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So, 15:11 Uhr
02.07.2023
Zum 99. Geburtstag von Heinz Scharr

Es treibt, dass man was machen muss

Am 1. Juli wurde der Künstler Heinz Scharr vor 99 Jahren in Sondershausen geboren, der Stadt, der er gewogen blieb, auch, als er 1975/76 in das ehemalige Anwesen des Deutschen Ritterordens nach Utterode/Rehungen in den Landkreis Nordhausen zieht...

Dort erwarteten ihn und seine Frau Jutta eine Daueraufgabe, die Restaurierung und Gestaltung des großen Vierseitenhofes. An diesem historischen Ort schuf Scharr dann weiter an seinem sehr umfassenden künstlerischen Gesamtwerk aus Handzeichnungen, unterschiedlichen grafische Drucktechniken, Malerei, Metallplastiken, Holzplastiken, Keramikskulpturen.

Jutta und Heinz Scharr in der Klostergalerie Utterode (Foto: Heidelore Kneffel) Jutta und Heinz Scharr in der Klostergalerie Utterode (Foto: Heidelore Kneffel)


Sein Arbeitsdrang hielt bis kurz vor seinem Tod in Utterode am 5.7.2017 an. „Wenn sie ganz alt werden, soll man immer noch versuchen, besser zu werden, man kann immer weiter lernen!“ Nach einer bewegenden Trauerfeier wurde der Künstler auf dem Friedhof in Sondershausen beigesetzt.

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Scharr wurde auch bekannt und anerkannt durch Bildwerke für den öffentlichen Raum, nicht alle haben über das Jahr 1990 hinaus existieren dürfen. In Sondershausen sieht man in der Stadt als Metallplastiken eine Kröte, einen Pfau und Fische, auf dem Schern einen imponierenden Hahn, der repariert werden müsste. Frost hat ihm zugesetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob alle diese Kunstwerke als von diesem Künstler gestaltet gekennzeichnet worden sind.

In Nordhausen steht auf der oberen Plattform des Turmes der ehemaligen Petrikirche eine hochragende Metallplastik, den Opfern des 2. Weltkrieges gewidmet. Von seinen Außenarbeiten ist am berühmtesten die 1979 beendete, aus Kupfer gestaltete Bogenwand vom Leidensweg der Gefangenen aus Mittelbau-Dora. Er gestaltete darauf Reliefs einzelner Häftlinge, von Zweier- und Dreiergruppen. Auch die Metallschrift für die Textgestaltung trug man ihm auf. Der Leidenszug wird von einer liegenden Rose und der Jahreszahl 1997 beendet. Die Jahreszeiten zeichneten ihre Spuren auf das Kupfer. Dadurch wird der Ausdruck der Wand als Hinweis auf Leben und Vergehen gesteigert, eine Erscheinung, die Scharr bereits bei der Gestaltung bedachte.

In Sondershausen befinden sich ausgestellte Arbeiten von Scharr im Bürgerzentrum Cruciskirche. Diese ehemalige Kirche wollte er einstmals von der Stadt als Atelier erwerben. Ab April 2022 gibt es in der Hauptstraße 24 in Sondershausen eine Dauerausstellung von Werken des Künstlers, geöffnet Dienstag und Freitag von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Die Galerie heißt HS 24, ist aber zu unauffällig im Straßenzug.

Zum 85. Geburtstag 2009 gab es mehrere Ausstellungen in Nordhausen und Sondershausen, darunter eine im Marstall, die sehr sehr gute Kritiken erhielt. Ein Film entstand, der die Arbeitsweise des Künstlers einprägsam vorstellte und vom Schlossmuseum wurde der Katalog: „Heinz Scharr. Das Werk“ herausgegeben, vielfach gesponsert.

Eine beeindruckende Präsentation fand 2014 zum 90. Geburtstag im Panorama Museum in Bad Frankenhausen statt, eine angemessene Würdigung der herausragenden Schöpferkraft dieses Künstlers. Im Katalog „Heinz Scharr Kraft der Natur“, sehr empfehlenswert, herausgegeben von Gerd Lindner, stehen aufschlussreiche Texte von mehreren Autoren, die die Persönlichkeit dieses Künstlermenschen in vielfältiger Form herausarbeiteten. Zahlreiche Abbildungen vertiefen den Eindruck vom Ort Utterode und vom Reichtum des künstlerischen Werkes.

2014 gab es noch ein bemerkenswertes Ausstellungsprojekt. Im Angermuseum in Erfurt sah man: „Unterm Strich Zeichenkunst aus sieben Thüringer Ateliers.“ Scharrs wahrhaft großflächige Bilder über die Natur in ihrer Schönheit, in ihrer Bedrohung ließen bei so manchem den Atem stocken. In ihrer Bewegtheit, in ihrer Vibration der Strichführung wirkten „ Vegetativ“, „Am Fuße der Berge I-V“ als Diptychon, „Der Wald wehrt sich“ als Diptychon wie Sinnbilder unserer Zeit habt acht, passt auf!

Nächstes Jahr ist es 100 Jahre her, dass Heinz Scharr das Licht der Welt erblickte. Der Umfang seines Gesamtwerkes ist beeindruckend. Man darf gespannt sein, was den Kunstbegeisterten davon dargeboten wird. Ein Jahr geht schnell herum.
Heidelore Kneffel
Autor: agl

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