweise ist es der Streit um Vorstandsmitglied Ursula Engelen-Kefer: Bei seiner Wiederwahl zum DGB-Vorsitzenden erhielt Michael Sommer deutlich weniger Zustimmung als zuletzt.
Wahlen in Ostdeutschland ziehen eigentlich stets das gleiche Echo nach sich: Wurde der Kandidat mit über 90 Prozent gewählt ist es ein sozialistisches, liegt es darunter, ein mäßiges Ergebnis. Der Unterton ist jeweils Ironie oder Häme. Im Falle der gestrigen Wiederwahl Michael Sommers zum DGB-Chef beim Bundeskongress in Berlin scheint noch eine besondere Problematik mitzuspielen.
Michael Sommer steht für weitere vier Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): Die rund 400 Delegierten auf dem Bundeskongress in Berlin bestätigten ihm im ersten Wahlgang als Vorsitzenden. Das Ergebnis fiel mit 78,4 Prozent allerdings weitaus schwächer aus als vor vier Jahren: Für seine erste Amtszeit hatte er 94 Prozent der Stimmen erhalten.
Möglicherweise spielt der Streit um das Vorstandsmitglied Ursula Engelen-Kefer eine Rolle bei dem schlechten Abschneiden Sommers: Die langjährige, der SPD angehörende Vize des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterlag - nach Monate langem Tauziehen - bei der Vorstandswahl in einer dramatischen Kampfabstimmung. Als neue DGB-Vize konnte sich die vom Vorstand einstimmig nominierte CDU-Gewerkschafterin Ingrid Sehrbrock durchsetzen.
Bis zuletzt hatte Engelen-Kefer eine Kampfkandidatur offen gelassen. Letztlich wurde sie dazu von einem Delegierten der IG Metall unter großem Beifall aufgefordert. Sie erhielt 43,2 Prozent, Sehrbrock 56,8 Prozent. Das Argument des erweiterten Vorstandes - einschließlich der Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften - gegen Engelen-Kefer war deren Alter. Findungskommissar Franz-Josef Möllenberg (NGG) sagte unter Buh-Rufen und Pfiffen, die Gewerkschaften könnten nicht gegen die von der großen Koalition geplante Rente mit 67 angehen, und eine fast 63-Jährige für weitere vier Jahre im Amt lassen.
Sehrbrock unterstrich vor dem Wahlgang, sie habe sich immer verstanden als Brücke zu meiner Partei. Mit Blick auf die große Koalition von Union und SPD war dies ein wesentliches Argument für die Nominierung als DGB-Vize. Die Personalentscheidungen im DGB werden in aller Regel einvernehmlich getroffen. Die letzte Kampfabstimmung in der DGB-Spitze war 1952. Der DGB hat in den vergangenen vier Jahren 1,1 Millionen Mitglieder verloren.
Autor: nnzWahlen in Ostdeutschland ziehen eigentlich stets das gleiche Echo nach sich: Wurde der Kandidat mit über 90 Prozent gewählt ist es ein sozialistisches, liegt es darunter, ein mäßiges Ergebnis. Der Unterton ist jeweils Ironie oder Häme. Im Falle der gestrigen Wiederwahl Michael Sommers zum DGB-Chef beim Bundeskongress in Berlin scheint noch eine besondere Problematik mitzuspielen.
Michael Sommer steht für weitere vier Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): Die rund 400 Delegierten auf dem Bundeskongress in Berlin bestätigten ihm im ersten Wahlgang als Vorsitzenden. Das Ergebnis fiel mit 78,4 Prozent allerdings weitaus schwächer aus als vor vier Jahren: Für seine erste Amtszeit hatte er 94 Prozent der Stimmen erhalten.
Möglicherweise spielt der Streit um das Vorstandsmitglied Ursula Engelen-Kefer eine Rolle bei dem schlechten Abschneiden Sommers: Die langjährige, der SPD angehörende Vize des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterlag - nach Monate langem Tauziehen - bei der Vorstandswahl in einer dramatischen Kampfabstimmung. Als neue DGB-Vize konnte sich die vom Vorstand einstimmig nominierte CDU-Gewerkschafterin Ingrid Sehrbrock durchsetzen.
Bis zuletzt hatte Engelen-Kefer eine Kampfkandidatur offen gelassen. Letztlich wurde sie dazu von einem Delegierten der IG Metall unter großem Beifall aufgefordert. Sie erhielt 43,2 Prozent, Sehrbrock 56,8 Prozent. Das Argument des erweiterten Vorstandes - einschließlich der Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften - gegen Engelen-Kefer war deren Alter. Findungskommissar Franz-Josef Möllenberg (NGG) sagte unter Buh-Rufen und Pfiffen, die Gewerkschaften könnten nicht gegen die von der großen Koalition geplante Rente mit 67 angehen, und eine fast 63-Jährige für weitere vier Jahre im Amt lassen.
Sehrbrock unterstrich vor dem Wahlgang, sie habe sich immer verstanden als Brücke zu meiner Partei. Mit Blick auf die große Koalition von Union und SPD war dies ein wesentliches Argument für die Nominierung als DGB-Vize. Die Personalentscheidungen im DGB werden in aller Regel einvernehmlich getroffen. Die letzte Kampfabstimmung in der DGB-Spitze war 1952. Der DGB hat in den vergangenen vier Jahren 1,1 Millionen Mitglieder verloren.

