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Di, 10:04 Uhr
01.03.2022
Herder-Gymnasium öffnet Kolloquien für die Öffentlichkeit

Abiturienten verteidige ihre Seminararbeiten

Nach einigen coronabedingten Verschiebungen ist es für fast alle Beteiligten geschafft: Die zukünftigen Abiturienten verteidigten ihre erste fachwissenschaftliche Arbeit vor einer Fachkommission und führten intensive Gespräche mit dem Publikum...

Eine Seminarfacharbeit beschäftigte sich mit dem Thema "Sucht" (Foto: H.Roeder) Eine Seminarfacharbeit beschäftigte sich mit dem Thema "Sucht" (Foto: H.Roeder)

Auf dem Weg zum Reifezeugnis gibt es zahlreiche Hürden in der Oberstufe und erst recht in der Qualifikationsphase zu überwinden. Neben Mindestpunktzahlen für die Zulassung, zahlreichen Klausuren und mündlichen, schriftlichen wie praktischen Leistungsfeststellungen erweist sich auch das im Freistaat praktizierte Seminarfach als notwendige Voraussetzung, um das Abitur ablegen zu können. Diese formale Verpflichtung ist erfüllt, wenn die Schüler in Teams eine erste wissenschaftliche Facharbeit nach Vorgaben und Anleitung verfasst sowie den Prozess dazu durchschritten haben und das Thema vor einer Kommission bzw. Schüler- und Lehrerpublikum präsentieren und dabei Gesprächsimpulse geben. Wurden alle drei Teilbereiche insgesamt erfolgreich absolviert, steht der Reifeprüfung diesbezüglich nichts mehr im Wege.

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Motivation erhalten die Gymnasiasten immer wieder durch die Tatsache, dass sie ihre Gruppe von drei bis vier Teilnehmern selbst bestimmen und damit die Grundlage für ein gemeinsames Arbeiten legen. Des Weiteren sind sie es, die entsprechend bestimmter Voraussetzungen das Thema vorschlagen und angeleitet formulieren. Dabei zeichnet sich seit einigen Jahren ein deutlicher Trend ab: Die gewählten gesellschaftlichen, kulturellen, technischen, ökologischen, politischen, medizinischen u.a. thematischen Aspekte werden durch die Schüler selbst in den Fragehorizont der jungen Leute gerückt, indem ein Regional- oder Altersbezug oder eine konkrete praktische Relevanz aufgenommen wird. Außerdem messen die Gymnasiasten eigenen empirischen Untersuchungen immer mehr Bedeutung bei, um diese dann mit der Theorie bzw. Literatur vergleichen zu können.

Umfragen in Schule und Öffentlichkeit, Interviews mit Experten, Hospitationen, Praktika in verschiedenen Einrichtungen, protokollierte Teilnahmen an Versammlungen, Ausstellungen und Messen etc. stellten auch in diesem Seminarfachjahrgang wieder eine Selbstverständlichkeit dar. Eigene Erfahrungswerte spielen dabei oftmals eine bedeutende Rolle, da sie auch als ein Bindeglied zwischen Theorie und Empirie anzusehen sind. Manch eine Gruppe experimentiert, andere fertigen Modelle an, weitere erstellen Dokumentationen zu Museumsbesuchen, begleiten mehrmonatig Patienten oder dokumentieren Selbstversuche. Einerseits dient dies dem persönlichen Bezug zum Thema, andererseits der Veranschaulichung und Positionierung.

Ein wichtiges Bewertungskriterium in den Kolloquien stellen Sicherheit, Tiefgründigkeit sowie die Art der Darstellung der fachwissenschaftlichen Darlegungen dar. Aber auch in diesem Jahr wurden keine Mühen gescheut und Ideenreichtum unter Beweis gestellt, als es darum ging, die Kolloquien konzeptionell vorzubereiten. Da experimentierten die Referenten zum Beispiel vor dem Publikum, initiierten Streitgespräche, fertigten eigene Medien an, boten Anschauungsmittel der unterschiedlichsten Art und sorgten für kreative Raumgestaltungen. So konnte der Zuschauer beispielsweise technische Gerätschaften bestaunen oder der Vorführung verschiedener Sportgeräte, Instrumente oder Prothesen beiwohnen.

Eine eigene Gesangseinlage bot zum Beispiel den Ausgangspunkt für ein Gespräch darüber, ob das Theater Nordhausen unter den Bedingungen der Pandemie noch eine Zukunft hat. Gravitation, Musik und Hypnose als Therapien, verschiedene Tierhaltungen im Vergleich oder Fußball und Kommerz, aber auch die innere Uhr des Menschen und ihre Auswirkung auf den Alltag, unter besonderer Betrachtung und Recherche bzgl. der Jugend, oder die Beeinflussung der Gesellschaft durch Viren bzw. die des Harzwaldes durch Borkenkäfer und Klimawandel wurden diskutiert.

Ohne das Engagement der Fachbetreuer, die den Schülergruppen fachwissenschaftlich zur Seite stehen, wichtige Tipps und Literaturhinweise geben, Materialien zur Verfügung stellen und nicht selten auch als moralische Stütze an den Kolloquien teilnehmen, ist Derartiges nicht denkbar. In diesem Jahr nahmen zahlreiche sogenannte Außenbetreuer, also Fachleute aus Nordhausen bzw. dem Landkreis, die sich neben ihrer Arbeit dieser zusätzlichen Anforderung stellen, an den Kolloquien teil.

Die Anspannung im Vorfeld gehört wie die Raumausstattung und Vorbereitung zu jedem Kolloquium, welches im Anschluss an die Themenpräsentation ein durch die Gruppe gelenktes Gespräch mit der Kommission sowie den Zuhörern verlangt und insgesamt sechzig Minuten in Anspruch nehmen kann.

Besonders interessante, konzeptionell überzeugende und thematisch sehr unterschiedliche Themen werden auch in diesem Jahr wieder für die Öffentlichkeit angeboten. Das Herder-Gymnasium öffnet seine Türen und gewährt am Donnerstag, dem 3. März, Einblick in die Präsentation und Verteidigung ausgewählter wissenschaftlicher Arbeiten der Zwölfer. 
Der Interessierte hat die Möglichkeit, sich zwischen vier Kolloquien zu entscheiden: Jeweils um 17.00 Uhr werden in den beiden Aulen die Themen Aktiver Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Amoklauf – Eskalation mit Vorgeschichte und weitreichenden Folgen angeboten. Um 18.15 Uhr folgen Lebens- und Erfolgsgeschichten von Musikern (am Beispiel von Freddie Mercury, Bob Marley und Whitney Houston) sowie Faszination Extremsport (unter besonderer Berücksichtigung persönlicher Erfahrungen im Kitesurf- und Motocross-Sport). Die konkreten Themenformulierungen, Referenten sowie der Raum-Zeit-Plan sind auf der Website des Gymnasiums (herder-gymnasium.de) einzusehen.
Heike Roeder


Kolloquien im Herder-Gymnasium (Foto: H.Roeder)
Kolloquien im Herder-Gymnasium (Foto: H.Roeder)
Kolloquien im Herder-Gymnasium (Foto: H.Roeder)
Kolloquien im Herder-Gymnasium (Foto: H.Roeder)
Kolloquien im Herder-Gymnasium (Foto: H.Roeder)
Autor: red

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Kommentare
Mitternacht
02.03.2022, 09:58 Uhr
Bauchfrei
zur Verteidigung einer wissenschaftlichen Arbeit?
Hätte ich als Vorsitzender einer Prüfungskommission nach Hause zum Umziehen geschickt.
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