Di, 18:39 Uhr
08.11.2005
Landrat war neugierig
Nordhausen (nnz). Sein Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis Nordhausen bekundete Landrat Joachim Claus (CDU) erneut mit zwei weiteren Firmenbesuchen. Wo sich der Kommunalpolitiker über den Stand der Dinge informieren ließ, das hat jetzt die nnz erfahren.
Landrat war neugierig (Foto: nnz)
Gemeinsam mit Dr. Sabine Mehne vom Sachgebiet Wirtschaftsförderung der Landkreisverwaltung machte Joachim Claus der Schuhleistenfabrik in Ellrich und einem Dienstleister, der DIW Instandhaltung Nordhausen, seine Aufwartung. Zunächst führte ihn sein Weg nach Ellrich. Dort ist die Firma M. Spenlé GmbH Ellrich ansässig. Der Betrieb produziert Schuhleisten, Schuhspanner, Einlagenformen, Holzsohlen, Schablonen und Stiefelblöcke. Das kleine Familienunternehmen wurde 1876 gegründet. Bis 1972 wurde es als OHG geführt. Dann kam die Verstaatlichung. Ab 1976 gehörte der Betrieb zum VEB Schuhleistenfabrik Möbisburg. Jedes Jahr gab es höhere Planvorgaben, das Material war bilanziert. In Folge der Wende wurde von den früheren Eigentümern 1992 die Rückübertragung beantragt. Die Treuhand spielte dabei jedoch keine gute Rolle, musste doch der kleine Betrieb einen Altkredit in Höhe von 90.000 DM übernehmen. Nur unter größter Kraftanstrengung konnte diese Hürde gemeistert werden. Immerhin kann nun das Familienunternehmen im nächsten Jahr auf eine 130jährige Tradition zurückblicken.
Doch Geschäftsführer Hans-Joachim Reichardt blickt lieber nach vorn. Das muss ich einfach tun. Auf Traditionszahlen kann ich heute allein nicht mehr setzen. Das interessiert die Kunden nur noch am Rande, machte er dem Landrat die Situation deutlich. Die gesamte Produktpalette besteht ausschließlich aus dem heimischen Grundstoff Buche. Material ist durch die umliegenden Wälder ausreichend vorhanden und die Anlieferungswege sind sehr kurz. Das ist ein Kostenvorteil. Doch der Preiskampf tobt an allen Fronten. Besonders zu schaffen machen der Leistenfabrik die Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Portugal. Und die Auswirkungen der Gesundheitsreform wirken sich ebenfalls negativ auf die Auftragslage aus. Die Krankenkassen sparen wo sie nur können. Um als kleine Firma fortbestehen zu können, gibt es für Geschäftsführer Reichardt und seine 20 Mitarbeiter nur eines: Qualitätsarbeit und nochmals Qualitätsarbeit!
Immerhin profitiert Spenlé noch heute von wirtschaftlichen Verbindungen aus Nachfolgeunternehmen der früheren Einkaufs- und Liefergenossenschaften (ELG) aus DDR-Zeiten. Pfiffigkeit bewiesen die Ellricher Leistenfabrikanten auch schon im Frühjahr 1990. Da waren sie als erstes DDR-Unternehmen auf der Hannover Messe präsent, wurden sehr hofiert, knüpften wirtschaftliche Kontakte und profitieren noch heute davon. Vor drei Jahren wurden hochwertige CNC-Maschinen angeschafft, die eine Spezialisierung auf bestimmte Erzeugnisse ermöglichten. Die Investition war ein Risiko. Aber sie hat sich gelohnt, resümiert Hans-Joachim Reichardt nicht ohne Stolz. Claus besichtigte auch die Produktionsräume und suchte vor allem das Gespräch mit den Beschäftigten.
