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Mi, 15:35 Uhr
20.04.2022
nnz-Forum zu Zirkustieren

„Wie unterhaltsam ist Tierleid?!“

Einen Protest gegen die am Wochenende anstehenden Veranstaltungen des Circus Berolina formuliert die Tierrechtinitiative Nordhausen in dem folgenden Beitrag, den wir Ihnen hier im nnz-Forum zur Diskussion stellen...

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Bis zu 50 Ortswechsel im Jahr und die damit verbundenen Transporte sind für Tiere im Zirkus mit großem Stress und körperlichen Belastungen verbunden. Eine nur annähernd tiergerechte Haltung von Wildtieren ist in reisenden Zirkussen infolgedessen auch nicht möglich. Vor allem große Tiere verbringen den Transport in speziellen, oft viel zu kleinen Transportwagen in ungesunder Körperhaltung. Selbst nach Ankunft am neuen Standort werden die Tiere entweder weiter in den Transportern oder kleinen Außengehegen gehalten. Auf den städtischen Stellflächen sind die Tiere dann Lärm und ungewohnten klimatischen Bedingungen schutzlos ausgesetzt. Kamele und Lamas stehen mitten in der Stadt, fernab jeglicher Natur. Auch Pferde, die eigentlich Lauftiere sind und viel Bewegung brauchen, dürfen ihre Boxen oder die Transporter in vielen Zirkusbetrieben nur selten verlassen.

Dem ungeachtet wirbt Zirkus Berolina auf seiner Website: „Der Platzwechsel ermöglicht es den Tieren, ihre Umgebung immer wieder neu zu entdecken. Kein Zootier erlebt eine an Vielfalt vergleichbare Umgebung - Bademöglichkeiten im Bach am Circusplatz, einen Wald nebenan oder saftige Wiesen zum Weiden und Buddeln“ Wo finden wir all das auf dem August-Bebel-Platz? Oder gar das Meer mit zahlreichen Felsenküsten, in denen Ohrenrobben normalerweise große Kolonien bilden. Ohrenrobben wie Andrew sind eigentlich in polaren, gemäßigten und subtropischen Meeren verbreitet. Sie sind sehr soziale Tiere und halten sich häufig in Gruppen auf. Derweil darf Ohrenrobbe Andrew in einem Becken mit Zuschauern schwimmen.

Dass Argument der Zirkusbetriebe, ihre Haltungsbedingungen würden von den zuständigen Veterinärämtern überwacht, greift jedoch zu kurz. Für Veterinärämter gibt es keine angemessenen Richtlinien, die ihnen bei Kontrollen helfen, tiergerechte Bedingungen beurteilen zu können. Für alle Zirkusse gelten die sogenannten „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ aus dem Jahr 2000. Die darin festgelegten Mindestanforderungen sind jedoch veraltet und an vielen Stellen nur vage formuliert. Dennoch wurden in Bayern und Berlin in den vergangenen Jahren bei rund 50 Prozent aller amtstierärztlichen Kontrollen in Zirkusbetrieben Missstände und Verstöße bei der Tierhaltung dokumentiert.

Mehreren repräsentativen Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschen für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Auch die Bundestierärztekammer und die europäische Tierärztevereinigung haben sich für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen. Ebenso hat der Bundesrat 2003, 2011 und 2016 in Entschließungsanträgen für ein Verbot bestimmter Tierarten im Zirkus gestimmt. Im November 2020 stellte die damalige Bundesagrarministerin Julia Klöckner nun einen Entwurf für ein Zirkus-Wildtierverbot vor. Dieser sieht vor, dass Wanderzirkusse künftig keine Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären mehr anschaffen dürfen. Da jedoch keine Übergangsfrist für die Abgabe der Tiere vorgesehen und das Verbot auf nur wenige Wildtierarten beschränkt ist, würde sich am Leid der Tiere in der Manege nur wenig ändern.

