So, 09:25 Uhr
30.04.2006
Kommt die Dose wieder?
Nordhausen (nnz). Ab dem 1. Mai 2006 müssen Einzelhändler alle pfandpflichtigen Getränkeverpackungen zurücknehmen - egal, ob die Dosen oder Flaschen bei ihnen gekauft wurden. Das Ende der "Insellösung" könnte gleichzeitig die Rückkehr der Dose bedeuten. Das meint nicht nur nnz.
Vor drei Jahren schien die Zeit der Dose vorüber zu sein. Die Verpackungsverordnung hatte sie pfandpflichtig gemacht und die Rücknahme war so problematisch, dass die Dose quasi über Nacht aus den Läden verschwand. Wurden 2002 noch 7,5 Milliarden Dosen verkauft, waren es 2004 gerade noch 500 Millionen. Doch die Dosenindustrie schöpft wieder Hoffnung. "Aus Umfragen geht hervor, dass junge Verbraucher die Dose schätzen", sagte Sylvia Blömker von Ball Packaging, dem größten deutschen Dosenhersteller aus Ratingen im WDR, "sie ist geht nicht so schnell kaputt, ist leicht und hat ein junges Image."
Trotz Pfand - Blömker glaubt an ein Dosencomeback: "Softdrink-Hersteller, Brauereien und Handelsketten haben signalisiert, dass sie Dosen wieder ins Sortiment aufnehmen wollen." Der Einzelhandelsverband ist da deutlich vorsichtiger. Ob die Dose tatsächlich wieder massenhaft verkauft wird? "Das ist ein Blick in die Glaskugel", sagt Geschäftsführer Thomas Thienen. Am Ende entscheide nur der Kunde: "Wir werden die Dose nicht bevorzugen, aber wenn der Verbraucher nach ihr fragt, wird er sie bekommen."
Die Verbraucherzentrale hofft auf das Gegenteil. Eine Rückkehr der Dose werde die Mehrwegflasche unter Druck setzen, sagt Gabriela Fleischer, Umweltreferentin der Verbraucherzentrale. "Die Leute werden fälschlicherweise glauben, dass eine Pfanddose nun genauso umweltverträglich ist wie die Glasflasche." Gleichzeitig begrüßt sie, dass Getränkeverpackungen bis auf wenige Ausnahmen überall zurückgenommen werden: "Der Verbraucher muss nicht mehr überlegen, wo er welche Flasche gekauft hat." Einheitlich wird auch der Pfandtarif: Der liegt bei Einwegflaschen künftig bei 25 Cent.
Trotzdem erwartet die Verbraucherschützerin ab dem 1. Mai ein "Riesentheater" in den Supermärkten. "Die Automaten akzeptieren nur Flaschen, die nach dem 1. Mai gekauft worden sind. Das wissen die meisten Leute aber nicht, also werden viele Kunden frustriert und ohne Pfand nach Hause geschickt werden. Und beim nächsten Mal werfen sie die Verpackung lieber gleich weg." Rund eine Milliarde Euro habe der Handel seit 2003 an nicht zurückgebrachten Pfandflaschen verdient, schätzt Fleischer.
Der Einzelhandel kritisiert die Änderungen ebenfalls. Schließlich, so eine Schätzung, müssen die Einzelhändler etwa eine Milliarde Euro in 30.000 neue Automaten investieren. "Wir können die Getränkepreise jedoch nicht erhöhen, weil wir in Deutschland den härtesten Wettbewerb Europas haben", sagt Thomas Thienen vom Einzelhandelsverband NRW. Die Gewinne seien minimal. Da werde niemand die Kosten an die Verbraucher weitergeben und Gefahr laufen, Kunden zu verlieren. Daher werde auch bei der Anschaffung neuer Automaten vielerorts zunächst einmal abgewartet. "Der günstigste Pfandautomat kostet etwa 10.000 Euro, das ist richtig viel Geld." Aus der Sicht des Einzelhandels, so Thienen, "ist das Entsorgungssystem also weiterhin weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll."
Autor: nnzVor drei Jahren schien die Zeit der Dose vorüber zu sein. Die Verpackungsverordnung hatte sie pfandpflichtig gemacht und die Rücknahme war so problematisch, dass die Dose quasi über Nacht aus den Läden verschwand. Wurden 2002 noch 7,5 Milliarden Dosen verkauft, waren es 2004 gerade noch 500 Millionen. Doch die Dosenindustrie schöpft wieder Hoffnung. "Aus Umfragen geht hervor, dass junge Verbraucher die Dose schätzen", sagte Sylvia Blömker von Ball Packaging, dem größten deutschen Dosenhersteller aus Ratingen im WDR, "sie ist geht nicht so schnell kaputt, ist leicht und hat ein junges Image."
Trotz Pfand - Blömker glaubt an ein Dosencomeback: "Softdrink-Hersteller, Brauereien und Handelsketten haben signalisiert, dass sie Dosen wieder ins Sortiment aufnehmen wollen." Der Einzelhandelsverband ist da deutlich vorsichtiger. Ob die Dose tatsächlich wieder massenhaft verkauft wird? "Das ist ein Blick in die Glaskugel", sagt Geschäftsführer Thomas Thienen. Am Ende entscheide nur der Kunde: "Wir werden die Dose nicht bevorzugen, aber wenn der Verbraucher nach ihr fragt, wird er sie bekommen."
Die Verbraucherzentrale hofft auf das Gegenteil. Eine Rückkehr der Dose werde die Mehrwegflasche unter Druck setzen, sagt Gabriela Fleischer, Umweltreferentin der Verbraucherzentrale. "Die Leute werden fälschlicherweise glauben, dass eine Pfanddose nun genauso umweltverträglich ist wie die Glasflasche." Gleichzeitig begrüßt sie, dass Getränkeverpackungen bis auf wenige Ausnahmen überall zurückgenommen werden: "Der Verbraucher muss nicht mehr überlegen, wo er welche Flasche gekauft hat." Einheitlich wird auch der Pfandtarif: Der liegt bei Einwegflaschen künftig bei 25 Cent.
Trotzdem erwartet die Verbraucherschützerin ab dem 1. Mai ein "Riesentheater" in den Supermärkten. "Die Automaten akzeptieren nur Flaschen, die nach dem 1. Mai gekauft worden sind. Das wissen die meisten Leute aber nicht, also werden viele Kunden frustriert und ohne Pfand nach Hause geschickt werden. Und beim nächsten Mal werfen sie die Verpackung lieber gleich weg." Rund eine Milliarde Euro habe der Handel seit 2003 an nicht zurückgebrachten Pfandflaschen verdient, schätzt Fleischer.
Der Einzelhandel kritisiert die Änderungen ebenfalls. Schließlich, so eine Schätzung, müssen die Einzelhändler etwa eine Milliarde Euro in 30.000 neue Automaten investieren. "Wir können die Getränkepreise jedoch nicht erhöhen, weil wir in Deutschland den härtesten Wettbewerb Europas haben", sagt Thomas Thienen vom Einzelhandelsverband NRW. Die Gewinne seien minimal. Da werde niemand die Kosten an die Verbraucher weitergeben und Gefahr laufen, Kunden zu verlieren. Daher werde auch bei der Anschaffung neuer Automaten vielerorts zunächst einmal abgewartet. "Der günstigste Pfandautomat kostet etwa 10.000 Euro, das ist richtig viel Geld." Aus der Sicht des Einzelhandels, so Thienen, "ist das Entsorgungssystem also weiterhin weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll."