Zweite Station war die Firma DIW Instandhaltung GmbH & Co. KG im Gewerbegebiet An der Helme in Nordhausen-Sundhausen. Der Betrieb ist aus der 1991 gegründeten Deutschen Industriewartung GmbH & Co. KG hervorgegangen, die wiederum ihren Ursprung in der Ausgliederung der früheren Hauptmechanik des VEB IFA Motorenwerke Nordhausen hatte. Das war am 15.11.1991, berichtete Niederlassungsleiter Peter Kettner dem Landrat. 150 Mitarbeiter zählte der ausgegliederte Bereich anfangs noch. Zunächst gab es mit der Demontage von Maschinen und Anlagen aus der alten IFA reichlich zu tun. Gleichzeitig galt es aber auch, Kontakte mit Dienstleistern aus den alten Bundesländern zu knüpfen, um weitere Aufträge zu sichern. Das gelang auch. Nur für 150 Mitarbeiter reichte die Arbeit auf Dauer nicht. Die rechtlichen Möglichkeiten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, waren Mitte der 90er Jahre sehr großzügig bemessen. Das Personal wurde nach und nach auf 60 Arbeitskräfte reduziert. Diese Zahl konnte trotz zeitweise schwieriger Situationen (schlechte Auftragslage, mehrere Insolvenzen) bis heute gehalten werden.
Inzwischen gehört das Nordhäuser Unternehmen zur Voith-Gruppe Heidenheim. Die Aktiengesellschaft hat insgesamt 100 Standorte. Die Nordhäuser Niederlassung operiert am Markt als reiner Dienstleister. Zum Leistungsprofil gehören De- und Remontage von Maschinen und Anlagen, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, Sondermaschinenbau, Elektroinstallationen sowie Projektierung und Fertigung von Steuerungssystemen. Größere Aufträge wurden beispielsweise für Audi realisiert. Um eine gute Auftragslage muss täglich gerungen werden. Günstig wirkten sich bisher die Ostlöhne aus. Doch höhere Auslöse- und Unterkunftsgelder für die Mitarbeiter im Außendienst ließen diesen Vorteil mehr und mehr schrumpfen. Landrat Joachim Claus und seine Wirtschaftsförderin Sabine Mehne rundeten den Besuch bei DIW mit einer Besichtigung der großen Instandsetzungshalle und Gesprächen mit Beschäftigten ab.
Autor: nnz
Landrat war neugierig (Foto: nnz)
Gemeinsam mit Dr. Sabine Mehne vom Sachgebiet Wirtschaftsförderung der Landkreisverwaltung machte Joachim Claus der Schuhleistenfabrik in Ellrich und einem Dienstleister, der DIW Instandhaltung Nordhausen, seine Aufwartung. Zunächst führte ihn sein Weg nach Ellrich. Dort ist die Firma M. Spenlé GmbH Ellrich ansässig. Der Betrieb produziert Schuhleisten, Schuhspanner, Einlagenformen, Holzsohlen, Schablonen und Stiefelblöcke. Das kleine Familienunternehmen wurde 1876 gegründet. Bis 1972 wurde es als OHG geführt. Dann kam die Verstaatlichung. Ab 1976 gehörte der Betrieb zum VEB Schuhleistenfabrik Möbisburg. Jedes Jahr gab es höhere Planvorgaben, das Material war bilanziert. In Folge der Wende wurde von den früheren Eigentümern 1992 die Rückübertragung beantragt. Die Treuhand spielte dabei jedoch keine gute Rolle, musste doch der kleine Betrieb einen Altkredit in Höhe von 90.000 DM übernehmen. Nur unter größter Kraftanstrengung konnte diese Hürde gemeistert werden. Immerhin kann nun das Familienunternehmen im nächsten Jahr auf eine 130jährige Tradition zurückblicken.
