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Di, 10:34 Uhr
21.09.2021
Bauarbeiter arbeiten 1.455 Stunden pro Jahr

Spitzen-Arbeitspensum im Kreis Nordhausen

Bauarbeiter leisten „Spitzen-Arbeitspensum“: Pro Kopf arbeiten Baubeschäftigte im Landkreis Nordhausen im Schnitt 1.455 Stunden im Jahr. Das sind 80 Stunden und damit 5,8 Prozent mehr als Beschäftigte im Kreis Nordhausen quer durch alle Berufe durchschnittlich bei der Arbeit verbringen. Darauf hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hingewiesen...

Die IG BAU Nordthüringen beruft sich dabei auf den aktuellen Arbeitsmarkt-Monitor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Wissenschaftler haben darin eine Arbeitszeitanalyse für 2019 – dem Jahr vor der Corona-Pandemie – gemacht.

„Der Bau gehört demnach zu den Branchen mit einem Spitzenpensum bei der Arbeitszeit“, sagt Harald Buntfuß. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordthüringen geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitsstunden, die Bauarbeiter leisten, aktuell eher sogar noch zugenommen hat: „In der Pandemie hat es einen enormen Auftragsstau im Baugewerbe gegeben. Für viele Baubeschäftigte sind Überstunden ohnehin an der Tagesordnung.“

Der Arbeitsmarkt-Monitor des WSI liefert auch den Vergleich mit dem öffentlichen Dienst, dem Erziehungsbereich und dem Gesundheitssektor: Demnach werden auf dem Bau im Landkreis Nordhausen sogar 87 Stunden pro Kopf im Jahr mehr gearbeitet als in diesen Branchen. „Das liegt vor allem daran, dass auf dem Bau gilt: entweder ganz oder gar nicht. Vollzeit plus Überstunden – das ist die Regel: Den ‚Halbtagsmaurer‘ gibt es nicht. Bei oft langen Anfahrten zur Baustelle von 60 Kilometern und mehr funktioniert kein Teilzeitmodell“, so Harald Buntfuß.

Das bedeute, dass Baubeschäftigte „enorm lange und enorm hart am Stück arbeiten“. Die körperliche Belastung im Laufe eines Berufslebens sei auf dem Bau gewaltig: „Kaum ein Dachdecker schafft es bis zur Rente. Nur jeder Zehnte arbeitet noch zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Im Schnitt müssen Bauarbeiter vor 59 in Rente gehen, obwohl sie eigentlich bis 67 durchhalten müssten. Sie sind körperlich einfach Jahre früher am Ende und müssen dann zum Teil starke Abstriche bei der Rente in Kauf nehmen“, sagt Harald Buntfuß von der IG BAU Nordthüringen.

Zur geringeren Rente komme dann auch noch eine geringere Lebenserwartung. Bei Männern sei dies besonders drastisch. So lebe ein Beamter statistisch zum Beispiel 5,6 Jahre länger als ein Arbeiter. Entsprechend länger bekomme er auch seine Pension. Das gehe aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. „Hart arbeiten und dann am Ende für eine kürzere Zeit weniger Rente bekommen – damit muss Schluss sein“, fordert Harald Buntfuß.

„Der Bau im Landkreis Nordhausen ist typisch für das hohe Pensum an Arbeitsstunden, das im Baugewerbe geleistet wird. Wer mehr und härter arbeitet, sollte am Ende allerdings auch eine höhere Rente bekommen als heute. Die neue Bundesregierung muss deshalb die Rente ab Herbst anpacken und auf neue Füße stellen: Wir müssen endlich Altersarmut effektiver verhindern. Und auch eine geringere Lebenserwartung muss ausgeglichen werden“, fordert der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger. Er spricht sich für eine „grundlegende Rentenreform“ aus: „Bei der Rente muss die Reset-Taste gedrückt werden. Notwendig ist eine Rentenkasse, in die alle einzahlen – Arbeiter, Angestellte, Selbständige, Beamte, Parlamentarier und Minister: der Polier genauso wie die Professorin und der Politiker.“

Damit das passiere, sei eine Botschaft wichtig: „Eine sichere und gute Rente kann man wählen“, so Feiger. Der IG BAU-Chef appelliert deshalb, „einen kritischen Blick in die Wahlprogramme der Parteien zu werfen und genau zuzuhören, was von denen kommt, die in den Bundestag und ins Kanzleramt wollen“. Die Ziele der Parteien zur Rente seien sehr unterschiedlich. Die Gewerkschaft hat deshalb jetzt einen „Lockruf in die Wahlkabine“ gemacht – Wahl-Clips mit der Aufforderung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skurrilen Szenen und kuriosen Charaktertypen – wie dem „Marathon-Schufter“ auf einer Baustelle, der mit 78 Jahren noch Säcke auf dem Bau schleppen muss. Dazu der Kommentar: „Deutschland, deine Rentner. Solange sie noch atmen, sollen sie auch arbeiten.“

Die IG BAU macht damit einen „Weckruf zur Wahl“: „Es geht darum, die Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, klar auf den Punkt zu bringen – mit einem Augenzwinkern. Ob per Briefwahl am Küchentisch oder am 26. September in der Wahlkabine: Wichtig ist, dass die Menschen wählen gehen“, sagt der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger.
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Kommentare

21.09.2021, 12.32 Uhr
eb3781 | Bautarif
Wie kann es sein das der Osten immer noch weniger Geld bekommt baumindestarif ist 12,85€ West 15,70€ und das 30 Jahre nach der Wende und machen die gleiche Arbeit

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21.09.2021, 12.43 Uhr
eb3781 | Frage an die Politik und Bau Agrar Umwelt
Da wundert ihr euch das keiner das Handwerk lehnen will und die Politik will 12€ Mindestlohn ein führen . Das ist nicht auf dem Bau nachvollziehen das geht nicht nur den Bau so auch andere Berufe sind mit dem Mindestlohn ist Ost an den Westen nicht angeglichen 30 Jahre nach der Wende.

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21.09.2021, 14.16 Uhr
Leser X | Wie das wohl sein kann?
Na wie wohl? Das ist halt Kapitalismus. Eben rechts. Früher alles in der Schule gelernt. Ich verstehe die Frage nicht...

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22.09.2021, 16.06 Uhr
BigBen | “12€ Mindestlohn“
So lange es Menschen gibt, die sich damit abfinden, wird sich daran nichts ändern. Jeder der sich freiwillig ausbeuten lässt, hat doch selber Schuld, oder? Und dann die billige Ausrede, lieber weniger Geld, als keine Arbeit. Über so etwas freut sich nur der Arbeitgeber. Wie heißt es doch so schön, „ JEDER BEKOMMT, WAS ER WILL.“

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22.09.2021, 16.59 Uhr
diskobolos | Der Mindestlohn beträgt z. Zt. 9,60 €
Da geht die Forderung von 12 € schon in die richtige Richtung. Die anderen genannten Beträge sind Tariflöhne. Für deren Erhöhung sind AG und AN zuständig. Gute Tariflöhne können nur erreicht werden wo die Gewerkschaften stark sind, dass heißt viele Mitglieder haben, die auch streikbereit sind. Ansonsten hilft nur umziehen oder einenanderen Job suchen.
Auch wenn es sich einige wünschen mögen, es wird kein Gesetz geben, dass die Einkommen im Osten genauso hoch sein müssen wie im Westen. In Schleswig-Holstein wird auch weniger verdient als in Baden-Württemberg.

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