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Mi, 16:03 Uhr
18.01.2006

Weicher Geruch

Nordhausen (nnz). Gern sagen das die Wirtschaftsförderer: Eine Region muß auch weiche Standortfaktoren anbieten, um Investoren zu locken. Dazu gehören Theater, Kino, eine gesunde Schulstruktur, ein funktionierendes Krankenhaus und, und, und. Ob sich eine Kommune auch über einen typischen Geruch definiert, das muß noch erläutert werden.


Wo sich Schweine herumtreiben, dort gibt es den für diese Tierart typischen Geruch. Wo es Tausende dieser Viecher sind, verstärkt sich das Windchen zu einem Orkan. In Nordhausen ist dann der Fall, wenn in der Tierzucht an der Darre die „Türen“ geöffnet werden. Viele Nordhäuser haben sich daran gewöhnt, ein Außen-Marketing für die Kommune ist damit nicht verbunden. Und wer fremd ist in dieser Stadt, der kann diesen Geruch, seine Herkunft und vor allem den Umstand nicht verstehen, dass im Jahr 2006 nichts dagegen zu machen ist.

Sicher ist da was zu machen, zum Beispiel reden mit den Betreibern der Schweinemast. Das hat man mehrfach getan, die Ergebnisse sind aber eher bescheiden – es stinkt immer noch gewaltig. Dann müssen zum Beispiel in der Polizeidirektion Nordhausen die Fenster geschlossen werden. Gleich nebenan befindet sich seit dem vergangenen Jahr ein neues Werk der Nahrungsmittelbranche. Warum sich die Klemme AG – trotz dieser Geruchsbelästigung - hier ansiedelte wird wohl deren Geheimnis bleiben, wenn man die finanzielle Förderung außen vor läßt.

Vermutlich waren die „Türen“ der Mastanlage immer dann geschlossen, wenn Vertreter der Investoren in Nordhausen waren. Die Windrichtung ließ sich vermutlich nicht umprogrammieren. Vielleicht aber auch spielt die Schweine-Luft nicht die entscheidende Rolle.

Sie wird jedoch in den kommenden Jahren eine Rolle spielen. Da soll eine Region touristisch vermarktet werden. Da sollen Busse voller Gäste und Touristen irgendwann mal am Nordhäuser Bahnhof ankommen. Prima – doch was sagen die Frauen und Männer, wenn sie mit diesem kräftigen Lüftchen empfangen werden. Die werden zwar nicht wieder einsteigen und zurückfahren, die werden von den atmosphärischen Erlebnisse ihres Besuches berichten.

Schon mehrfach hatte die nnz darüber berichtet, das letzte Mal im Jahr der Landesgartenschau. Getan hat sich seit dieser Zeit nicht viel. Um genauer zu sein – nichts. Und die nnz ist sich sicher, dass man auch in diesem Jahr wieder mit dem Schweine-Mast-Betreiber reden wird. Der wird argumentieren, dass er hier in der Region wertvolle Arbeitsplätze sichert und wird vermutlich erläutern, dass in den zurückliegenden Jahren viel Geld in den Immissionsschutz investiert worden war. Nur man wird nach den Gesprächen merken: Es reicht nicht.

Dass die Klemme AG ein weiteres Werk nicht in Nordhausen baut, sondern in Artern, das hat nach Informationen der nnz nicht unbedingt was mit der Luft an der Darre zu tun. Das sind Konzernentscheidungen, die mit Kunden zusammenhängen. Und übrigens: das neue Werk in Artern soll auch nicht unter dem Namen Klemme firmieren...
Autor: nnz

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