Doch Geschäftsführer Hans-Joachim Reichardt blickt lieber nach vorn. Das muss ich einfach tun. Auf Traditionszahlen kann ich heute allein nicht mehr setzen. Das interessiert die Kunden nur noch am Rande, machte er dem Landrat die Situation deutlich. Die gesamte Produktpalette besteht ausschließlich aus dem heimischen Grundstoff Buche. Material ist durch die umliegenden Wälder ausreichend vorhanden und die Anlieferungswege sind sehr kurz. Das ist ein Kostenvorteil. Doch der Preiskampf tobt an allen Fronten. Besonders zu schaffen machen der Leistenfabrik die Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Portugal. Und die Auswirkungen der Gesundheitsreform wirken sich ebenfalls negativ auf die Auftragslage aus. Die Krankenkassen sparen wo sie nur können. Um als kleine Firma fortbestehen zu können, gibt es für Geschäftsführer Reichardt und seine 20 Mitarbeiter nur eines: Qualitätsarbeit und nochmals Qualitätsarbeit!
Immerhin profitiert Spenlé noch heute von wirtschaftlichen Verbindungen aus Nachfolgeunternehmen der früheren Einkaufs- und Liefergenossenschaften (ELG) aus DDR-Zeiten. Pfiffigkeit bewiesen die Ellricher Leistenfabrikanten auch schon im Frühjahr 1990. Da waren sie als erstes DDR-Unternehmen auf der Hannover Messe präsent, wurden sehr hofiert, knüpften wirtschaftliche Kontakte und profitieren noch heute davon. Vor drei Jahren wurden hochwertige CNC-Maschinen angeschafft, die eine Spezialisierung auf bestimmte Erzeugnisse ermöglichten. Die Investition war ein Risiko. Aber sie hat sich gelohnt, resümiert Hans-Joachim Reichardt nicht ohne Stolz. Claus besichtigte auch die Produktionsräume und suchte vor allem das Gespräch mit den Beschäftigten.
Zweite Station war die Firma DIW Instandhaltung GmbH & Co. KG im Gewerbegebiet An der Helme in Nordhausen-Sundhausen. Der Betrieb ist aus der 1991 gegründeten Deutschen Industriewartung GmbH & Co. KG hervorgegangen, die wiederum ihren Ursprung in der Ausgliederung der früheren Hauptmechanik des VEB IFA Motorenwerke Nordhausen hatte. Das war am 15.11.1991, berichtete Niederlassungsleiter Peter Kettner dem Landrat. 150 Mitarbeiter zählte der ausgegliederte Bereich anfangs noch. Zunächst gab es mit der Demontage von Maschinen und Anlagen aus der alten IFA reichlich zu tun. Gleichzeitig galt es aber auch, Kontakte mit Dienstleistern aus den alten Bundesländern zu knüpfen, um weitere Aufträge zu sichern. Das gelang auch. Nur für 150 Mitarbeiter reichte die Arbeit auf Dauer nicht. Die rechtlichen Möglichkeiten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, waren Mitte der 90er Jahre sehr großzügig bemessen. Das Personal wurde nach und nach auf 60 Arbeitskräfte reduziert. Diese Zahl konnte trotz zeitweise schwieriger Situationen (schlechte Auftragslage, mehrere Insolvenzen) bis heute gehalten werden.
Inzwischen gehört das Nordhäuser Unternehmen zur Voith-Gruppe Heidenheim. Die Aktiengesellschaft hat insgesamt 100 Standorte. Die Nordhäuser Niederlassung operiert am Markt als reiner Dienstleister. Zum Leistungsprofil gehören De- und Remontage von Maschinen und Anlagen, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, Sondermaschinenbau, Elektroinstallationen sowie Projektierung und Fertigung von Steuerungssystemen. Größere Aufträge wurden beispielsweise für Audi realisiert. Um eine gute Auftragslage muss täglich gerungen werden. Günstig wirkten sich bisher die Ostlöhne aus. Doch höhere Auslöse- und Unterkunftsgelder für die Mitarbeiter im Außendienst ließen diesen Vorteil mehr und mehr schrumpfen. Landrat Joachim Claus und seine Wirtschaftsförderin Sabine Mehne rundeten den Besuch bei DIW mit einer Besichtigung der großen Instandsetzungshalle und Gesprächen mit Beschäftigten ab.

