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So, 09:12 Uhr
02.12.2001

Preise klettern mit dem Euro

Nordhausen (nnz). Alle Appelle an den Handel durch die Fachverbände, durch Verbraucherzentralen oder Gewerkschaften scheinen wirkungslos: die Einführung des Euro wird zu Preissteigerungen genutzt werden.


Gerade stellte die Verbraucherzentrale Thüringen fest, dass viele Preise im Food- und Non-food-Bereich steigen. Bei einem bundesweiten Test bei 900 Artikeln in Warenhäusern stellte man nach Äußerungen von Werner Zeidler vom Landesverband der Verbraucherschützer teilweise Erhöhungen bis zu einem Drittel fest. Seiner Meinung wird danach allerdings binnen eines viertel Jahres wieder Normalität einkehren. Die Konsumenten sollten deshalb kritisch die Preisentwicklung verfolgen. Einfach allerdings ist das nicht immer.

Wer im Supermarkt genau hinschaut, entdeckt selbst bei einigen Produkten Preisanhebungen. Zwar bestreitet der Handel den Zusammenhang mit der Währungsumstellung, aber die Verbraucherschützer argwöhnen bereits seit längerem: „Der Verdacht einer Euro-Preiserhöhung ist immer dann gegeben, wenn ein Produkt, das zuvor zu einem verkaufsfördernden Mark-Schwellenpreis zu haben war, plötzlich zu einem ungewohnt krummen Preis angeboten wird, der Preis aber in Euro wieder einen Schwellenpreis ergibt“, heißt es z.B. bei der Verbraucherzentrale Hamburg: Beispiel: Das Produkt kostet bisher 2,95 Mark, wird jetzt mit 3,11 Mark ausgezeichnet - was im Januar 1,59 Euro entspricht

Die Hamburger Verbraucherzentrale Verbraucher-Zentrale hat eine „Euro-Sünder-Kartei“ eingerichtet, in der Verbraucher ihre Beobachtungen im Handel festhalten. Und da zeigt sich bereits: Es gibt mitunter nicht nur deutliche Preiserhöhungen, etwa bei Brot und Brötchen, sondern auch vermeintlich pfiffige Tricks. Der ursprüngliche Mark-Preis wird schon lange vor der Einführung des Euro-Bargeldes so angehoben, dass sich ein krummer Euro-Betrag ergibt, etwa 2,01 Euro. Im Januar dann zeigt sich der Händler großzügig und senkt auf 1,99 Euro. Dass der Mark-Preis vorher noch niedriger lag, wird allerdings verschwiegen. Die Lebensmittelkette „Intermarchè“ schraubte den Preis für einen Liter Milch von 0,95 Mark auf 1,19 Mark nach oben, was 0,61 Cent entspricht. „Ob hier wohl später großzügig auf 0,59 Euro abgerundet wird?“ fragt sich die Verbraucherzentrale.

Vereinzelt haben Verbraucherschützer auch einen anderen Weg zu höheren Preisen entdeckt. Dann wird der Preis-Vergleich Mark-Euro noch schwieriger: Ein Glas Schwartau-Marmelade gab es bis vor wenigen Wochen im 450-Gramm-Glas für 3,29 Mark. Jetzt kostet das Glas nur noch 2,99 Mark, allerdings mit nur noch 340 Gramm Marmelade. Damit wird der Brotaufstrich mit einem Schlag um runde 20 Prozent teurer. So lässt sich leicht auf die neue Währung umstellen. Das denkt sich wohl auch jener Händler, der die Packung mit 58 Pampers-Windeln für 28,98 Mark oder 14,82 Euro verkauft hat und jetzt nur noch 12,75 Euro oder 24,94 Mark verlangt. Allerdings stecken nur noch 43 Windeln im Paket. Der niedrige Euro-Preis für die Packung legt eine falsche Spur. Ähnliches hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bei Zahnpasta-Tuben und bei Kaugummi entdeckt.

Verhindern kann diese klammheimliche Preiserhöhung niemand. Allerdings hat der deutsche Einzelhandel in einer Selbstverpflichtung grundsätzlich zugesagt, die Euro-Bargeld-Einführung nicht für Preiserhöhungen auszunutzen. Die heute durch die Verbraucherzentrale Thüringen öffentlich gemachte Studie bestätigt das indessen nicht. Allerdings - und das soll ebenso erwähnt werden - gibt es auch löbliche Beispiele wie das Möbelhaus Ikea: Bei der Umstellung auf das neue Sortiment im August haben die Schweden nicht nur auf jede Preiserhöhung verzichtet - Ikea-Möbel sind dank des Euro im Durchschnitt sogar billiger geworden.
Autor: nnz

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