Di, 19:30 Uhr
14.12.2021
ES WIRD SICH ZEIGEN: Eine Betrachtung von Kurt Frank
Kommt der Katastrophenfall?
Im Kreisausschuss hatte Landrat Matthias Jendricke das Kreuz, einen schwerwiegenden Fehler einzugestehen: Im Oktober forderte er einen Freedom Day: die Aufhebung sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen, die im Verlauf der Corona-Pandemie erlassen worden waren...
Er habe damals nicht erwartet, dass sich die Lage derart zuspitzen würde. Ob ihm sein Eingeständnis schwer fiel, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ein solches Eingeständnis aber, die Lage falsch beurteilt zu haben, wünschte ich mir von Bundespolitikern – von der Ex-Kanzlerin bis zum Jetzigen, von den Grünen bis zur der FDP. All ihre Eliten hatten versichert: Es werde keine Impfpflicht geben. Ihre Begründung und Drehung um 180 Grad ähnelt der des Landrats. Der will am Wochenende den Katastrophenfall ausrufen, sollte das Land bis dahin keine Entscheidung treffen – bis zur 6. Klasse Präsenzpflicht in der Schule aufheben, ab 7.Klasse den Betrieb gänzlich einzustellen.
Jendricke möchte vorbeugen. Und das, obwohl Nordhausen fortlaufend niedrige Todeszahlen, niedrige Inzidenzen und die höchste Impfquote im Freistaat nach Erfurt und Weimar habe. Auch bei den Booster-Impfungen sei man vorne mit dabei. Dennoch möchte der Kreischef nicht erneut übermütig werden.
Im Gegenteil: Er dankte den Ärzten und einer Bevölkerung, die ihr Vertrauen in ihrer überwiegenden Mehrheit auf die Wissenschaft setzte und sich ohne Zwang für die Impfung entschieden habe. Das sei ein gutes Signal und ein Hoffnungsschimmer, die angedachten Maßnahmen nur dem Zweck dienend, einer zu erwartenden schwierigen Situation nach den Feiertagen im Vorfeld zu begegnen. Immerhin führe Thüringen das Infektionsgeschehen im Bunde an. Konsequentes Handeln daher unerlässlich.
Nun weiß es natürlich der Landrat zu genau: Die Pandemie ist erst dann niedergerungen, wenn man auf eine hohe Impfquote kommt. Von 90 Prozent ist da die Rede. Wie schwer das sein wird, ist Jendricke angesichts der Impfgegner bestens bekannt. Impfen, impfen, impfen, sagen die einen. Keine Impfdiktatur die anderen.
Sollte die allgemeine Impfpflicht kommen, muss die Umsetzung gewährleistet und kontrollierbar sein. Beides, wird heute vielfach anerkannt, sei in der DDR gelungen. Natürlich unter dem Aspekt, dass der zentrale Staat durchregiert habe. Fakt war aber auch das: Die Bevölkerung war bereit, das Impfen anzunehmen, weil das gesamte Verfahren durchorganisiert war. Nahezu alle Impfungen - Diphtherie, Masern, Kinderlähmung – waren verpflichtend. War es nun eine vorbeugende gesundheitspolitische Maßnahme oder doch eine Impfdiktatur? Das mag jeder für sich entscheiden.
Indes berichtete nnz über einen friedlichen Spaziergang vom Montag in Nordhausen. Ganz wie in Familie. Hygienemaßnahmen weitgehend eingehalten. Keine Transparente, keine Sprechchöre. Keine Flaschen und Böller auf Polizisten wie anderswo in Thüringen. Alles friedlich und besonnen. Dennoch sei die Frage erlaubt, warum man eigentlich spazieren ging? Wofür und wogegen? Das erschloss sich dem Betrachter nicht.
Nur ein Verdauungsgang an frischer Luft? Oder vielleicht war der Gang insgeheim womöglich gegen Jendrickes Katastrophenfall oder die Impflicht generell gedacht? Und überhaupt: Wer hat das alles organisiert und eben: zu welchem Zweck? Sollte sich der Spaziergang demnächst wiederholen, wäre ein offenes Visier angebracht und für die Öffentlichkeit von großem Interesse.
