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Do, 15:34 Uhr
23.06.2022
Neustart in der Flohburg

Ein Nordhäuser Haus und seine bewegte Geschichte

Seit zehn Jahren ist die lange Nordhäuser Stadtgeschichte in der Flohburg zu Hause. Dabei ist das Haus selbst ein Abbild der Wogen, welche die Stadt über die Jahrhunderte bewegt haben. Im Museum will man die Geschichte der Flohburg anlässlich des Jubiläums wieder einmal in den Blick nehmen und damit auch eine inhaltliche Rückbesinnung einläuten…

Die Flohburg feiert in diesen Tagen ihren 10. Geburtstag (Foto: Vincent Eisfeld/NordhausenWiki) Die Flohburg feiert in diesen Tagen ihren 10. Geburtstag (Foto: Vincent Eisfeld/NordhausenWiki)


In der Geschichte gibt es die schöne Begrifflichkeit „pars pro toto“ - ein Teil, der für das Ganze steht. Man kann, mit dem nötigen Hintergrundwissen und den passenden „Werkzeug“ ganze Epochen anhand eines einzelnen Hauses oder auch nur eines Gegenstandes erkunden und erklären.

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Eben dieses „pars pro toto“ sollte die Stärke des stadthistorischen Museums Flohburg sein. Es geht nicht allein um das Wohl und Wehe einer kleinen Stadt in der Mitte der deutschen Lande. Mit ihrer Geschichte, unserer Geschichte, dem Wohl und Wehe derjenigen, die hier über die Jahrhunderte gelebt, gelitten und geliebt haben, kann man Jung und Alt den großen Weltenlauf nahe bringen. Geschichte ist, wenn man sie eingehend betrachten will, ein hochkomplexes Gefüge. Wer es vermag sie zu durchdringen, anfängt sie zu verstehen und sich in die Vergangenheit hineinversetzen kann, dem wird es leichter fallen zu verstehen, wie man im Hier und Jetzt angekommen ist.

Im Grünen Salon kann man sich der Menschheitsgeschichte zur Zeit mit den Werken der polnischen Künstlerin Agnieszka Lisiak "Skórka" aus Ostrów Wielkopolski künstlerisch nähern. In Zukunft will man sich im Haus wieder verstärkt auf die zentralen Themen der Dauerausstellung konzentrieren (Foto: agl) Im Grünen Salon kann man sich der Menschheitsgeschichte zur Zeit mit den Werken der polnischen Künstlerin Agnieszka Lisiak "Skórka" aus Ostrów Wielkopolski künstlerisch nähern. In Zukunft will man sich im Haus wieder verstärkt auf die zentralen Themen der Dauerausstellung konzentrieren (Foto: agl)


Die Flohburg bietet diese Möglichkeit und zumindest die Grundschulen machen auch regen Gebrauch vom Museum um den Kindern ihre Heimatstadt nahe zu bringen. Die Kinderführungen sind ausgebucht, ist aus dem Haus zu erfahren, wen man aber vermisst, dass sind die höheren Klassenstufen und diejenigen, die keine Schulbank mehr drücken müssen. Deswegen will man mit dem 10jährigen Jubiläum zu den eigentlichen Stärken des Museums zurückkehren und die Inhalte der Dauerausstellung stärker in den Fokus rücken.

Über Wissen und Werkzeuge verfügt man unter anderem auch Dank der noch frischen Volontärin Jessica Müller, die schon an anderer Stelle gezeigt hat, das sie für die Stadtgeschichte brennt. Für die kommende Woche hat Müller eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses selbst auf die Beine gestellt, die eben nach dem Prinzip „pars pro toto“ funktioniert und wie ein begehbarer Bildband angelegt sein wird. Erläutert werden dabei die frühen Tage des „Bart’schen Hauses“ als Sitz des Thüringer Dienstadels, die bewegte „bürgerliche Nutzung“ als Wohnhaus, Brauhaus, Schankstätte und Theater, die Zeit der „kulturellen Dekadenz“ und allgemeinen Niedergangs, aus der auch der heute geläufige Name des Hauses stammt und schließlich die Renaissance der Bürgerlichkeit etwa ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Das alte Haus dient dabei als Spiegel der Stadtgeschichte die Wiederrum die allgemeinen historischen Strömungen reflektiert. So lässt sich zum Beispiel erläutern, was den Namen "Flohburg" mit den Auswüchsen des aufstrebenden Kapitalismus verbindet.

Die Ausstellung basiert auf der umfangreichen Arbeit des Dr. Peter Kuhlbrodt der sich, justament vor zehn Jahren, im ersten „Flohburgblatt“ ausgiebig mit der Geschichte des Hauses befasst hat. Die Ausstellung wird am kommenden Freitag um 15 Uhr eröffnet und wird für vier Wochen zu sehen sein.

Den ersten Aufschlag zum Jubiläum hat man mit der Vortragsreihe „10 Referenten - 10 Themen“ dann bereits hinter sich gebracht. Auch hier war die Idee, sich auf einzelne Aspekte der Nordhäuser Historie zu konzentrieren und das nicht als mehrstündige Marathonveranstaltungen, sondern in Form kurzer, knapper aber knackiger Ausflüge in die Vergangenheit.

Drei interessante Termine verbleiben der Reihe noch. Bereits morgen Nachmittag wird Thomas Müller, der Leiter der Traditionsbrennerei, über das Erbe der Nordhäuser Brennherren sprechen (mit Verkostung, versteht sich). In der kommenden Woche wird man den Stadtarchivar Dr. Wolfram Theilemann begrüßen dürfen, der am Dienstag über den Nordhäuser Historiker Dr. Silberborth und sein "Kriegstagebuch" sprechen wird. Und einen Tag später, am 29.6., ist Holger Wengler zu Gast in der Flohburg und berichtet über das Neue Forum und die Wende ’89.

Für die nächsten Wochen habe man noch einige Ideen mehr im Köcher, ist aus dem Haus zu erfahren, unter anderem will man den Garten stärker nutzen und die weiterführenden Schulen wieder ins Museum locken.
Angelo Glashagel
Autor: red

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