Fr, 09:46 Uhr
09.11.2001
"Wer zu früh kommt, der darf..."
Nordhausen (nnz). Wenn die Nordhäuser Kreissparkasse zu einem Forum lädt, dann ist das gesellschaftliche Interesse immer sehr groß. Gestern hatten die Banker vom Kornmarkt Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher eingeladen. Und Genscher kam im Nordhäuser Theater gleich zweimal.
Er hatte sich etwas verspätet, der 74jährige FDP-Ehrenvorsitzende. Die Zeit des Wartens wurde den Gästen im Theater mit Darbietungen der Kreismusikschule versüßt. Als Genscher dann ans Rednerpult schritt, da wollte eine Schülerin noch ihr zweites Klavierstück darbieten. Sie durfte.
Globalisierung Herausforderung und Chance für Europa, das war das Thema des Hans-Dietrich Genscher. Viele hatten vielleicht vorher über dieses Thema referiert, viele werden es nach ihm tun. Genscher verlieh in seinem Vortrag der Globalisierung jedoch nicht nur den Hauch einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, vielmehr brach er die Herausforderung auf die politische Ebene herunter. Am 8. November, genau 12 Jahre vor seinem Auftritt im Nordhäuser Theater, stellte er im Bundestag die Frage: Was wird, wenn die Mauer fällt! Einen Tag später war ein Teil der Frage beantwortet, das Fragezeichen blieb.
Die Welt wird eine andere werden, hatte er damals geantwortet und sie befindet sich immer noch im Werden. In dieser neuen Weltordnung muß Europa seinen Platz finden. Eine Standortsuche, die im Frieden durchgeführt werden muß. Im friedlichen Streit gegen die USA, gegen ASEAN-Staaten, gegen China oder Indien. Da sind keine Waffen gefragt, sondern zum Beispiel der Stand der Wissenschaft und Bildung in den jeweiligen Ländern. Noch wichtiger: Auf die Globalisierung kann es keine dänische, keine deutsche, nicht mal eine bayrische Antwort geben.
Der Erfolg eines geeinten Europas bestand bislang darin, dass sich die einzelnen Staates ob klein oder groß ernst genommen haben. So müsse es auch weiterhin sein, wenn der Blick der Einheit nach Osten geht, plädierte Hans-Dietrich Genscher. In Richtung der Bundes- und der Länderpolitik meinte der gebürtige Reideburger, dass der Bildungspolitik eine absolute Priorität zuzumessen sei. Die Bildung der Jugend müsse im Vordergrund stehen und nicht das jahrelange Gezerre der Kultusminister über eine Rechtschreibreform, die zudem nervig und überflüssig sei.
Eingehend auf die Terroranschläge des 11. September meinte der Liberale, dass man die Wurzeln und die Ursachen des Terrors bekämpfen müsse. Letztlich gehe es um eine gerechte Weltordnung, in der es der Unterscheidung zwischen erster, zweiter oder dritter Welt nicht mehr bedürfe. Wir haben die Chance, unseren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen, als meine Generation sie bei ihrer Geburt vorfand, schloß der 74 jährige Hans-Dietrich Genscher im Nordhäuser Theater. Der Beifall der fast 400 Zuhörer und Zuschauer war ihm gewiß, vielleicht hätte der eine oder andere auch noch einige Minuten länger zugehört. Doch letztlich aber bleibt die Hoffnung auf das zweite Kommen eines Hans-Dietrich Genscher.
Autor: nnz
Er hatte sich etwas verspätet, der 74jährige FDP-Ehrenvorsitzende. Die Zeit des Wartens wurde den Gästen im Theater mit Darbietungen der Kreismusikschule versüßt. Als Genscher dann ans Rednerpult schritt, da wollte eine Schülerin noch ihr zweites Klavierstück darbieten. Sie durfte.Globalisierung Herausforderung und Chance für Europa, das war das Thema des Hans-Dietrich Genscher. Viele hatten vielleicht vorher über dieses Thema referiert, viele werden es nach ihm tun. Genscher verlieh in seinem Vortrag der Globalisierung jedoch nicht nur den Hauch einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, vielmehr brach er die Herausforderung auf die politische Ebene herunter. Am 8. November, genau 12 Jahre vor seinem Auftritt im Nordhäuser Theater, stellte er im Bundestag die Frage: Was wird, wenn die Mauer fällt! Einen Tag später war ein Teil der Frage beantwortet, das Fragezeichen blieb.
Die Welt wird eine andere werden, hatte er damals geantwortet und sie befindet sich immer noch im Werden. In dieser neuen Weltordnung muß Europa seinen Platz finden. Eine Standortsuche, die im Frieden durchgeführt werden muß. Im friedlichen Streit gegen die USA, gegen ASEAN-Staaten, gegen China oder Indien. Da sind keine Waffen gefragt, sondern zum Beispiel der Stand der Wissenschaft und Bildung in den jeweiligen Ländern. Noch wichtiger: Auf die Globalisierung kann es keine dänische, keine deutsche, nicht mal eine bayrische Antwort geben.
Der Erfolg eines geeinten Europas bestand bislang darin, dass sich die einzelnen Staates ob klein oder groß ernst genommen haben. So müsse es auch weiterhin sein, wenn der Blick der Einheit nach Osten geht, plädierte Hans-Dietrich Genscher. In Richtung der Bundes- und der Länderpolitik meinte der gebürtige Reideburger, dass der Bildungspolitik eine absolute Priorität zuzumessen sei. Die Bildung der Jugend müsse im Vordergrund stehen und nicht das jahrelange Gezerre der Kultusminister über eine Rechtschreibreform, die zudem nervig und überflüssig sei. Eingehend auf die Terroranschläge des 11. September meinte der Liberale, dass man die Wurzeln und die Ursachen des Terrors bekämpfen müsse. Letztlich gehe es um eine gerechte Weltordnung, in der es der Unterscheidung zwischen erster, zweiter oder dritter Welt nicht mehr bedürfe. Wir haben die Chance, unseren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen, als meine Generation sie bei ihrer Geburt vorfand, schloß der 74 jährige Hans-Dietrich Genscher im Nordhäuser Theater. Der Beifall der fast 400 Zuhörer und Zuschauer war ihm gewiß, vielleicht hätte der eine oder andere auch noch einige Minuten länger zugehört. Doch letztlich aber bleibt die Hoffnung auf das zweite Kommen eines Hans-Dietrich Genscher.

