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Do, 14:02 Uhr
22.11.2001

Die Rettung eines Scherbenhaufens

Nordhausen (nnz). Es war ruhig geworden entlang der Kyffhäuserstraße. Ruhig um das ehemalige Unternehmen Polygraph. Doch diese Ruhe ist trügerisch und das im positiven Sinn.


Neues Outfit in der Kyffhäuserstraße 7 Die „alte Polygraph“ wurde am 9. März 1994 beerdigt. Offiziell hieß das damals Konkursverfahren. Der wichtigste Abnehmer in Leipzig hatte die „wirtschaftlichen Segel gestrichen“. Nächtelang dachte Geschäftsführer Rüdiger Ittner nach wie der Scherbenhaufen zu retten sei. Ein wenig Glück hatte Ittner mit dem ihm zugeteilten Konkursverwalter: Carsten Bloß. Der Erfurter Rechtsanwalt spielte auch bei den Maschinenbauern in der Kyffhäuserstraße eine herausragende Rolle. Er wickelte nicht nur ab, sondern versuchte zu helfen.

Am 5. April 1994 schlug die Geburtsstunde der „Graphischer Maschinenbau Nordhausen GmbH“ (GMN). Fünf bereits entlassene Mitarbeiter reaktivierte Ittner, drei Gesellschafter taten sich zusammen, Carsten Bloß stand den Maschinenbauern immer noch zur Seite. Das neue Unternehmen konnten die Räumlichkeiten und die Maschinen des alten auf Mietbasis nutzen. Ittner selbst saß in einem klitzekleinen Büro mit Schreibtisch, Thermoskanne und einem PC. Dann der erste kleine Strohhalm: Zwei Aufträge für Tapetenanlagen. Die Auftraggeber hatten Vertrauen in die Arbeit der Nordhäuser, ­ man kannte sich aus früheren Jahren ­ sie leisteten sogar eine Anzahlung für die Produktion. Aus dieser Zeit resultiert ein Standbein des Unternehmens. Das ist die Produktion von Klebebindemaschinen. Erst wurden die Maschinen über einen Fachhändler verkauft, jetzt vermarkten die Leute von GMN ihre Produkte selbst. Kunden sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kanada oder Indien zu finden.

Ab Ende 1994 ging es dann Schlag auf Schlag. Filterfaltmaschinen wurden in das Produktionssortiment aufgenommen, auf den Nordhäuser Maschinen werden Industriefilter und Kfz-Filter hergestellt. In diesem Jahr standen auf den Transportkisten als Zielorte Städte in Chile, China oder Tunesien.

Ohl und Ittner Die Entwicklung in der Kyffhäuserstraße verlief fast lautlos nach außen hin. Sie es wert, auch an Hand von Zahlen öffentlich gemacht zu werden. Aus den einst fünf Mitarbeitern sind 40 geworden. Vier Lehrlinge lernen im Unternehmen. Ein Azubi hat ausgelernt und wurde übernommen, der nächste wird im Februar 2002 seine Prüfung ablegen, er soll ebenfalls übernommen werden. Der Umsatz der ersten neun Monate des Jahres 1994 ist nahezu identisch mit den eines Monats in diesem Jahr. Von 1999 zu 2000 konnte der Umsatz um 40 Prozent gesteigert werden, auch in diesem schwierigen Jahr 2001 wird ein leichter Umsatzanstieg als unternehmerisches Ziel ausgegeben.

Heute hat sich Bundestagsabgeordneter Eckhard Ohl (SPD) bei GMN umgesehen und vorgestellt. Rüdiger Ittner hat vom unternehmerischen Gestern, Heute und Morgen erzählt. Der Geschäftsführer habe ein positives Gefühl nach der parlamentarischen Stippvisite, Ohl verfüge über exzellente politische Kontakte, vor allem in die arabische Region. Auch an der Kyffhäuserstraße in Nordhausen weiß man: Verbindungen schaden nur dem, der keine hat. Ittner und Ohl versprachen sich im Frühjahr wiederzusehen.
Autor: nnz

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