Kurt Frank
Autor: redEr habe damals nicht erwartet, dass sich die Lage derart zuspitzen würde. Ob ihm sein Eingeständnis schwer fiel, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ein solches Eingeständnis aber, die Lage falsch beurteilt zu haben, wünschte ich mir von Bundespolitikern – von der Ex-Kanzlerin bis zum Jetzigen, von den Grünen bis zur der FDP. All ihre Eliten hatten versichert: Es werde keine Impfpflicht geben. Ihre Begründung und Drehung um 180 Grad ähnelt der des Landrats. Der will am Wochenende den Katastrophenfall ausrufen, sollte das Land bis dahin keine Entscheidung treffen – bis zur 6. Klasse Präsenzpflicht in der Schule aufheben, ab 7.Klasse den Betrieb gänzlich einzustellen.
Jendricke möchte vorbeugen. Und das, obwohl Nordhausen fortlaufend niedrige Todeszahlen, niedrige Inzidenzen und die höchste Impfquote im Freistaat nach Erfurt und Weimar habe. Auch bei den Booster-Impfungen sei man vorne mit dabei. Dennoch möchte der Kreischef nicht erneut übermütig werden.
Im Gegenteil: Er dankte den Ärzten und einer Bevölkerung, die ihr Vertrauen in ihrer überwiegenden Mehrheit auf die Wissenschaft setzte und sich ohne Zwang für die Impfung entschieden habe. Das sei ein gutes Signal und ein Hoffnungsschimmer, die angedachten Maßnahmen nur dem Zweck dienend, einer zu erwartenden schwierigen Situation nach den Feiertagen im Vorfeld zu begegnen. Immerhin führe Thüringen das Infektionsgeschehen im Bunde an. Konsequentes Handeln daher unerlässlich.
Nun weiß es natürlich der Landrat zu genau: Die Pandemie ist erst dann niedergerungen, wenn man auf eine hohe Impfquote kommt. Von 90 Prozent ist da die Rede. Wie schwer das sein wird, ist Jendricke angesichts der Impfgegner bestens bekannt. Impfen, impfen, impfen, sagen die einen. Keine Impfdiktatur die anderen.
Sollte die allgemeine Impfpflicht kommen, muss die Umsetzung gewährleistet und kontrollierbar sein. Beides, wird heute vielfach anerkannt, sei in der DDR gelungen. Natürlich unter dem Aspekt, dass der zentrale Staat durchregiert habe. Fakt war aber auch das: Die Bevölkerung war bereit, das Impfen anzunehmen, weil das gesamte Verfahren durchorganisiert war. Nahezu alle Impfungen - Diphtherie, Masern, Kinderlähmung – waren verpflichtend. War es nun eine vorbeugende gesundheitspolitische Maßnahme oder doch eine Impfdiktatur? Das mag jeder für sich entscheiden.
Indes berichtete nnz über einen friedlichen Spaziergang vom Montag in Nordhausen. Ganz wie in Familie. Hygienemaßnahmen weitgehend eingehalten. Keine Transparente, keine Sprechchöre. Keine Flaschen und Böller auf Polizisten wie anderswo in Thüringen. Alles friedlich und besonnen. Dennoch sei die Frage erlaubt, warum man eigentlich spazieren ging? Wofür und wogegen? Das erschloss sich dem Betrachter nicht.
Nur ein Verdauungsgang an frischer Luft? Oder vielleicht war der Gang insgeheim womöglich gegen Jendrickes Katastrophenfall oder die Impflicht generell gedacht? Und überhaupt: Wer hat das alles organisiert und eben: zu welchem Zweck? Sollte sich der Spaziergang demnächst wiederholen, wäre ein offenes Visier angebracht und für die Öffentlichkeit von großem Interesse.
Kurt Frank