Vor dem Hintergrund der bislang zurückhaltenden Einstellung der Bundesregierung zu einem grundsätzlichen bundesweiten Wildtierverbot in Zirkussen haben viele deutsche Städte in den vergangenen Jahren das Elend der Tiere hinter den Glitzerkulissen der Zirkuswelt erkannt und kommunale Verbote für Zirkusse mit Wildtieren ausgesprochen. Über 100 Städte vergeben keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusbetriebe, die mit bestimmten Wildtierarten anreisen – darunter Köln, Erfurt, Stuttgart, Erlangen, Paderborn, Potsdam und Ingolstadt. Bisher haben 26 europäische Länder wie die Niederlande, Österreich, Belgien und Griechenland aus Tierschutzgründen alle oder bestimmte Tierarten im Zirkus verboten.
Mit unseren Mahnwachen am Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn möchten wir auf das Leid der Tiere im Zirkus aufmerksam machen und gegen die Ausbeutung von Tieren zu Unterhaltungszwecken protestieren. Liebe Tierfreunde unterstützt uns gern mit eurer Anwesenheit und sagt NEIN zum Zirkus mit Tieren.
Angela Fricke, Tierrechtinitiative Nordhausen
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Paulinchen
20.04.2022, 16:04 Uhr
Na dann...
... kleben Sie sich auf dem August - Bebel-Platz mal fest..... Warum wenden Sie sich nicht an das dafür zuständige Ministerium in Berlin? Da bekommen Sie doch gleich die gewünschte Antwort auf Ihr Problem. Zugegeben, ich möchte auch kein Tier im Zirkus sein, aber solange wie derartige Unternehmen eine Gewerbeerlaubnis bekommen, wird es wohl kaum Abhilfe geben. Die Unternehmer selbst, erkennen ihre Lage leider immer nur im Winter, wenn sie nicht mehr wissen, wovon sie ihre Tiere noch ernähren können. Selbst dann, interessiert sich keine staatl. Stelle für die Tiere.
Marino50
20.04.2022, 16:35 Uhr
Tierleid
Ich war noch nie ein Mensch, der unbedingt Zirkusveranstaltungen braucht. Viele können sich einen Zoobesuch in Erfurt oder Halle (naheliegende) nicht leisten. Da ist ja auch eine Anfahrt nötig, die zusätzlich zum Eintritt kostet. Ein Besuch im Zirkus ist da sicher günstiger und die Kinder freut es. So lange die Tierschützer die Tiere ich einfach nachts befreien oder beim Besuch Leute belästigen, ist alles gut. Wo sollen denn die Tiere nach Meinung der Tierschützer auch hin. Sie können ja wohl kaum in die Heimatländer gebracht werden. Dann sollte doch die Einfuhr von exotischen Tieren grundsätzlich untersagt werden. Elefant oder Löwe ins Tierheim geht ja auch nicht.
Rob2000
20.04.2022, 17:25 Uhr
Ohh gott
leute es ist ein Zirkus...der lebt von reisen von stadt zu stadt und das nicht erst seit gestern sondern schon ein paar hundert jahre.
Die Tiere haben sich vielleicht schon dran gewöhnt von klein auf sind sie meistens schon dabei.
Vielleicht sollten die tierschützer die ganzen zuchtbetriebe unter die Lupe nehmen...ausnahmslos alle,da gibt's genügend zutun und die tiere leiden meist richtig!
Irgendwie wird ein aber auch alles vergrault...oder kommt mir das nur so vor?
Blue
20.04.2022, 20:06 Uhr
Meine Anwesenheit
ist sicher am Sonntag aber mit meinem Enkel im Zelt. Freu mich schon drauf sind auch Kindheitserinnerungen für mich! Ich hoffe das man mich nicht belästigt und daran hindert die Vorstellung zu schauen
Nordhäuser
20.04.2022, 22:24 Uhr
So ein Zirkus
Die Leute die jetzt am lautesten brüllen und den Zirkus unbedingt Tierfrei haben wollen, sind die jenigen die als Kind jeden Zirkus besucht haben. So eine heuchelei. So ein Zirkus.
Pe_rle
21.04.2022, 11:23 Uhr
Zirkustiere
heute ist es normal das man gegen alles ist , und wenn es eine Tradition im Zirkus ist
die selben Leute sind die, die schwere Waffen für die Ukraine fordern, ob da nun Menschen ums Leben kommen oder nicht ist ja egal
die Tiere im Zirkus haben es besser als so mancher Obdachlose in Deutschland
henry12
21.04.2022, 13:58 Uhr
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